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Landwirtinnen: Die unterschätzte Kraft am Land

Zwei Bäuerinnen aus Niederösterreich erzählen von Herausforderungen, Selbstvertrauen und ihrer Liebe zum Beruf.
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Über die trockene Weide marschiert Helga Bernold ihrer Rinderherde entgegen. Die Tiere stehen dicht beieinander in der prallen Sonne, am höchsten Punkt der Koppel. „Wegen dem Wind“, sagt Bernold. Das trockene Gras knirscht unter ihren Füßen, beiläufig liest sie einen zerbrochenen Holzsteher auf. „Da heraußen ist die Mutterkuhherde.“

Die 48-Jährige kennt jedes ihrer etwa 120 Rinder beim Namen. Selbstverständlich bewegt sie sich zwischen den massigen Tieren und ihren ausladenden Hörnern, krault hier einen Nacken, streicht dort einen Kopf. Was heute so natürlich wirkt, schien für sie lange undenkbar. Denn eigentlich wollte Bernold nie Bäuerin werden.

Eine Frau im roten Top und mit Kappe sitzt draußen auf einer Bank und gestikuliert beim Gespräch.

Landwirtin Helga Bernold

Aufgewachsen auf einem Bauernhof zog sie bereits in jungen Jahren nach Wien, besuchte die Grafische und probierte sich kurzzeitig im Jus-Studium. Später absolvierte sie in Salzburg eine akademische Ausbildung im Bereich Informatik und Wirtschaft. Es folgten eine Firmengründung und mehrere Jahre in der IT. „Es hat mich nie lange in einer Branche gehalten“, sagt sie.

„Ist mir so passiert“

Ihren ursprünglichen Plänen zum Trotz übernahm Bernold schließlich den Hof ihres damaligen Partners, den sie nach und nach zu einem Demeter-zertifizierten Bio-Betrieb entwickelte. „So ist mir das passiert“, sagt Bernold. „Darum sag ich zu meinen Kindern immer: Sag niemals nie.“ Mittlerweile arbeitet sie seit 20 Jahren auf ihrem Hof in Stronsdorf, bewirtschaftet Äcker, kümmert sich um das Vieh. „Und es ist nicht immer lustig, es ist ganz oft beschissen“, sagt sie. Ein anderes Leben könne sie sich heute trotzdem nicht mehr vorstellen.

2026 steht international die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft im Fokus. Für Bernold ist es eigentlich absurd, dass ein eigenes Aktionsjahr dafür noch notwendig ist. „Aber ich sehe, es braucht es anscheinend tatsächlich, weil noch immer so viel Ungleichheit passiert.“ Oft fehle auch Frauen selbst das Bewusstsein für die eigene Arbeit. „Zu sagen: Da bin ich, das mache ich, ich bin gut so, wie ich bin.“

Sich beweisen zu müssen, gehöre für sie zum Alltag. „Aber die Burschen müssen sich auch dauernd beweisen, das ist ja ein menschlicher Habitus.“ Gleichzeitig werde sie bis heute in manchen Situationen unterschätzt — etwa wenn es darum geht, Lieferungen mit dem Stapler abzuladen. Nicht selten höre sie entschuldigende Worte, sobald ihr Gegenüber merkt, dass sie der Aufgabe genauso gut gewachsen ist.

Stören tue sie das mittlerweile nicht mehr. Und wenn sie etwas doch nicht selbst könne, dann sei das eben so. „Ich finde, jeder hat seine Fähigkeiten. Und damit muss man halt irgendwie haushalten und umgehen.“

Quereinsteigerin

Auch Johanna Haselmann kennt überraschte Blicke. Wenn die 31-Jährige mit dem Traktor unterwegs ist, schauen manche Menschen noch immer erstaunt. „Ich merke grundsätzlich, dass einem weniger zugetraut wird“, erzählt sie in ihrem Garten sitzend. Die ausgebildete Volksschullehrerin bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Josef den Biohof Haselmann im Bezirk Krems. 2020 zog das Paar zum Familienbetrieb, der sich aktuell in der Hand ihrer Schwiegermutter befindet.

Der Einstieg in die Landwirtschaft sei fordernd gewesen. „Ich habe erst nach und nach bemerkt, wie wenig Ahnung man eigentlich davon hat, was alles dahintersteckt“, erzählt sie. Eine Erkenntnis habe sie schnell verinnerlicht: „Die Viecher kommen immer zuerst.“ Ihre Rolle am Hof beschreibt Johanna mit einem Wort: gleichgestellt. Es koste sie zwar öfter Überwindung, aber: „Können tu ich eigentlich alles“.

Eine Frau sitzt im Freien an einem Holztisch unter Bäumen und spricht in ein Mikrofon.

Quereinsteigerin Johanna Haselmann
 

Kürzlich hat Haselmann ihren Traktorführerschein absolviert. Ein Schritt, vor dem sie mit Blick auf die steilen Hänge und großen Maschinen durchaus Respekt hatte. Die Unsicherheit hat sie jedoch nicht abgehalten: „Es ist ein ständiges Über-sich-selbst-Hinauswachsen, Überwinden, um dann zu merken: “He, funktioniert doch eh!'“

In diesen und vielen weiteren Momenten sei aus ihrer Sicht Kommunikation besonders entscheidend. Offen anzusprechen, warum man sich eine Aufgabe nicht zutraut oder worin das Problem liegt. Auch ihr Partner profitiere durchaus von ihrer Unwissenheit als Quereinsteigerin. Oft würden ihre Fragen neue Perspektiven eröffnen. „Und auch im Umgang mit Stress kann ich ihm viel zeigen.“

Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit am Hof kann sich Johanna Haselmann heute kaum noch ein anderes Leben vorstellen. Besonders schätze sie die Ehrlichkeit der Arbeit und die Nähe zur Natur. „Man sieht einfach über das ganze Jahr, was man geschaffen hat“, sagt sie.

Auch wenn der Alltag oft anstrengend sei, gebe ihr die Arbeit am Hof viel zurück. Vieles brauche Geduld, manches lasse sich erst Jahre später beurteilen. „Landwirtschaft passiert nicht jetzt. Das passiert über Jahrzehnte und über Generationen hinweg. Das ist einfach so ein schönes Gefühl, wenn man merkt, wovon man Teil ist.“

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