Gmünd: Frauen suchen Trost in Notquartier

Frauen flüchten vor allem, weil sie die Gewalt nicht mehr ertragen © Bild: dpa-Zentralbild/Jörg Lange

Die erste Waldviertler Frauen-Notunterkunft ist ausgelastet. Es gibt viel zu wenig Plätze für Frauen in Krisensituationen.

Der Bedarf ist leider groß“, sagt Rafaela Frank von der Frauenberatung in Zwettl, „so groß, dass wir sogar Wartelisten führen müssen.“ Sie spricht von der Nachfrage nach einem Zufluchtsort für Frauen und alleinstehende Mütter, die unter Gewalt in der Familie leiden oder auf einem Schlag obdachlos sind. Seit mehr als einem Jahr betreibt die Beratungsstelle in Gmünd die erste Waldviertler Notunterkunft, die den verzweifelten Frauen als rettende „Ruheoase“ dient und sie in ein neues Leben führen soll. Bisher fanden zehn Frauen gemeinsam mit ihren sechs Kindern Schutz, Trost und Hilfe.

Standard

Während Frauenhäuser in anderen Regionen NÖs inzwischen zur sozialen Standard-Infrastruktur gehören, darf sich das Waldviertel schon glücklich schätzen, eine Notwohnung zu haben, die Platz für drei Frauen und drei Kinder bietet. „Wir sind sehr froh, dass wir diese Möglichkeit haben“, sagt Frank, obwohl sie auch weiß, dass es viel zu wenig Plätze sind. Zudem ist die geografische Lage ein Problem. Frauen aus Horn nützen die Notunterkunft in Gmünd kaum, weil ihre Kinder dort zur Schule gehen müssen.

Dennoch sprechen die Nächtigungszahlen im ersten Betriebsjahr eine deutliche Sprache. „Wir hatten mehr als 1400 Nächtigungen. Also ungefähr 130 Übernachtungen pro Monat“, erklärt Frank. Meistens sind die hilfesuchenden Frauen im Alter zwischen 26 und 35 Jahren. Obwohl sie die Gelegenheit bekommen, bis zu einem Jahr in der Notunterkunft leben zu können, bleiben sie in der Regel zwischen drei Wochen und sechs Monaten. „Das hilft uns natürlich wieder, neuen Frauen zu helfen“, betont Frank.

Die Gründe für die Hilfesuche sind meistens Gewalt in der Familie, Scheidungssituationen und finanzielle Not. Dass der Bedarf groß ist, zeigt auch die Zahl der betreuten Frauen. Im Vorjahr holten sich 3600 Frauen Unterstützung – mehr als noch im Jahr davor. Obwohl die Dunkelziffer für Gewalt vor allem in den Dörfern noch hoch ist, orten die Betreuerinnen in der Frauenberatung eine steigende Bereitschaft der Betroffenen, sich jemandem anzuvertrauen und einen Ausweg zu suchen. Für eine Nacht im Notquartier müssten die Frauen einen Euro bezahlen. Den finanziellen Rest schießen Land NÖ und Frauenministerium zu.

Frauenberatung: Anlaufstelle in Notlage

Ratgeber Für krisengeschüttelte Frauen und ihre Kinder bietet die Beratungsstelle Waldviertel in Gmünd eine Notwohnung an. Die Betroffenen werden psychosozial und rechtlich beraten. Das Team ist unter 0664/168 96 99 erreichbar.

Hintergrund Seit dem Jahr 1991 haben Frauen im Waldviertel eine eigene Beratungsstelle in Zwettl. Mittlerweile gibt es auch eigene Außenstellen in Gmünd, Waidhofen und Horn. Elf Mitarbeiterinnen bieten Beratungen in jeder Notlage an – etwa in Krisenfällen wie Gewalt in der Familie, bei Scheidungen und Trennungen oder finanziellen Nöten. Ebenso werden gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice Hilfestellungen bei beruflichem Wiedereinstieg, Aus- und Weiterbildungen angeboten. Weitere Infos: www.fbwv.at

( Kurier ) Erstellt am 07.01.2012