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Wie Jane Goodall bis zu ihrem Tod für den Planeten kämpfte

Filmemacher Richard Ladkani drehte eine letzte Doku über die Forscherin Jane Goodall. Erste Fotos daraus sind in Baden zu sehen.
Richard Ladkani fotografierte Jane Goodall.

Sie war eine der einflussreichsten Frauen der Gegenwart – die englische Verhaltensforscherin, Umweltaktivistin und UN-Friedensbotschafterin Jane Goodall. Fotos des Badener Filmemachers Richard Ladkani zeigen Goodall am Ende ihres Lebens, noch bevor sein neuer Film „Just Me, Jane!“ Premiere feiert. Zu sehen sind sie beim Foto-Festival La Gacilly-Baden Photo 2026. Es ist unter anderem Goodall gewidmet, die vergangenes Jahr gestorben ist. Einer der Festival-Schwerpunkte ist der Zustand unseres Planeten. 

Ladkani ist für seine Dokumentationen mehrfach ausgezeichnet worden.

KURIER: Sie haben Jane Goodall als Kameramann für den Film „Jane’s Journey“ begleitet. Wie hat Sie das geprägt?

Richard Ladkani: Ich wurde 2008 für „Jane’s Journey“ engagiert. Über ein Jahr hinweg habe ich das Projekt begleitet, und wir sind um die Welt gereist. Es war zu einem Zeitpunkt meiner Karriere, an dem ich ungefähr 30 Filme gemacht hatte. Da habe ich mir gedacht, was mache ich mit dem Rest meines Lebens? Jane hat meine Perspektivenlosigkeit gespürt. Sie hat sich bei einem Glas Whisky in Grönland im Zelt zu mir rübergelehnt und gesagt: ,Richie, du solltest dir überlegen, ob du nicht Filme machen willst, die die Welt verändern können.‘

Und dann?

Das hat bei mir einen Punkt getroffen. Ich habe mir gedacht, mein Gott, wenn ich meine ganze Energie auf etwas fokussieren kann, was gut ist für den Planeten, dann gibt es dem ganzen Leben so viel mehr Sinn.

Was war nach dieser Initialzündung Ihr erster Film?

2013 habe ich einen Artikel der New York Times gelesen: Elefanten werden bedroht und ermordet. Die chinesische Mafia ist involviert. Das ist ein globales Phänomen zwischen Afrika und Asien. Ich habe jahrelang nach einem Thema für einen Film gesucht, der globalen Impact haben kann, der etwas verändern kann. Plötzlich wusste ich: Das ist es. Daraus wurde dann „The Ivory Game: Das Elfenbein-Komplott“ für Netflix mit Executive Producer Leonardo DiCaprio. Jane Goodall hat mir damals die Tür nach Afrika geöffnet.

Sie arbeiten derzeit an einer neuen Dokumentation über Jane Goodall, „Just Me, Jane!“, gedreht in ihren letzten Lebensmonaten. Fotografien daraus sind bei der Fotoausstellung in Baden zu sehen. Was wollen Sie mit dem Film zeigen?

Jane hat mich gefragt, ob ich noch mal einen Film über sie machen will. Sie hatte das Gefühl, dass die Menschheit wissen soll, wer sie wirklich war: nicht nur diese Ikone. Und das ist der Film. Er ist eine sehr persönliche Reise durch die letzten zwei Jahre ihres Lebens. Und sie hatte nur eine Bedingung. Sie kann das nur mit mir alleine machen, ohne Crew.

Jane Goodall bei der Arbeit im Flugzeug.

Arbeit, Arbeit, Arbeit: Pausen gönnte sich die Aktivistin nur selten. 

Wie lief das ab?

Es war eine unglaubliche Anstrengung. Wir sind durch 27 Länder gereist, fünf Kontinente. Sie war 90 Jahre alt. Es war mit Sicherheit eine der härtesten Touren ihres Lebens, und ich war hautnah dabei und habe diese persönliche, private Jane hinter den Kulissen porträtiert.

Vorträge auf der ganzen Welt.

Jane Goodall verstand es, die Menschen zu begeistern. 

Sie haben mehrere preisgekrönte Dokumentationen gedreht. Ihr Werk steht im Spannungsfeld von Sozialkritik, Naturschutz und Klimawandel. Umwelt- und Naturschutzthemen scheinen derzeit oft in den Hintergrund zu treten. Wie sehen Sie das?

Wir sind gerade in einem Tal. Es ist wie eine Achterbahn. Das Tal ist mit Pandemie, Ukraine-Krieg, Trump entstanden. Die Menschen haben gespürt, es geht nur ums nackte Überleben. Wie komme ich morgen über die Runden? Wie finanziere ich meine Miete? Plötzlich war das ganze Denken, wir müssen den Planeten retten, wie weggeschnitten.

