Chronik | Niederösterreich
09.11.2018

Faires Gehalt für 4300 Pflegekräfte

Soziale Dienste. Land will Arbeit in der Hauskrankenpflege aufwerten und nimmt dafür 2,3 Mio. Euro in die Hand.

260 Euro. Dieser Betrag machte bisher den Unterschied zwischen zwei Berufsfeldern aus, die für die Zukunft des Landes von enormer Bedeutung sind: die mobile und die stationäre Pflege.

Jene 4300 Mitarbeiter von Hilfswerk, Volkshilfe, Caritas und Rotem Kreuz, die pro Jahr 17.000 Menschen mobil betreuen und dabei rund 3,5 Millionen Einsatzstunden bewältigen, fühlten sich bislang gegenüber ihren Kollegen im stationären Bereich verständlicherweise benachteiligt. Diese finanzielle Lücke soll ab 2019 nun teilweise geschlossen werden.

Rund 2,3 Millionen Euro nimmt das Land Niederösterreich in die Hand, um dieses Vorhaben umzusetzen. „Wir dürfen bei den Kollektivvertragsverhandlungen nicht mitreden. Deshalb werden die Trägervereine mit dem Geld unterstützt, damit diese ihren Mitarbeitern zusätzlich Geld auszahlen können“, sagt ÖVP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Insgesamt sind es rund 102 Millionen Euro, die an die sozialen Dienste fließen sollen.

Einsatzstunde

Die Politikerin betont, dass es sich bei dieser Förderung um eine Pauschalleistung handeln würde. Es wird ein Zuschlag für jede geleistete Einsatzstunde abgerechnet.

Die wichtigste Nachricht: Durchschnittlich wird es ab 2019 für die Betroffenen eine monatliche Verbesserung von bis zu 110 Euro brutto geben. „Damit versuchen wir, den Unterschied so gut wie möglich wettzumachen“, sagt Teschl-Hofmeister. Der Antrag soll demnächst in einer Regierungssitzung eingebracht werden.

Eine weitere Neuerung betrifft die Stundenkontingente. Diese sollen künftig aufgehoben werden. Es soll dem Träger freigestellt werden, wie viele Stunden er leisten kann und wie viel notwendig ist. „Es gibt da keine Obergrenze mehr“, so die Landesrätin.

Personalmangel

Es liegt freilich auch an der demografischen Entwicklung, warum die Politik nun dringenden Handlungsbedarf sieht. Laut Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wird die Zahl an Pflegegeldbeziehern bis zum Jahr 2025 kräftig wachsen – von derzeit 90.000 auf mehr als 108.000. „Das ist eine Steigerung, die wir gemeinsam zu stemmen haben“, ist sich Mikl-Leitner dieser Dynamik bewusst. Ein weiterer Faktor ist, dass immer mehr Menschen – laut Umfragen sind es rund 80 Prozent – zu Hause gepflegt werden wollen.

Dazu kommt, dass im Pflegebereich akuter Personalmangel herrscht. Michaela Hinterholzer, die Präsidentin des Hilfswerks, berichtete vor Kurzem, dass die Organisation sofort 100 zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen könnte, um den Betreuungsbedarf abzudecken. „40 Prozent des Personals des niederösterreichischen Hilfswerks werden in den nächsten fünf Jahren in Pension gehen. Gleichzeitig wissen wir, dass der Bedarf an mobiler, aber auch an stationärer Krankenpflege steigen wird und daher gilt es jetzt Maßnahmen zu treffen“, sagte sie.

„Was es braucht, ist die Zuwendung, die menschliche Zuwendung“, betont Mikl-Leitner. Aber auch das Geld für jene, die sich tagtäglich dafür aufopfern.