Einsätze mit Atemschutzgeräten sind Extremsituationen. Deswegen müssen Feuerwehrleute alle fünf Jahre zur Leistungsuntersuchung

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Bezirk Zwettl
08/17/2014

Engpass bei Leistungstests für Atemschutzträger

Weil nur wenige Routinetests machbar sind, bangt man um die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren.

von Jürgen Zahrl

Der Zwettler Bezirksfeuerwehrkommandant Franz Knapp sorgt sich um die uneingeschränkte Einsatzfähigkeit seiner 104 Ortsfeuerwehren. Um die befristete Lizenz zum Tragen eines Atemschutzgeräts zu verlängern, müssen nächstes Jahr mehrere Hundert Feuerwehrleute im Bezirk Zwettl routinemäßig zur Untersuchung.

Allerdings fehlen im Krankenhaus Zwettl die Kapazitäten und in der Region die speziell ausgerüsteten Ärzte, um den Ansturm bewältigen zu können. Feuerwehrchef Knapp hofft auf eine rasche Lösung für das Dilemma.

Von den 5400 aktiven Feuerwehrleuten im Bezirk Zwettl haben sich schon jetzt 600 Mitglieder für eine Untersuchung angemeldet, damit ihre auf fünf Jahre befristete Zertifizierung nicht ablaufen kann. Noch nicht einmal miteingerechnet sind jene Kameraden, die den aktuellen Atemschutzlehrgang absolvieren.

Der Gesundheitscheck ist gesetzlich vorgeschrieben, um im Einsatzfall ein Atemschutzgerät tragen zu dürfen. Bei den medizinischen Leistungstests wird festgestellt, inwieweit ein Feuerwehrmitglied körperlich einsatzfähig ist, um eine Schutzmaske mit künstlicher Luftzufuhr zu verwenden. Die zeitlich aufwendigen Untersuchungen können aber nicht überall im Bezirk durchgeführt werden.

Freizeit

"Das Landeskrankenhaus Zwettl schafft leider nur alle zwei Monate bis zu 30 Personen, weil die Ärzte die Leistungstests nicht im Regeldienst, sondern nur in ihrer Freizeit machen dürfen", sagt Zwettls Bezirksfeuerwehrkommandant Knapp. Außerdem hätten regionale Hausärzte nicht das technische Equipment, um körperliche Belastungs- und Lungenfunktionstests durchzuführen. "Wir brauchen dringend eine Lösung, weil unsere Feuerwehrleute ohne Atemschutzzertifizierungen nicht vollständig einsatzfähig sind", schildert Knapp, der sich durchaus vorstellen kann, die allgemeine Vorsorgeuntersuchung mit den Atemschutztests zusammenzulegen.

Beim Landesfeuerwehrkommando ist das Dilemma offenbar bekannt: "Im Großteil aller Bezirke funktioniert die medizinische Untersuchung der Atemschutzträger problemlos, auch in den Landeskliniken", sagt Franz Resperger, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos. Er ergänzt: "In einigen wenigen Fällen kommt es beim sportmedizinischen Gesundheitscheck zu Problemen. Und zwar deshalb, weil die Anzahl der Atemschutzträger seit Jahren konstant bleibt, jene der Feuerwehrärzte aber sinkt. Zudem darf nicht jeder Mediziner solche Untersuchung vornehmen. Dafür braucht er eine Spezialausbildung." Auch pensionierte Ärzte dürften laut Ärztekammer nicht für diese Untersuchungen herangezogen werden, sagt Resperger: Dennoch wolle man rasch diese Problematik lösen.

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