Franz Gschiegl: Der Marathon-Mann aus Pfaffstätten

Der 71-jährige Franz Gschiegl aus dem Bezirk Baden wird am 19. April seinen 43. Wien-Marathon laufen.
Franz Gschiegl

Hobby-Leistungssportler ist Franz Gschiegl seit 50 Jahren. Als er seinen ersten Wien-Marathon lief, dachte er sich noch, dass das ganz okay sei. Beim zweiten packte ihn schon das Fieber und ab da war es eigentlich gelaufen - und es läuft bis heute. Der Wien-Marathon sei für ihn der "größte und schönste" Marathon in Österreich. "Ich habe da eine patriotische Ader", sagt Gschiegl. Jahrzehnte habe er in Wien gearbeitet und er freue sich jedes Mal, wenn er im April an seinen früheren Arbeitsstätten, etwa beim Prater oder am Donaukanal, vorbeilaufe. "Das ist wie Heimkommen."

Laufen war nicht immer Gschiegls Steckenpferd, eigentlich hat alles mit dem Bergsteigen angefangen. Als 22-Jähriger startete er mit dem Lauftraining und "dann kam die Sucht", wie er sagt. Die nach dem Laufen. Das tat er über rund vier Jahrzehnte weitgehend alleine beziehungsweise mit seiner Frau. Die feuert ihren Mann mittlerweile als Zuschauerin an. "Die Toleranzschwelle meiner Frau und meiner drei Kinder war immer sehr hoch", sagt Gschiegl über sein zeitraubendes Hobby.

Franz Gschiegl am Kedar Dome.

Franz Gschiegl am Kedar Dome im indischen Teil des Himalaya.

"Einmal pro Woche am Berg"

Heute läuft Gschiegl mit Gleichgesinnten im Lauftreff Pfaffstätten (Bezirk Baden), einer Runde aus rund 100 Läufern und Läuferinnen. Sein wöchentliches Laufpensum liegt bei rund 70 Kilometern, früher seien es schon mal 100 Kilometer gewesen. Das wöchentliche Bewegungspensum umfasst außerdem Trailrunning, Bergsteigen und im Winter Skitouren. "Ich bin mindestens einmal pro Woche am Berg."

Lager beim Kedar Dome im Himalaya

Lager beim Kedar Dome im Himalaya

Nach Indien in die Einsamkeit

Auch im alpinen Gelände scheint es Gschiegl gerne etwas extremer zu haben. Seine letzte Expedition führte ihn und seine Bergkameraden im Mai 2025 in den indischen Teil des Himalaya-Gebirges. "Wir waren mit den Skiern in einer sehr entlegenen Gegend, wir wollten dort hin, wo niemand sonst ist", sagt der Pfaffstättener. Aus genau diesem Grund reize ihn der Mount Everest nicht: dort seien zu viele Menschen.

Außerdem, räumt er ein, hätte die Familie wohl etwas dagegen, würde er sich noch an einem 8.000er versuchen. Der Kedar Dome im indischen Himalaya, den er im Vorjahr besuchte, misst immerhin stolze 6.870 Meter. "Wir sind aber nur bis auf 6.300 Meter gekommen", erzählt der 71-Jährige, das Wetter habe nicht gepasst. Er ist also keiner, der den Gipfelsieg um jeden Preis braucht? Nein, meint er, das Erzwingen von Siegen sei nicht seine Sache.

Deshalb sieht der sportliche Senior sein Alter recht gelassen. "Ich mache das, solange es geht. Auch beim Menschen setzt irgendwann die Materialermüdung ein." Sollte das Laufen irgendwann nicht mehr möglich sein, dann "steige ich halt aufs Rad um".

Bis es soweit ist, gehen sich sicher noch einige Trailruns aus, also Bergläufe. Die absolviert Gschiegl gerne in Südtirol, "das taugt mir". Bereits 20 Mal ist er beim Ötscher-Ultra-Marathon ins Ziel gekommen, im Vorjahr kam der Österreichische Meister im Berglauf "Vertical" in seiner Altersklasse dazu. Zur Einordnung: Das Ötscher Trail Vertical Race geht über 5,1 Kilometer, auf denen 1.140 Höhenmeter zu bewältigen sind.

Franz Gschiegl beim Ötscher-Marathon

Franz Gschiegl beim Ötscher-Marathon

150.000 Kilometer im Laufschritt

Pro Jahr läuft Franz Gschiegl zwischen 3.500 und 4.000 Kilometer, rund 150.000 werde es in seinem Leben schon gewesen sein. Am Sonntag werden in Wien nochmal ein paar Kilometer dazukommen. In 2.50 Stunden ist Gschiegl den Wien-Marathon schon gelaufen, acht Mal beendete er den Bewerb unter drei Stunden. Sein Durchschnitt über alle Rennen liegt bei 3.29 Stunden. Schöne persönliche Rekorde, die Gschiegl pragmatisch betrachtet: "Man muss sich irgendwann von den Bestzeiten trennen."

"Man sollte unbedingt getragene Socken anziehen"

von Franz Gschiegl

Marathonläufer

Ob er vor seinem 43. Wien-Marathon ein paar Tipps für Anfänger hat? Hat er. "Das Wichtigste ist die Einteilung, man darf nicht zu schnell starten, sonst bekommt man zwischen Kilometer 30 und 35 ein Problem. Gleichmäßig laufen ist wichtig, dann sollte man vorher wissen, welche Zeit man anpeilt." 

Drei Tage vor dem Marathon empfiehlt es sich, nicht mehr zu trainieren und viele Kohlehydrate zu essen. Und dann ist da noch die Sache mit den Socken: "Man sollte unbedingt getragene Socken anziehen, keine neuen und keine frisch gewaschenen, davon bekommt man Blasen." Das Fußkleid müsse ja nicht stinken, grinst Gschiegl, "es reicht, wenn Sie vor dem Marathon einen Tag damit in der Wohnung herumlaufen."

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