Gezwungen, Hausfrau zu sein

Foto: Jürgen Zahrl

Die Arbeiterkammer kritisiert das mangelnde Kinderbetreuungsangebot in den Bezirken Waidhofen und Zwettl.

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Junge Mütter haben es im Waldviertel schwer. Und noch viel schwerer, wenn sie in den Bezirken Waidhofen und Zwettl leben.

Laut Analyse der Arbeiterkammer (AK) NÖ gibt es dort keine einzige Betreuungsstelle, die es möglich macht, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen: Ganztägige Einrichtungen und Krabbelstuben für unter-Dreijährige fehlen. Was regionale Frauenberaterinnen und Mütter bestätigen, bewerten die Gemeinden anders: Der Bedarf sei dafür zu gering.

Für die Arbeiterkammer sind die Bezirke Waidhofen und Zwettl „Sorgenkinder“. Die AK-Spezialistin Claudia Tschernutter glaubt, die Ursachen zu kennen. „Oft wird den Eltern ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie ihre Kinder außerhalb der eigenen Familie betreuen lassen.“ So nehme der Bedarf ab. „Die Folge: Das Angebot wird schlechter“, sagt Tschernutter. Ihrer Ansicht nach geht es nicht darum, „die Kinder abzuschieben“, sondern den Müttern den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern. Daher müssten die Öffnungszeiten ausgeweitet werden.

Arbeit

Doch statt zu jobben, werden viele Mütter in die Hausfrauenrolle gedrängt. „Ich wollte wieder arbeiten. Aber ich fand keinen Platz für meinen Jüngsten. Er ist über ein Jahr alt“, erklärt Eveline Pichler, dreifache Mutter und Kindergartenpädagogin aus Zwettl. In der City gibt es zwar ein Kindernest, das sei aber nur drei Mal wöchentlich geöffnet. Ein weiteres Problem: „Die Zahl der Tagesmütter ist gering“, erklärt Pichler, die jetzt selbst Tagesmutter ist. „Doch finanziell bringt das weit weniger als ein normaler Job.“ Carolin Schierhuber aus Zwettl kämpft als zweifache Mutter ebenfalls mit Problemen: „Die Nachmittagsbetreuung ist für mich unbrauchbar, weil sie nur acht Stunden pro Woche und nie bis 17 Uhr angeboten wird“, betont die 28-Jährige.

Frauenberaterin Elisabeth Eckhart bestätigt, dass die Probleme besonders in den genannten Bezirken auftreten. Aus den betroffenen Gemeinden heißt es dazu nur: Das Angebot richte sich nach dem Bedarf. „Vorbild muss der Bezirk Gmünd sein. Dort haben zwei Volkshilfe-Kinderhäuser täglich und ganztägig geöffnet“, sagt Eckhart.

(kurier) Erstellt am
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