Chronik | Niederösterreich
21.09.2017

Grenzenlose Spitalsversorgung nützten schon 4000 Tschechen

Beim Pilotprojekt im Gmünder Klinikum sollen tschechische Patienten schon bald auch stationär behandelt werden.

Tankwart Tomaš Zdenek, 42, aus České Velenice will gar nicht mehr zurückblicken, wie es war, als er eine halbe Ewigkeit ins nächste Spital in Tschechien fahren musste – Neuhaus liegt 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Jetzt sind es nur wenige hundert Meter, bis er im Krankenhaus versorgt werden kann. Was vor wenigen Jahren noch aufgrund von Barrieren wie Sprache oder Kosten als unmöglich galt, ist inzwischen Normalität. Seit Beginn des Pilotprojekts "Health Across in Practice" im Februar 2013 sind 4000 tschechische Patienten im Landeskrankenhaus Gmünd ambulant behandelt worden.

Eiserner Vorhang

Jahrzehnte nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs sind auch die Grenzen für die Spitalsversorgung gefallen. Da es ein Übereinkommen zwischen den tschechischen Krankenkassen und der nö. Landesklinikenholding gibt, werden die Kosten der Patienten in Gmünd bezahlt. "Die Versorgung ist nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich auf hohem Niveau. Ich schätze die Möglichkeit der raschen Versorgung sehr", betont Zdenek. Jährlich rechnen die Spitalsbetreiber mit 1000 Patienten aus Tschechien. Eine Behandlung setzt eine Überweisung durch den Hausarzt sowie eine Terminvereinbarung in der Ambulanz voraus. Akutfälle werden umgehend behandelt. Tschechischsprachige Mitarbeiter helfen bei der Kommunikation.

Landesrat Ludwig Schleritzko geht von einer langfristigen, grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung aus. "Wir führen aktuell Gespräche mit Organisationen in Südböhmen und werden voraussichtlich noch heuer tschechische Patienten auch stationär behandeln können", sagt der Landesrat.

Auslastung

Mithilfe von Kooperationen will man die Grenzen im Gesundheitswesen weiter verringern. Schon jetzt können auch Patienten aus Niederösterreich Spitalsleistungen in Tschechien nutzen – wie etwa strahlentherapeutische Behandlungen in Znaim. Das bringe Vorteile für Niederösterreich: "Rasche und wohnortnahe Versorgung", betont Schleritzko und sagt, "durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen können Auslastung und Kosten in den Kliniken optimiert werden."