Zukunft der Kommunen: Das Potenzial der Zusammenarbeit
Das FORUM Schrattenthal ist eine Diskussionsreihe der Stadtgemeinde. Zuletzt wurde mit Experten diskutiert, ob Fusionen gerade für kleine Gemeinde die Lösung seinen.
Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen, die Anforderungen ebenso. Das ist das Los vieler Gemeinden. Besonders die kleinen Kommunen haben damit zu kämpfen, ihre Infrastruktur zu halten oder alles, was von den Bürgern gewünscht wird, anzubieten.
Welche Wege in eine stabile Zukunft führen, wurde beim FORUM Schrattenthal (Bezirk Hollabrunn) am Podium besprochen. "Die Kleingemeinden und ihre Chancen - Warum Fusionen keine Lösung sind" war das Thema eines Abends im Rathaussaal 4.0 in Obermarkersdorf.
Gemeindefusionen sind kein Allheilmittel
Am Podium saßen der Universitätsprofessor Peter Bußjäger, Landesrat Anton Kasser (ÖVP), Vizepräsident des NÖ Gemeindebundes Lukas Zehetbauer (ÖVP) und Franz Pointner, Ortsvorsteher der Stadt Schrattenthal (ÖVP) waren sich einig: Gemeindefusionen sind kein Allheilmittel.
Aus wissenschaftlicher Sicht lassen sich keine eindeutigen Kosteneinsparungen durch Fusionen nachweisen, berichtete Bußjäger. Er erinnerte daran, was Föderalismus im Kern bedeutet – nämlich Selbstgestaltung und die Bereitschaft, Verantwortung vor Ort zu übernehmen.
Franz Pointner, Lukas Zehetbauer, Anton Kasser und Peter Bußjäger diskutierten im Rathaussaal 4.0 in Obermarkersdorf Kooperationen kleiner Gemeinden. Moderiert hat Julia Frey.
Kasser, der selbst über drei Jahrzehnte Bürgermeister war, betonte die oft unterschätzten Stärken von Kleingemeinden: Nähe zu den Menschen, direkte Wege und ein starkes Gemeinschaftsgefühl seien klare Vorteile – auch wenn die Herausforderungen für Gemeinden in den vergangenen Jahren massiv gewachsen sind.
Mehr Unterstützung von Bund und Land
Zehetbauer ist selbst Bürgermeister einer kleinen Gemeinde: Raasdorf liegt im Marchfeld (Bezirk Gänserndorf) und zählt rund 700 Einwohner. Der Vizepräsident plädierte für einen realistischen Zugang zu diesem Thema: Einsparen ja, gleichzeitig brauche es aber stärkere finanzielle Unterstützung durch Bund und Land.
In kleinen Strukturen sieht auch Pointner enormes Potenzial. Zudem erinnerte er daran, dass Gemeinde Gemeinschaft bedeute. Das werde in der Stadtgemeinde Schrattenthal gelebt, sie arbeite mit anderen Kommunen erfolgreich in zahlreichen Verbänden zusammen.
Erkenntnis: "Kooperation statt Zwang"
"Und genau darin lag die wohl wichtigste Erkenntnis des Abends: Kooperation statt Zwang. Zusammenarbeit statt Strukturdebatte", fasst der Schrattenthals Bürgermeister Stefan Schmid (ÖVP) zusammen.
Ob interkommunale Zusammenarbeit, gemeinsame Projekte oder neue Formen der Vernetzung – die Diskutanten waren sich einig, dass hier große Chancen für die Zukunft liegen. "Der Abend hat nicht nur informiert, sondern auch Mut zur eigenen Stärke und zur Zusammenarbeit gemacht. Und den Mut zu haben, den Weg der Gemeinden selbst zu gestalten", meint Schmid.
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