Gemeinde Schrems drosselt Sch-Wahn

Rechtschreibfehler: Vor fünf Jahren wurde der „Schtrampler“ als Werbegag  eingesetzt
Foto: www.schrems.at

Fünf Jahre nach dem Start wollen die Bürger den "Schtadtgemeinde"-Scherz nun beenden. Der Ortschef will den Einsatz zurückfahren.

Schtark", "Schtolz" oder "Schtur" - wenn Hauptschüler laufend solche Rechtschreibfehler machen würden, fiele ihre Deutschnote im Abschlusszeugnis vermutlich alles andere als positiv aus. Doch wenn die Ortsvertreter auf die Rechtschreibung pfeifen und Briefköpfe mit dem Schriftzug "Schtadtgemeinde Schrems" verschicken, sei das als kreative Werbefreiheit zu verstehen, heißt es. Auch fünf Jahre nach dem Start der eigenwilligen Stadtmarketing-Strategie regt die "Sch"-Kampagne auf. Mehrere Bürger fordern ein Ende der "schrägen Schreibweise".

Manche Waldviertler fürchten, dass sich Schüler in der Region Schrems die falsche Rechtschreibung angewöhnen könnten, wenn ihnen sogar die Gemeinde verkehrte Schreibweisen vorlebt. Alleine auf der Stadt-Homepage Schrems wimmelt es nur so von inkorrekten Wortkreationen. "Schrems schpricht. (...) Mit einem sympathischen, kleinen Schprachfehler. Vielleicht haben auch Sie Schpaß an unserer Schtadtgemeinde", steht dort geschrieben.

"Die Schüler könnten glauben, dass diese Wörter so geschrieben gehören. Die Gemeinde hat es mit der falschen Schreibweise übertrieben", sagt BZÖ-Gemeinderat Wolfgang Zibusch. Mit dem "Sch" müsse endlich Schluss sein. "Es bringt sicher nichts, jetzt alle Kuverts und Stadtpläne wegzuschmeißen. Aber nachdem die Vorräte aufgebraucht sind, dürfen keine nachbestellt werden", fordert Zibusch.

Verzicht

Wenig Freude hat auch VP-Stadträtin Martina Diesner-Wais. "Damals hat das Projekt Aufmerksamkeit erregt, die Gemeinde war in aller Munde. Aber in Zukunft sollten wir auf das ,Sch' verzichten", sagt Dienser-Wais. Gefallen findet sie nur an der Wortbild-Marke: "Schtark-Schtolz-Schtur-Schrems". Der Schriftzug habe sich als Marke etabliert.

SP-Bürgermeister Reinhard Österreicher sieht die Diskussion um das "Sch" relativ locker. "Ich war anfangs selbst nicht sehr begeistert. Doch der Gemeinderat hat diese Dachmarke damals akzeptiert", sagt Österreicher. Die Aktion sei jedenfalls aufgefallen. Dass sich der Rechtschreib-Scherz in Aufsätze geschlichen habe, sei unbekannt. "Ich kenne keine Fälle", betont der Schuldirektor. Die Sch-Präsenz soll aber abnehmen. "Einige Werbe-Schilder sind schon abmontiert. Auf das Seniorenheim schreiben wir beispielsweise wieder Stadt-, nicht Schtadtgemeinde."

(kurier) Erstellt am
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