Chronik | Niederösterreich
09.03.2014

Gutes Benehmen lernen: "Hey Alter, was geht ab"

Jugendliche lernen, dass gutes Benehmen nicht von gestern ist.

"Welche Sprüche sind bei der Arbeit absolut unangebracht?", fragt Elisabeth Lex in die Runde. Die Antwort kommt blitzschnell. "Was geht ab, Alter", sagt Abdi und hat die Lacher auf seiner Seite. Der Bursche sitzt mit sieben weiteren Jugendlichen der "Überbetrieblichen Lehrausbildung" des AMS in einem Kurs für "Social Skills" der Wirtschaftskammer NÖ. Organisiert und entwickelt wurden die Kurse von Lex und Heinrich Schmid, Inhaber der gleichnamigen Tanzschule in Perchtoldsdorf.

Ein Benimmkurs für Jugendliche? Manche denken da an My Fair Lady und "es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen" sowie verzopfte 50er-Jahre-Romantik. Doch weit gefehlt. Der Kurs soll den Jugendlichen ein entsprechendes Auftreten vermitteln und den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Auch für Schulen steht das Angebot offen.

"Den Jungen sollen einfach gewisse Benimmregeln, soziale Kompetenz und Konfliktregeln vermittelt werden", erklärt Lex. Ein großer Teil der Lehrlinge, so monieren viele Unternehmen, hätte schließlich nicht einmal grundlegende Kenntnisse von Umgangsformen.

Das kann man von Abdi und seinen Kollegen zwar nicht behaupten – Respekt, Höflichkeit, nicht herumlümmeln und nicht widersprechen zählt für sie als gutes Benehmen – doch Theorie und Praxis sind bekanntlich nicht dasselbe.

Und so übt der 15-Jährige mit Lex gleich einmal den richtigen Gruß. Händeschütteln, nicht zu fest und nicht zu leicht. "Sie dürfen ruhig fester", meint die Expertin. "Ich wollte Ihnen ja nicht weh tun", feixt der 15-Jährige. Und wer grüßt wen zuerst? Der Ältere den Jüngeren? Der Herr die Dame? Gar nicht so leicht. "Ich zeige Ihnen, wie Sie im Geschäftsleben problemlos zurecht kommen", stellt Lex klar. Also, wie man sich beim Bewerbungsgespräch verhält, auf der Weihnachtsfeier oder beim Firmen-Essen. Worauf habe ich als Firmen-Neuling zu achten oder was darf man überhaupt auf Facebook posten?

Tanzunterricht

Neun Unterrichtseinheiten umfasst das Programm. Es gibt Rollenspiele und rhetorische Übungen. Auch Tanzstunden und das richtige Verhalten im Restaurant stehen auf dem Lehrplan. "Der Tanzunterricht soll vor allem für eine positive Gruppendynamik sorgen", so Lex. Das findet eine Kursteilnehmerin gar nicht schlecht: "Wenn man heiratet, muss man das ja können."

Die Jugendlichen passen auf, hoffen etwas mitnehmen zu können. Sie warten auf ein Praktikum oder eine reguläre Lehrstelle. "Ein Großteil der Jugendlichen meint, dass ihnen der Kurs was bringt", erklärt Josef Holzbauer, Leiter der Überbetrieblichen Lehrausbildung beim BFI.

"In den zwei Tagen wird ihnen ins Bewusstsein gerufen, dass Etikette wichtig ist." Auch die Vorstellungsgespräche würden besser laufen, wenn die Jugendlichen Basics wie das Abnehmen der Kappe, das Ausspucken des Kaugummis oder den Blick in die Augen beherzigen.

Um Perfektion geht es nicht, Fehler sind erlaubt. "Ich finde, dass soziale Kompetenz, Wertschätzung und Respekt wichtiger sind als perfektes Benehmen", sagt Lex.