Was jetzt?

Für uns als Aktivisten oder Filmemacher mit Mission oder auch für eine Jane Goodall heißt das, nur noch härter zu arbeiten. Nicht aufzugeben, weil die Probleme weiterhin da sind, wenn nicht noch viel schlimmer als vorher. Wir müssen nur versuchen, mit neuen Mitteln die Leute wieder dafür zu sensibilisieren.

Ladkani hielt fest, wie hart  Jane Goodall auch im Alter arbeitete.

Ladkani hielt fest, wie hart  Jane Goodall auch im Alter arbeitete. 

Wie kann das funktionieren?

Jane hat immer gesagt, der Weg, wie du Menschen erreichst, ist durch gute Geschichten. Dann hören dir die Leute zu. Dann kannst du ihr Herz berühren, die Emotionen wecken, die dann wiederum Interesse für Veränderung schüren. Inspiration ist das Werkzeug aller Dinge. Du musst die Leute berühren, indem du ihnen eine Story erzählst, in der sie sich selbst wiederfinden können.

Sie werden das Erbe von Jane Goodall weiterführen?

Meine Hoffnung ist, dass ich ein bisschen aufbewahren konnte, wer sie war. Da ist viel Message, viel Emotion und Menschlichkeit drin. Sie war auch nur ein Mensch, aber einer, der nie aufgibt.

Premiere of National Geographic documentary film "Sea of Shadows" - Arrivals

Jane Goodall war für den Filmer Richard Ladkani Familie. 2019 kam sie zur Premiere von seinem Film „Sea of Shadows“.  

Das Leben der Jane Goodall

Jane Goodall  ist 26 Jahre alt, als ihre außergewöhnliche Beziehung zu den Menschenaffen beginnt. Studiert hat sie nicht. Diese Unvoreingenommenheit erweist sich als Vorteil, als sie  1960 zur Erforschung einer Gruppe von Schimpansen nach Tansania reist. Sie erfüllt sich einen Kindheitstraum. Das Geld dafür hat sie sich als Sekretärin und Kellnerin verdient. 

Bald schon verändert sie die Sicht der Menschheit auf deren nächste Verwandte für immer: Als Erste erkennt Goodall bei den Affen Wesenszüge und Verhaltensweisen, die vom Menschen bekannt sind – gute wie schlechte.  

Jane Goodall beweist Geduld: Es brauchte seine Zeit, bis ihr die Primaten vertrauen.

Jane Goodall beweist Geduld: Es brauchte seine Zeit, bis ihr die Primaten vertrauen. 

„Damals in den frühen 60er-Jahren glaubten viele Wissenschafter, dass nur Menschen einen Verstand haben, dass nur Menschen in der Lage sind, rational zu denken“, sagt sie  in einem Dokumentarfilm. Ein Irrtum.

Holpriger Beginn

Der Anfang ist holprig. Die Schimpansen laufen davon. Erst nach und nach gewöhnen sich die Tiere an den Anblick des „fremden weißen Menschenaffen“, wie sie sich selbst gerne nennt. 

Als erstes wagt sich David Greybeard, ein gutmütiges männliches Tier mit grauem Haar am Kinn,  in ihre Nähe. Er bricht das Eis.

David Greybeard - der erste Schimpanse, der sich zu Goodall wagt: aufgenommen 1965.

David Greybeard - der erste Schimpanse, der sich zu Goodall wagt: aufgenommen 1965.  

Sie wird Teil ihrer Gemeinschaft und  gibt den Schimpansen Namen statt Nummern. Damals war das in der Wissenschaft verpönt.  Doch  die Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ erweist sich als erfolgreich. Goodall beobachtet Greybeard, wie er mit einem Stockerl in einem Termitenbau stochert und damit Insekten fängt. Bis dahin galt die Verwendung von Werkzeugen als wichtigste Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren.

Als sie erkennt, dass Schimpansen ihren Lebensraum verlieren, wendet sich Goodall dem Arten- und Umweltschutz zu. Mit dem Jane Goodall Institute baut sie ein weltweites Netz auf, um Umdenken zu bewirken. Mit Schülern startet sie in Tansania die Aktion „Roots & Shoots“ (Wurzeln und Sprösslinge). Heute existieren Gruppen in zahlreichen Ländern. Noch im hohen Alter reist sie um die Welt, um Menschen mit Vorträgen und Begegnungen wachzurütteln. 

Sie stirbt am 1. Oktober 2025.

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