Chronik | Niederösterreich
23.04.2017

Ein Schlossherr, der selber putzt

Das Schloss Riegersburg heißt nun Ruegers. Der neue Besitzer möchte sich auf Tourismus konzentrieren.

Er ist 28 Jahre alt, studiert Maschinenbau an der Technischen Universität (TU) in Wien, ist bei Horn im Waldviertel aufgewachsen, spielt gerne Rugby und hat eine Freundin. In diesen Punkten unterscheidet sich der junge Mann unwesentlich von seinen Altersgenossen. Aber: Octavian Graf Pilati ist vor Kurzem zu einem der jüngsten Burg- und Schlossbesitzer Österreichs geworden, nachdem ihm seine Eltern die Gebäude übergeben haben. Nunmehr ist er der alleinige Herr von Schloss Ruegers und Burg Hardegg im Waldviertel (NÖ).

Besonders mit dem Schloss hat Pilati Großes vor. Als ersten Schritt hat er es von Riegersburg auf Ruegers umbenannt, um Verwechslungen mit dem Namensvetter in der Steiermark zu vermeiden. Seine Mutter hatte außerdem einen Schwerpunkt auf Kunstausstellungen gelegt – er möchte sich mehr auf den Tourismus konzentrieren. "Erlebnis spielt hier im Moment eine große Rolle. Ich könnte mir deswegen zum Beispiel vorstellen, einen Schminktisch für Damen einzurichten, wo Kosmetika der damaligen Zeit getestet werden können", erklärt Pilati.

Ärmel aufkrempeln

Ende April beginnt die Besuchersaison im Schloss. Pilati und seine Lebensgefährtin legen in der Vorbereitungsphase selbst Hand an. Gemeinsam putzen sie die Zimmer und ölen Möbel, damit diese dann für die zwei verschiedenen Touren durch das Schloss bereit sind. Bei der einen Führung geht es durch die Prunk- und Wohnräume des Schlosses. Ebenso wird aus dem Nähkästchen der Familiengeschichte geplaudert.

Das Schloss ist seit 1730 im Besitz der Familie von Pilati. Johann Joseph von Khevenhüller-Metsch, der das Schloss gemeinsam mit seinem Vater erworben hat, war Obersthofmeister bei Kaiserin Maria Theresia, was dem höchsten Hofamt der damaligen Zeit entsprach. "Seine Tagebücher geben auch Einblick in das Leben von Maria Theresia. Während der Fastenzeit, so schreibt er, hat sie sich zum Beispiel häufig zurückgezogen, um sich heimlich Fleischgerichte servieren zu lassen", erzählt Pilati.

Ab 1. Juli gibt es außerdem die zweite, neue Tour "Schloss Ruegers erzählt". Bei mehreren Stationen wird durch die Geschichte des Schlosses geführt – vom Mittelalter über die Barockzeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Das Schloss diente vorrangig als Sommerresidenz sowie zum Repräsentieren und zum Feiern von Festen.

Geister spuken

Die Familie nächtigte stets in einem Zubau neben dem Schloss, wo Pilati heute noch schläft, wenn er in Riegersburg übernachtet. "Im Sommer werde ich die Hälfte meine Zeit in Riegersburg und die andere Hälfte in Wien verbringen", sagt Pilati. Wenn er dieser Tage in Riegersburg schläft, traut er sich auch des Nachts wieder ins Schloss: "Als ich sechs Jahre alt war, habe ich nämlich einen kopflosen Geist gesehen und mich dann ein bisschen gefürchtet." Laut Pilati gebe es sogar noch einen zweiten Geist, der regelmäßig jenes Bett zerwühle, in dem sein Vorfahre Johann Carl Khevenhüller, Teilnehmer des österreichischen Freiwilligenkorps in Mexiko, 1905 gestorben ist.

Laut Pilati habe dies mit dessen verlorenem Sohn zu tun. Schon zwei Mal waren Geisterjäger deshalb im Schloss.

Für Pilati ist es "eine schwierige Sache", Nachfahre einer Familie mit so detailliert dokumentierter Geschichte zu sein. "Es gab Phasen, wo viel geschaffen wurde. Dann wurden wieder katastrophale Entscheidungen getroffen – wirtschaftlich wie sozial. Ich versuche, aus der Geschichte zu lernen, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen und die Familie in den Mittelpunkt zu stellen, sie nicht zu vernachlässigen."

Im nördlichen Waldviertel inmitten einer Teichlandschaft liegt das Schloss, das einst eine Burg war. 1390 wurde die Festung das erste Mal als "Haus Rueger" erwähnt. Etwa 200 Jahre später wurde sie zu einem auf Pfeilern ruhenden Wasserschloss ausgebaut. 1730 kauften die Vorfahren des jetzigen Schlossherren, Octavian Graf Pilati, das Schloss. Zu jener Zeit wurde der Umbau in ein Barockschloss in Auftrag gegeben.

Der Prunkbau wurde von der Grafenfamilien, später Fürstenfamilie, hauptsächlich als Sommerschloss genutzt. Für Männer und Frauen gab es getrennte Salons. "Frauen wurden damals nicht ausgebildet. Es gab also kaum Gesprächsthemen zwischen den verschiedenen Geschlechtern. Frauen haben verstecken und fangen gespielt, während die Männer Whiskey getrunken und sich über Politik unterhalten haben", erzählt Pilati.

Während des Zweiten Weltkriegs lebte die Familie teilweise im Schloss. Es wurde aber nur notdürftig dafür umgebaut: "Laut Erzählungen saßen sie im Pelzmantel und mit Handschuhen beim Frühstück", sagt der Schlossherr. Während des Krieges seien auch berittene SS-Gruppen hier stationiert gewesen, erzählt Pilati weiter. "Nach dem Krieg wurde das Schloss von Russen übernommen, die im Festsaal und die Treppen hinauf Fahrübungen mit ihren Fahrzeugen gemacht haben." Nun ist das Schloss für Touristen offen und im Sommer gibt es Konzerte, wie etwa "Barock trifft Jazz" am 4. August.