500.000 Liter pro Tag für 3.500 Menschen: Feuerwehr im Dauereinsatz
Hardeggs Feuerwehrkommandant Heinrich Löschnig (l.) und Bürgermeister Fritz Schechtner beim Hardegger Wasserwerk.
"Wir fahren seit 7 in der Früh und werden bis 22 Uhr fahren", sagt Hardeggs Feuerwehrkommandant Heinrich Löschnig, der am Montag als Einsatzleiter in Felling (Stadtgemeinde Hardegg) beim Wasserwerk stationiert ist. Er koordiniert die Feuerwehrfahrzeuge, die die Hochbehälter mit Trinkwasser auffüllen.
Es ist nun acht Tage her, dass in Tschechien, einige Kilometer nördlich der Thaya ein Güllebehälter geplatzt ist und so etwa 3.000 Kubikmeter Rindergülle durch einen Nebenbach in die Thaya gelangt sind. Neben der tschechischen Stadt Znaim wird auch die kleinste Stadt Österreichs, Hardegg im Bezirk Hollabrunn, durch den Fluss mit Trinkwasser versorgt.
Hardegger Hochbehälter versorgen 3.500 Personen mit Trinkwasser
"Wir haben rechtzeitig davon erfahren und unsere Brunnen gesperrt", erinnert sich Hardeggs Bürgermeister Fritz Schechtner (ÖVP) an den vergangenen Montag. Seitdem ist die Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, um die Hochbehälter des Wasserwerks mit EVN-Wasser zu füllen, damit die Hardegger und einige Bürger in Teilen der Gemeinde Weitersfeld (Bezirk Horn) mit Trinkwasser versorgt - insgesamt sind es etwa 3.500 Menschen - sind.
"Wir haben das Trinkwasser nie gesperrt", betont Schechtner, dass alles rasch und reibungslos organisiert wurde. Die Arbeit der Feuerwehren koordiniert das Bezirkskommando. "Was die Feuerwehr da leistet ist beeindruckend", ist der Stadtchef dankbar. "Solche Einsätze rechtfertigen alle Investitionen in unsere Feuerwehren."
Voller Einsatz auch bei "miesen Wetterbedingungen"
"Was die Feuerwehren in den letzten Tagen bei vollkommen miesen Wetterbedingungen im Freien auf unwegsamen Gelände leisten, ist ein Wahnsinn. Das kann sich ein Außenstehender, der vielleicht über die maschinelle Ausrüstung aufgrund von Überdimensionierung wettert, gar nicht vorstellen", bestätigt Erhard Neubauer, der den Trinkwasser-Einsatz am Sonntag leitete.
Der Weg zum Wasserwerk ist schmal, eine Herausforderung für den Wassertransport.
Wasserwerk und Hochbehälter befinden sich nämlich im Wald. "Dort ist der höchste Punkt", erklärt der Bürgermeister. Doch die Feldwege dorthin sind schmal. "Würden sich dort zwei Tankwagen begegnen, müsste einer zurückstoßen", schildert er die Begebenheiten. Das bestätigt sich, als der Schechtner mit dem KURIER zum Wasserwerk fährt - der Stadtchef musste in einen vereisten Weg einbiegen, um einen Feuerwehrfahrzeug Platz zu machen.
500.000 Liter Trinkwasser pro Tag
Nicht nur die Wehren aus dem Bezirk Hollabrunn fahren mit dem Trinkwasser - Entnahmestellen sind aktuell in Langau und Oberhöflein im Bezirk Horn -, es kommt auch Unterstützung aus Mistelbach, Gars am Kamp, Stockerau sogar aus Klosterneuburg. Denn pro Tag werden 500 Kubikmeter Trinkwasser, also 500.000 Liter, benötigt, um die Bürger zu versorgen.
"Wir haben hier heroben Platz für drei Fahrzeuge", erklärt Einsatzleiter Löschnig vor Ort. Es sei zunächst eine Herausforderung gewesen, das Einbahnsystem zu koordinieren. In den vergangenen eisigen Tagen war auch die Straßenmeisterei in die Planungen eingebunden: Der Weg zum Wasserwerk sowie zu den Wasserentnahmestellen wurde gestreut, bevor die Feuerwehr eintraf.
