Chronik | Niederösterreich | Feuerwehr
06.05.2018

„Wenn wir nicht helfen, sterben Menschen“

NÖ-Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner spricht über Vorteile und Probleme der Freiwilligen Feuerwehren.

KURIER: Herr Fahrafellner, Sie sind Landesfeuerwehrkommandant. Das heißt Sie sind der Chef über alle Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen in Niederösterreich?
Dietmar Fahrafellner: Ja das ist bei uns so strukturiert. Der Landesfeuerwehrkommandant wird bei uns natürlich gewählt und so bin ich der Chef von 98.000 freiwilligen Floriani in Niederösterreich.

Österreich ist bekannt dafür, dass fast die Hälfte der Bevölkerung ein Ehrenamt ausübt. Man braucht auch die Berufsfeuerwehr aber hauptsächlich sind es doch Freiwillige?
Es ist sicher ein einzigartiges System wie wir es haben. Auch in der EU. Hier ist es nicht selbstverständlich, dass wir auch Freiwillige tagsüber im Dienst haben. Oder aber auch bei Katastrophenhilfe, denn das ist ja auch eine unserer Kernaufgaben. Und hier sind wir sicher allen Ländern in der Europäischen Union voraus. Wobei wir uns genau dort schwer tun, dieses System durchzubringen. Denn es ist nicht immer im Interesse der Berufsfeuerwehren.

Kurier-Talk mit Dietmar Farafellner

Weil die meinen, dass man ihnen die Arbeit weg nimmt?
In Griechenland wollte man zum Beispiel eine freiwillige Feuerwehr installieren. Doch das wurde von der Gewerkschaft der Berufsfeuerwehren abgelehnt.

Sie sind mit 13 Jahren so fasziniert gewesen, dass sie selbst Feuerwehrmann werden wollten. Was hat Sie so fasziniert?
Bei der Feuerwehr gibt es verschiedene Themen die mich fasziniert haben. Der Zusammenhalt, dann natürlich die Technik und die Hilfsbereitschaft. Dieses Erlebnis, jemandem geholfen zu haben, ist etwas Besonderes.

Natürlich wussten Sie damals nicht, was sie überhaupt tun müssen. Wie sah die Ausbildung aus?
Das ist heute nicht anders als damals bei mir:  Wir haben in der Feuerwehrjugend entsprechende erzieherische Maßnahmen und bilden auch unsere Betreuer aus. Und auch der Spaß an der Technik ist wichtig. Denn wenn man etwas freiwillig macht, dann soll man auch Spaß haben.

Gerade die Jugend zu organisieren ist heutzutage eine große Schwierigkeit. Hat auch die Feuerwehr dieses Problem, oder lebt man  da auf der Insel der Seeligen?
Wir sind gut strukturiert und organisiert. Wir haben ein gutes Programm und mit allem dem treten wir an die Jugend heran. Denn eines ist klar: Die Zeit, wo man nur im Feuerwehrhaus sitzt und auf die Jugend wartet, ist definitiv vorbei. Man muss da aktiv in die Bevölkerung gehen. Man muss sich  Schulen ins Boot holen, damit man die Jugend zu sich holt.

Die Feuerwehr steht  immer wieder vor  Problemen, wie man am Beispiel der  Feuerwehr Bösendürnbach im Bezirk Hollabrunn sieht. Dort steht man seit Jahresbeginn ohne Feuerwehrauto da, weil die Gemeinde kein Geld dafür hat. Schmerzt Ihnen da auch irgendwo das Herz?
Ich kenne den Fall jetzt nicht konkret, aber natürlich schmerzt das. Man darf eines nicht vergessen: ein Feuerwehrauto ist kein Geschenk für die Feuerwehr, sondern eine Investition in die Sicherheit. Wenn wir nicht helfen, sterben Menschen. Und wenn man weiß, dass ein Feuerwehrauto 25 Jahre halten muss, dann weiß jeder Bürgermeister, dass er nach Ablauf dieser Zeit ein neues Auto braucht. Wenn man da die Rücklagen macht, dann sollte das keine große Überraschung sein.

Die Unterstützung von der Landesregierung ist aber da, oder?
Ja, da muss man wirklich dankbar sein. Alleine die Mehrwertsteuer-Rückvergütung war ein Meilenstein für uns. Das hat sonst kein Bundesland in Österreich. Da muss man also wirklich froh sein.

Freiwillige Feuerwehren stehen im Mittelpunkt

Das KURIER Medienhaus wird in den kommenden Wochen  auf allen seinen Kanälen die Freiwilligen Feuerwehren in Niederösterreich gezielt in den Mittelpunkt rücken.

Diese intensive Berichterstattung läuft unter dem Aktionstitel „Feuer & Flamme“. Dabei geht es nicht nur um aktuelle Einsätze, sondern um alle Bereiche, die die Feuerwehren in Niederösterreich ausmachen, um den Blick für die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen der Feuerwehren zu schärfen.

Im NÖ-KURIER: Einen Fixpunkt bilden die Feuerwehren natürlich in der täglichen Niederösterreich-Ausgabe des KURIER und auch in der Niederösterreich-Sonderausgabe, die jeden Freitag dem KURIER beiliegt. 
Im täglichen KURIER  wird es mindestens dreimal pro Woche Berichte über Feuerwehren geben, die unter dem Aktionstitel „Feuer & Flamme“ laufen. Start ist bereits am Montag mit einem Artikel  über eine Freiwillige Feuerwehr, die durch ihre Nachwuchsarbeit hervorsticht.

Auf SchauTV: Die Aktion „Feuer & Flamme“ läuft gemeinsam mit dem zum KURIER Medienhaus gehörenden Fernsehsender SchauTV. Für diesen wird einmal die Woche ein Feuerwehrbeitrag gedreht, der dann immer ab Freitag das Wochenende über auf SchauTV  ausgestrahlt werden wird.

Dieses Wochenende ist auf SchauTV jener Talk zu sehen, den KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter mit  Niederösterreichs Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner geführt hat. Über  das Feuerwehrwesen in Niederösterreich, über die Schwierigkeiten der Nachwuchsarbeit, über die Unterstützung durch Gemeinden und das Land sowie über dessen eigenen Weg zur Feuerwehr geführt hat.

Auf kurier.at: Im Chronik-Ressort für Niederösterreich ist ein eigener Channel für die Berichterstattung über die Freiwilligen Feuerwehren in NÖ angelegt. Zu finden ist es unter kurier.at/feuerwehr.  
Dort kann man nicht nur am Gewinnspiel  teilnehmen, sondern auch all jene Feuerwehrberichte nachlesen, die im Zuge der Aktion „Feuer & Flamme“ bereits erschienen sind.  Und natürlich auch  aktuelle Berichte über notwendige Einsätze der Feuerwehren in NÖ. Wie etwa zuletzt wegen der großen Unwetter.

Übrigens: Die Aktion „Feuer & Flamme“  – diese bis Ende Juni groß angelegte Sympathieaktion für die Freiwilligen Feuerwehren – führt das KURIER Medienhaus in enger Kooperation mit dem NÖ Landesfeuerwehrkommando durch.