Grüne fürchten: „Kurstadt Baden ist in Gefahr“
Kur und Rehabilitation sind der Grundpfeiler des Tourismus in Baden bei Wien.
Zusammenfassung
- Die Grünen warnen vor geplanten Budgetkürzungen der Bundesregierung bei Kuren und sehen dadurch Badens Gesundheitstourismus gefährdet.
- Bürgermeisterin Jeitler-Cincelli und Neos-Abgeordnete Auinger-Oberzaucher sehen die Lage weniger dramatisch und betonen die Bedeutung des Reha-Bereichs, der kaum betroffen sei.
- Die Neos fordern eine strategische Weiterentwicklung Badens als moderne Gesundheitsdestination mit Fokus auf Reha und Prävention.
Baden lebt vom Gesundheitstourismus. 63 Prozent aller Nächtigungen in der Stadt entfallen auf Kur- und Rehabilitationsgäste, die dafür genutzten Einrichtungen umfassen rund 490 Betten und mehr als 200.000 ambulante Therapien pro Jahr. Die „Römertherme“ zählt etwa 250.000 Besucher jährlich.
Bedeutender Gesundheitstourismus-Standort
All das sehen die Grünen in Gefahr. Und zwar durch geplante Budgetkürzungen der Bundesregierung bei Kuren, vor denen Gemeinderat Stefan Eitler warnt. Er fordert daher eine Resolution des Gemeinderates an die Regierung.
Baden sei Österreichs bedeutendster Gesundheitstourismus-Standort außerhalb der Alpenregion, so Eitler. Der Thermentourismus erzeuge Wertschöpfung für die Gesamtwirtschaft. „Dieses Fundament gerät nun ins Wanken: Die Bundesregierung plant Einsparungen bei Kuren von 50 Millionen Euro im Jahr 2027 und 75 Millionen Euro im Jahr darauf. Dazu kommt die Nicht-Valorisierung von Reha-, Kranken- und Wiedereingliederungsgeld.“
„Signal nach Wien“
Dass Badens Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) dem Sparpaket im Nationalrat zugestimmt hat, ärgert den Grünen: „Zwei Nationalrätinnen der Bundesregierung – Jeitler-Cincelli und Gertraud Auinger-Oberzaucher (Neos), Anm. – sitzen im Badener Gemeinderat und keine setzt sich für unseren Kur-Standort ein. Der Gemeinderat muss ein klares Signal nach Wien senden.“
Eine Expertenstudie empfehle, Investitionen in Badens Kur-Infrastruktur und den Wellness-Sektor gezielt auszubauen, so Eitler. Nun sei zu befürchten, dass diese Investitionen aufgeschoben werden. „Wer hier spart, spart nicht an einem Luxusangebot, sondern an einer wirtschaftlichen Lebensader unserer Stadt. Das trifft unsere Gastronomie, unseren Handel, unsere Arbeitsplätze.“
„Noch keine Fakten“
Bürgermeisterin Jeitler-Cincelli sieht die Situation nicht so dramatisch. „Baden ist eine international bedeutende Kurdestination. Man muss jedoch klar festhalten, dass der Schwerpunkt heute im Reha-Bereich liegt: Mehr als zwei Drittel der Betten stehen für Reha-Aufenthalte zur Verfügung.“ Und diese seien von den geplanten Einsparungen kaum betroffen.
„Nur knapp ein Drittel entfällt auf klassische Kur-Betten“, so Jeitler-Cincelli. Baden habe sich bereits stark weiterentwickelt, müsse sich auch künftig weiterentwickeln. Sie habe „mit den entscheidenden Gremien Rücksprache gehalten, da bis dato nur eine Überschrift vorliegt und keine Fakten“, betont die Bürgermeisterin. „Nur wenn wir wissen, was kommt, können wir verantwortungsvoll und langfristig planen.“
Welterbe nicht gefährdet
Das Welterbe im Rahmen der „Great Spa Towns of Europe“ sei keinesfalls gefährdet, ist Jeitler-Cincelli überzeugt: „Es umfasst weit mehr als medizinische Kuraspekte. Entscheidend sind dabei auch Erholung in der Natur, Freizeit- und Gesellschaftskultur sowie die hohe Lebensqualität.“
Auch Neos-Abgeordnete Auinger-Oberzaucher stimmt zu: „Rehabilitation ist längst das zentrale Angebot am Gesundheitsstandort Baden. Darin liegt eine große Chance für die Stadt. Statt die Diskussion auf Alarmismus und eine Kurdebatte zu verengen, braucht Baden endlich eine klare Positionierung als moderne Gesundheitsdestination. Reha und Prävention müssen strategisch weiterentwickelt werden.“
In den vergangenen Jahren habe man es in der Stadt verabsäumt, aus Entwicklungen eine aktive Standortstrategie abzuleiten. Die Neos wollen daher klären, welche Angebote Patienten künftig brauchen: „Wie kann Baden seine Reha-Kompetenz besser mit Prävention und Tourismus verbinden? Welche Schritte braucht es, damit aus Studien endlich Umsetzung wird?“
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