Firma sprang ein und befestigte den Weg
"Heute stehen wir im Gatsch", brachte das Tauwetter neue Herausforderungen mit sich, berichtet Löschnig am Montag. Die örtliche Firma Setzer Transporte sprang ein, um den Waldweg zu befestigen.
Im Hardegger Wasserwerk wird das Wasser der Thaya zwei Mal pro Tag getestet. "Die höchste Belastung an Nitraten, die sind entscheidend bei Gülle, hatten wir am Dienstag. Seit Freitag sind die Werte wieder so, wo vor der Kontaminierung", berichtet Schechtner, der selbst regelmäßig ein Schluckerl nimmt - "geruchlich und geschmacklich ist das Wasser einwandfrei", lautet das Urteil des Stadtchefs.
Wasser wird genau untersucht
Dennoch gilt es das Ergebnis eines Labors abzuwarten. Damit wird frühestens Mitte der Woche gerechnet. "Es wird noch ein paar Tage bis zur Freigabe dauern", bestätigt Bezirkshauptmann Karl-Josef Weiss, der dem Krisenstab angehört.
Harald Bauer ist Gemeindemitarbeiter und verbrachte seit dem Gülleunfall viele Stunden im Wasserwerk. Zwei Mal täglich testet er das Wasser aus der Thaya.
"Morgen machen wir einen größeren Test. Das Wasser aus der Thaya wird begutachtet", erklärt Harald Bauer. Der Gemeindemitarbeiter beobachtet die Pegelstände in den Hochbehältern und arbeitet mit der Feuerwehr zusammen.
Ein Tag Pause für die Feuerwehren
Diese legt am Dienstag (27. Jänner) eine Pause ein. Die Pumpen der Brunnen werden wieder angeworfen, das Wasser aus der Thaya fließt wieder durch die Anlage, aber: "Bevor es in den Hochbehälter kommt, wird es in den Kanal abgeleitet", so der Bürgermeister.
Die Anlage in Znaim soll bereits seit Sonntag wieder in Betrieb sein, "aber nur für Gebrauchswasser und noch nicht für Trinkwasser", hat der Hardegger Bürgermeister den tschechischen Medien entnommen.
Gemeinde trägt Kosten für EVN-Wasser
Die kleinste Stadt Österreichs hat eine moderne Wasseraufbereitungsanlage, durch die auch das - bereits aufbereitete - EVN-Wasser noch einmal fließt, wenn es aus den Feuerwehrtanks kommt. "Unser Wasser wird ohne Chlor aufbereitet und ist sehr weich", schildert Schechtner. Das Wasser wird in Hardegg durch UV-Bestrahlung aufbereitet.
Das EVN-Wasser werde natürlich etwas kosten, das wohl die Gemeinde bezahlen werde, so der Bürgermeister, der auf eine Vergütung durch eine Versicherung hofft.
Fuhren am Sonntag mit Trinkwasser zum Hardegger Wasserwerk (v.l.): Andreas Frey, Unterabschnittskommandant Franz Setzer, Rainer Löscher, Hardeggs Stadtamtsdirektorin Margit Müllner, Brandrat Markus Zahlbrecht, Abschnittsbrandinspektor Erhard Neubauer und Patrick Eber, der den Feuerwehrkameraden im Namen von Wasserrechts-Landesrat Sven Hergovich eine kleine Stärkung vorbeibrachte.
Patrick Eber ist SPÖ-Gemeinderat in Zellerndorf und ist seit diesem Jahr Mitarbeiter im Büro von Landesrat Sven Hergovich, der für Wasserrecht zuständig ist. Hergovich spendierte den Einsatzkräften eine Stärkung für zwischendurch, die Eber am Sonntag überbrachte.
SPÖ-Landesrat dankt für Einsatz in Hardegg
"In einer herausfordernden Situation wurde in kürzester Zeit mit hoher Professionalität und großem Engagement gehandelt. Dafür gilt allen Beteiligten mein ausdrücklicher Dank“, so Hergovich.
Der Einsatz in Hardegg zeige eindrucksvoll, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Einsatzorganisationen, Behörden, Gemeinden und heimischen Unternehmen in Niederösterreich funktioniere. "Der Schutz der Bevölkerung und die Sicherstellung der Grundversorgung haben hier oberste Priorität", weiß der Landesrat.
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