Chronik | Niederösterreich
08.01.2018

Franz-Ballons und schrille Töne

Schnabl will "Schreckensherrschaft der absoluten Mehrheit" beenden.

Es war ein für die SPÖ Niederösterreich doch ungewöhnlicher Auftakt, mit dem am Samstag im VAZ St. Pölten vor rund 1500 Funktionären in den Intensivwahlkampf gestartet wurde: keine Rednerpulte, eine permanente Licht- und Video-Show im Hintergrund, der Parteiname "SPÖ" völlig abgemeldet, alles auf Spitzenkandidat Franz Schnabl ausgerichtet. Dazu noch ein Werbefilm, mit dessen fast schon horrorartigen Szenen – etwa einem zähnefletschenden Wolf – die "Schreckensherrschaft der absoluten Mehrheit" (Schnabl) der ÖVP untermalt wurde. Oder mit dem Vergleich, dass eine "politische Burka" über dem Land liege.

Das Ziel für die Landtagswahl gab Franz Schnabl zum Start seiner Rede vor: "Am 28. Jänner wird die absolute Herrschaft ein für alle Mal beendet sein!" Macht brauche ein Gegengewicht. Er sprach von Geldverschwendung, von teuren Prestigeprojekten, von einer Benachteiligung der SPÖ-Gemeinden bei Bedarfszuweisungen und von Freunderlwirtschaft. Schnabl zur Situation bei den Lehrern: "Junge Menschen, die einen sozialdemokratischen Hintergrund haben, müssen nach Wien gehen." Schnabl schoss sich aber auch gezielt auf FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer ein. Mit dem Hinweis, dass dieser mit VP-Klubobmann Klaus Schneeberger in Wiener Neustadt die rote Mehrheit gestürzt habe. Schnabl: "Das sind Vorboten, die wir ernst nehmen."

Wobei die Landesthemen interessanterweise nicht dominierten. Es waren vielmehr die Angriffe gegen die türkis-blaue Bundesregierung, die von Ex-Bundeskanzler Christian Kern in seiner Rede noch verstärkt wurden.

Ungewöhnlich war bei dem Wahlauftakt auch, dass sich Landesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller und Wahlkampfleiter Wolfgang Kocevar veranlasst sahen, die Plakatkampagne zu erklären. Man habe das Projekt gewagt, um mit den kuriosen und spaßigen Sujets Aufmerksamkeit zu erlangen. Hundsmüller: "Wir denken jeden Tag darüber nach, ob wir das Richtige gemacht haben." Rückendeckung bekamen sie von Gemeinde-Präsident Rupert Dworak: "Unsere Kampagne ist Spitzenarbeit." Übrigens: Eine Abwesenheit wurde nach der Auftaktveranstaltung intern diskutiert. Schnabls Vorgänger, St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler, war nicht ins VAZ gekommen.

ÖVP

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner startete am Sonntag mit ihrem ÖVP-Team in den Intensivwahlkampf. Vom Landhaus in St. Pölten weg schwärmte der Wahlkampf-Konvoi in alle Landesteile aus. Mikl-Leitner selbst will die 20 Tage bis zur Wahl für rund 370 Termine nutzen. Über 42.000 Kilometer wird sie dafür zurücklegen. Der wichtigste Termin ist heute, Montag in der Messe Tulln. Dort setzt die ÖVP ihren Wahlkampfauftakt. Mit dabei Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mit Landeshauptmann a.D. Erwin Pröll einen Bühnenauftritt haben wird. Es werden unter anderen auch die ehemalige FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess und Ex-Opernball-Organisatorin Lotte Tobisch erwartet. Letztere war im Nationalratswahlkampf noch im Personenkomitee für die NEOS zu finden gewesen.

Die Einladung zum traditionellen Neujahrsempfang der Volkspartei in Viehdorf im Bezirk Amstetten hatte hingegen sportliche Züge. Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf (VP) bekam im zum Veranstaltungssaal umgebauten Turnsaal am Dreikönigstag die ideale Bühne für eine Aufwärmrunde. Mit Spitzenkandidatin Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leiter gebe es ein Miteinander und "bei der Arbeit geht etwas weiter", lobte Pernkopf.

Grüne

Mit einer Sonderzugfahrt von St. Pölten nach Wien haben die Grünen am Sonntag den Startschuss für ihren Wahlkampf gegeben. Spitzenkandidatin Helga Krismerund ihr Team wurden am Bahnhof Hütteldorf von ihren Wiener Amtskollegen mit frenetischem Applaus empfangen. Plakate mit "Machen nur wir", "365 Euro Öffi-Ticket" und "Umwelt schützen" wurden in die Höhe gehalten. "Das sind unsere drei wichtigsten Botschaften", sagte Helga Krismer. "Uns geht es in erster Linie darum, als Oppositionspartei der Johanna auf die Finger zu schauen."

Die zweite Kernbotschaft der Grünen ist das 365 Euro Öffi-Ticket. "Dafür gehören Verbindungen ausgebaut. Die Menschen wollen ein gutes Angebot, dann lassen sie ihr Auto stehen. Und die Takte gehören verbessert", meinte Krismer. Die dritte Botschaft der Grünen ist das Kernthema Umweltschutz. " Niederösterreich soll glyphosatfrei werden."