Chronik | Niederösterreich
26.05.2018

Eine neue Waldviertel-Autobahn aus dem Archiv

Das Land wirbt schon in Tschechien für die „Europaspange“ zwischen Linz und dem Weinviertel.

Kaum sind die Verkehrspläne in der Heimat verkündet, rührt das offizielle Niederösterreich bereits im Ausland die Werbetrommel für die so genannte „Europaspange“, die vor allem das Wald- und Weinviertel mit den benachbarten Wirtschaftsräumen verbinden soll. Wie KURIER-Recherchen nun zeigen, ist das Verkehrsprojekt wohl ambitioniert, aber neu sind die Pläne nicht.

Europa-Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) stellte die angedachte Straßenverbindung dieser Tage bereits bei den nördlichen Nachbarn in Südböhmen vor. „Die neue Verkehrsverbindung wird den Wirtschaftsraum stärken, Jobs im ländlichen Raum schaffen und die bereits hervorragenden Beziehungen zwischen Niederösterreich und seinen tschechischen Nachbarn noch weiter intensivieren“, meinte Eichtinger im Gespräch mit der südböhmischen Kreishauptfrau Ivana Stráská.

Ideen

Die Antwort auf die Frage, wie Niederösterreichs Straßenplaner auf die Ost-West-Spange kamen, führt direkt ins Archiv. War doch bereits 1971 eine hochrangige Straße durch das Waldviertel im Bundesstraßengesetz verankert worden. „S3 Waldviertler Schnellstraße“ hieß das geplante Verkehrsprojekt damals und sollte von Korneuburg über Stockerau, Hollabrunn und Horn bis zur Staatsgrenze bei Neunagelberg (Bezirk Gmünd) führen.

In Teilen wurde der Plan auch realisiert. Wer heute auf der Donauuferautobahn A22 zwischen Korneuburg und Stockerau unterwegs ist, bewegt sich in Wahrheit auf der ursprünglichen „S3“. Auch die beiden Umfahrungen der Städte Horn und Hollabrunn sind Ergebnis der Straßenplanungen von 1971.

Der nun vorgelegte – überarbeitete – Ost-West-Korridor, eben die „ Europaspange“, sieht laut Insidern nicht viel anders aus als damals. Die Variante wurde nun allerdings um die Strecke bis Linz ergänzt.

Reaktionen

„Bis jetzt war ich immer gegen eine Waldviertel-Autobahn. Aber die Ost-West-Variante ist sinnvoll, weil sie die Strecken A5 und S10 verbindet. Der Raum zwischen Horn und Gmünd ist meiner Meinung nach ausbaubedürftig“, sagt Transportunternehmer Heinz Schierhuber aus Zwettl. Christof Kastner, Obmann des Wirtschaftsforums Waldviertel, sieht das Projekt als Chance, um die bundesweit erste Öko-Autobahn zu errichten, „für die so viel Holz und ressourcenschonende Materialien wie möglich zum Einsatz kommen sollen“.

Von der „besten politischen Entscheidung der letzten Jahre“ spricht Volker Fuchs, Chef der Firma Testfuchs aus Großsiegharts. „Eine Autobahn ist die einzige Chance, die Region am Leben zu erhalten.“ In Sachen Betriebsansiedlungen werde sich gewaltig was tun, ist Fuchs überzeugt. „Es wäre klüger, bestehende Verkehrswege auszubauen. Sinnvoll ist eine hochrangige Straße nur, wenn man Begleitmaßnahmen wie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs mitdenkt“, sagt Gastronom Josef Hag aus Gmünd.