Facharbeiter gefragt wie nie

Den Betrieben gehen die qualifizierten Arbeitskräfte aus. Laut Arbeitsmarktservice wird sich die Situation noch verschärfen.

So lebendig habe ich den Waldviertler Arbeitsmarkt schon lange nicht erlebt“, erzählt Roland Surböck, Chef der Online-Jobbörse „Jobwald“. Das bringt die Arbeitsuchenden in eine ungewöhnliche Position. Sie sind in der Lage, aus einer Fülle an regionalen Stellenangeboten zu wählen und Lohnforderungen zu stellen. Denn die Firmenchefs sind verzweifelt. Ihnen gehen die Arbeitskräfte aus. Sie beginnen um ausgebildete Facharbeiter und begabte Lehrlinge zu buhlen, weil die Gefahr droht, Aufträge nicht mehr annehmen zu können.
Die Waldviertler Betriebe suchen offensiv wie schon lange nicht mehr. Während beim AMS 178 offene Stellen registriert sind, werden alleine auf der Waldviertler Plattform www.jobwald.at mehr als 550 Arbeitnehmer gesucht. „Gefragt sind Pflegekräfte, Gastronomie-Mitarbeiter und Finanzbuchhalter“, erklärt Surböck. Gerade Servicekräfte seien schwierig zu finden, weil nur noch wenige Bürger am Abend und Wochenende arbeiten wollen.

Nicht nur die Dienstleistungsbetriebe, sondern auch regionale Produktionsfirmen suchen Facharbeiter. Beim Fertigteilhaus-Erzeuger Elk aus Schrems, Bezirk Gmünd, ist die Situation brisant. Der Betrieb ist auf der Suche nach knapp 100 Mitarbeitern, wie etwa Zimmerer, Installateure, Tischler, Bautechniker und Elektriker. Auch andere Waldviertler Leitbetriebe wie Hartl Haus, Raiffeisen-Lagerhaus, Möller, Testfuchs und Pollmann ringen um Mitarbeiter. „Jene Betriebe, die auf Lehrlingsausbildung setzen, haben noch weniger Probleme“, erklärt Ernst Wurz, Personalmanager und Obmann der Waldviertel-Akademie.

Kurt Steinbauer, Leiter des Arbeitsmarktservice Zwettl, kennt die Probleme: „Die geburtsschwachen Jahrgänge machen sich bemerkbar. Die Situation wird sich noch verschärfen. Schon jetzt fehlen 2000 15-Jährige in NÖ.“ Darüber hinaus seien zuletzt fast keine Fachkräfte ausgebildet worden. „Lange Zeit war das Image der Lehrberufe schlecht. Doch sie bieten viele gute Ausbildungsmöglichkeiten“ , erklärt Steinbauer. In der Bildungsfrage sei ein Umdenken nötig, weiß auch Surböck. Das regionale Angebot müsse verändert werden. „Es gibt viele Handelsakademien und kaum technische Ausbildungszweige“, betont Surböck. Für Wurz ist wichtig, dass Fachhochschul-Studiengänge im Waldviertel angeboten werden. Der Erste startet im September 2012.

( Kurier ) Erstellt am 27.03.2012