Chronik | Niederösterreich
30.07.2018

Groß Gerungs: Angst vor Transitroute wächst

Neuer Anlauf für künftige Umfahrung, Bürgerinitiative fürchtet Autobahn-Anschluss.

Besorgte Anrainer erleben derzeit in Groß Gerungs im Bezirk Zwettl ein Déjà-vu. Bereits vor vier Jahren sammelten sie Hunderte Unterschriften, um den möglichen Bau einer Nordumfahrung zu verhindern. Tatsächlich machte die Gemeinde damals einen Rückzieher. Jetzt flammt die Debatte wieder auf, nachdem mehrere Grundeigentümer über die neue, alte Absicht informiert wurden. Allerdings mit neuen Vorzeichen und Ängsten: Anrainer befürchten, dass hier womöglich eine Transitroute – sogar in Form einer Anschlussstelle der geplanten Waldviertel-Autobahn – entstehen könnte.

Wie 2014 berichtet, war es der „Bürgerinitiative gegen Transitverkehr auf der B-38“ mit mehr als 500 Unterschriften gelungen, den Gemeinderatsbeschluss abzuwenden. Es sollten nämlich Flächen für eine künftige Umfahrung frei gehalten werden.

Verkehrszahlen

Unter dem Titel „30. Änderung des örtlichen Raumordnungsprogramms“ wird jetzt ein neuer Anlauf gestartet. Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind stinksauer. „Wenn man sich die aktuellen Verkehrszahlen (Anm. 3000 bis 6000 Fahrzeuge täglich) ansieht, sind sie nach wie vor auf niedrigem Niveau . Die rechtfertigen keine Umfahrung. Auch in Zukunft nicht“, sagt Landwirt Franz Hahn, der dafür mehrere Flächen abgeben müsste. Er spricht von einer „hinterlistigen Enteignung“. „Ich kann meine Felder nicht mehr lange sinnvoll bewirtschaften“, fürchtet Hahn.

Er und seine Mitstreiter wollen auch einen Megabau durch die Landidylle abwehren, weil damit mehr Verkehr, Lärm und Abgase zu erwarten seien. „Vielleicht geht es schon um eine Autobahn-Anbindung. Es ist jedenfalls interessant, dass die Stadt zeitgleich mit der Autobahn ihr Projekt wieder ins Leben ruft“, sagt Gastwirt Herbert Traxler, der um die Kundenfrequenz im Ort bangt.

Volksabstimmung

Ob eine Umfahrung benötigt wird, sollten die Bürger selber entscheiden, meint FPÖ-Gemeinderat Ewald Faltin und schlägt „eine verbindliche Volksabstimmung“ vor.

ÖVP-Bürgermeister Maximilian Igelsböck versucht zu beruhigen: „Es geht momentan nur um Freiflächen im Widmungsplan. Derzeit ist keine Umfahrung notwendig. Steigt aber die Verkehrsfrequenz in 10 oder 20 Jahren um das Drei- bis Vierfache an, sollen die Bewohner die Chance haben, rasch eine Lösung zu finden.“ Dass er vor vier Jahren selber gegen eine Umfahrung unterschrieben habe, sei aus der Emotion heraus, als der Konflikt hochgekocht sei, passiert. Zuletzt seien aber weitere Untersuchungen unternommen worden, jetzt liege der fertige Umweltbericht in der Gemeinde zur Einsicht auf. Es gehe nur um eine lokale Lösung.