Chronik | Niederösterreich
21.03.2017

Ein EKZ zwischen Schein und Sein

Gegner kritisieren, dass die Ansichten freundlicher dargestellt sind, als die Pläne zeigen.

Auf einer dreidimensionalen Visualisierung ist ein Balkon zu sehen, der auf dem Grundriss fehlt. Auch darüber, in welchem Bereich die versprochene Kletterwand und die Kegelbahn errichtet werden sollen, gibt es bisher noch keine erkennbaren Notizen. Sind diese Pläne für das Einkaufszentrum (EKZ) "Kampcenter" in Zwettl nur eine Mogelpackung?

Was die Projektbetreiber rund um Investor Reinhold Frasl vor wenigen Tagen im Stadtsaal präsentierten, dürfte jedenfalls noch lange nicht exakt das sein, was auf dem 12.000 Quadratmeter großen Areal in der Gartenstraße tatsächlich errichtet werden soll. Man habe bisher nur ein Konzept zeigen können, nicht aber die detaillierten Planungen, heißt es. Die EKZ-Gegner kritisieren, dass die Betreiber manipulieren und ein Millionenprojekt auf dem Papier besser darstellen würden, als es in Wirklichkeit sein wird.

Innenstadt-Sterben

Christof Kastner, Lebensmittelgroßhändler und Sprecher der Initiative " Zwettl 2020", die sich gegen ein befürchtetes Innenstadt-Sterben stemmt, glaubt zu wissen, warum auf den Grundrissplänen die Balkone fehlen: "Sämtliche nach außen gerichtete Wände sind natürlich geschlossen, da sie für die Warenpräsentation verwendet werden." Kastner vermutet, dass die Balkone auf den 3-D-Ansichten zu sehen sind, damit das dreigeschoßige Projekt freundlicher wirkt und bei den Prüfern durchgewunken wird.

Immerhin hatte Investor Frasl schon einmal das Problem, dass sein ursprünglicher Entwurf mit rund 16.000 Verkaufsfläche nahe der historischen Stadtmauer viel zu wuchtig geplant und bei den Raumordnungsexperten des Landes Niederösterreich abgeblitzt war. Diesmal will er mit 8500 – darunter Flächen für Kletterwand, Bowlinghalle und Indoorspielplatz – durchkommen.

Widmung

"Ein einreichfähiger Plan muss natürlich noch erstellt werden; allerdings erst, sobald wir die notwendige Widmung haben", betont Projektverantwortliche Claudia Winkler-Widauer, die Kastners Vorwurf zurückweist: "Vorab gibt es leider nur das Konzept, wo auf den Plänen die Balkone noch fehlen. Selbstverständlich soll das Erscheinungsbild – also die Visualisierung – umgesetzt werden."

Darüber hinaus kritisiert Kastner, dass zwischen Gemeinde und Investor schon ein Vertrag existiere. In den Einreichunterlagen von 2012 sei dieser enthalten gewesen. Daraus geht hervor, dass der EKZ-Eigentümer verpflichtet sei, geeignete Handlungen zu setzen, um Fachgeschäfte, die derzeit im Betriebsgebiet Zwettl-Ost ihr Unternehmen betreiben, zur Verlegung ihres Standortes in sein Einkaufszentrum zu bewegen.

Vize-Stadtchef Johannes Prinz (ÖVP) bestätigt, dass es die Textpassage gegeben hat, aber nur in einem Entwurf. Da diese Forderung "wettbewerbsverzerrend ist, wird sie nicht mehr im Baulandvertrag enthalten sein", sagt Prinz. Dieser sei noch nicht unterzeichnet. "Darin werden Fristen und Infrastrukturmaßnahmen, wie die Brücke über den Kamp, zwischen der Gemeinde und der Kampcenter GmbH geregelt", sagt Winkler-Widauer.