Frittatensuppe vor Apokalypse: Neue Eigenproduktion am Hoftheater
Im Waldviertler Hoftheater wurde aufgespielt und aufgetischt.
Im Waldviertler Hoftheater riecht es an diesem Freitagabend nach Frittatensuppe. Würzig und fettig steigt der Duft aus den dampfenden Schalen auf. Die Gäste sitzen über rustikale Holztische gebeugt und löffeln das österreichische Traditionsgericht. So behaglich die Szene zunächst wirken mag, haftet ihr doch etwas Beklemmendes an.
Vielleicht liegt es an der unheilvollen Hintergrundmusik im Theatercafé. An dem fröhlichen „Ihr müsst alles aufessen“-Singsang des Personals beim Servieren der Suppe. Oder daran, dass hoch oben im niederösterreichischen Norden eine Zombie-Apokalypse bevorsteht.
Dabei beginnt der Theaterabend recht behaglich. Nach und nach treffen die Gäste ein, bestellen Getränke, suchen sich einen freien Platz. Zu Beginn der Aufführung wird das Setting gesetzt: Die TV-Aufzeichnung einer Kochshow zu Ehren des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard soll in Pürbach stattfinden. Die Frittatensuppe ist dabei mehr als bloße Verpflegung – sie verweist direkt auf Bernhards Werk.
Zwischen Bernhard-Hommage und Endzeitstimmung
Hinter einer blauen Holztheke, dekoriert mit grünen Kräutertöpfen, steht das Moderationsduo und führt durch den Abend. Immer wieder werden von der Regisseurin Schilder in die Luft gerissen, um das Publikum zum Klatschen, Lachen oder zu einem genüsslichen „Mhmm“ aufzufordern.
Parallel dazu werden Interviews mit den beiden geladenen Gästen geführt. Ein zunehmend betrunkener Professor und Thomas-Bernhard-Experte gibt philosophische Einblicke in das Leben des Schriftstellers, eine Palatschinken-Läuferin spricht über ihre Leidenschaft fürs Schupfen der Teigfladen und ihre persönlichen Rekorde.
Rund 10.000 Gäste verschlägt es jährlich vor die kleine Bühne.
Immer wieder muss die Aufnahme unterbrochen werden, etwa weil sich jemand verspricht oder eine Anekdote des beinahe hysterisch lachenden Moderators doch zu düster fürs Fernsehen ist.
Je länger die Aufzeichnung läuft, desto chaotischer entwickelt sich das Treiben vor der Kamera. Und dann ist da noch dieser eine Gast, der mit steifen Schritten und leerem Blick als Letzter den Raum betritt. Der immer wieder lautstark Thomas Bernhard zitiert, nach Essen verlangt und die Truppe schließlich vollkommen ins Chaos stürzen wird.
Was zunächst wie eine Persiflage auf das Kochfernsehen wirkt, entwickelt sich rasch zu einer Mischung aus Bernhard-Hommage und Endzeitkomödie. An einzelnen Stellen schimmert in den Dialogen eine leichte Gesellschaftskritik durch. Hinter dem Konzept der literarisch-performativen Kochshow stecken Johannes Bode und Moritz Hierländer - der Leiter des Hoftheaters.
„Ein bisschen schockiert“
Der Intendant habe schon lange eine „absurde Kochshow“ machen und ein Stück über Thomas Bernhard schreiben wollen. Hinzu kam die Idee einer Social-Media-Kritik mithilfe einer Zombie-Apokalypse. Bei den meisten Gästen sei das Konzept bisher gut angekommen. Aber: „Ich muss sagen, die ältere Bevölkerung war ein bisschen schockiert. Das mit den Zombies war für sie eine andere Welt.“
Getragen wird das Stück durch die Spielfreude des Ensembles und diverse unkonventionelle Ideen, die einen bisweilen verdutzt zurücklassen können. Manches köchelt länger, als es müsste, und nicht jede Zutat entfaltet ihre volle Wirkung. Trotzdem fasziniert die Geschichte, und wer sich darauf einlässt, erlebt einen Abend voller Überraschungen und spürbarem Herzblut.
Die Aufführung bleibt dabei nicht auf einen Ort beschränkt, sondern verlagert sich vom Theatercafé, auf die Bühne, in die Wiese. Gegen Ende löst sich die ohnehin fragile Ordnung endgültig auf und was als unbehagliche Kochshow begonnen hat, steuert auf ein überraschend explosives Finale zu.
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