Chronik | Niederösterreich
23.11.2017

Eigenbedarf: 99-Jahre-Vertrag soll enden

Eigentümer möchte nach elf Jahren denkmalgeschützten Hofstadl alleine nutzen.

Der Hofstadl in Siebenhirten (Bezirk Mistelbach) sorgt für Streit zwischen zwei Parteien, die eigentlich nur das Beste für das Architekturkuriosum aus dem 19. Jahrhundert wollen. 2006 wurde ein 99-Jahre-Vertrag unterzeichnet, in dem der Eigentümer, Erwin Netzl, drei Vereinen die unentgeltliche Nutzung zusicherte. Netzl hat nun aber Anfang Oktober ein juristisches Schreiben verschickt, in dem er die sofortige Beendigung dieses Vertrags fordert. Als Begründung nennt er Eigenbedarf.

Schlösser getauscht

Das Kulturzentrum Siebenhirten ist nun fassungslos: "Wir haben das Schreiben bekommen und noch am selben Tag wurden die Schlösser ausgetauscht." Namentlich will keines der Mitglieder in der Zeitung genannt werden. Sie haben sich aber rechtlichen Beistand geholt. "Unser Anwalt verteidigt unseren Besitzanspruch. Es gibt auch eine einstweilige Verfügung, dass keine Veränderungen mehr vorgenommen werden dürfen bis zum Ende des Prozesses", heißt es weiter vom Kulturzentrum. Man geht davon aus, dass der 99-Jahre-Vertrag nicht so einfach aufgelöst werden kann.

Erwin Netzl begründet die Auflösung damit, dass die Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen sei. Er selbst ist Obmann eines der drei Vereine: "Die Probleme mit Drittmietern, etwa bei Hochzeiten, haben sich gehäuft. Die Situation wurde untragbar." Eines der anderen Vereinsmitglieder hätte sich öfter ohne Absprache im denkmalgeschützten Bau aufgehalten, was die Mieter verärgert hätte. " Wir wollen alle nicht, dass der Hofstadl einen schlechten Ruf kriegt", so Netzl. Statt der vermutlich misslungenen Eigenbedarfs-Aktion möchte er nun die offenen Forderungen einklagen und dann eine Räumung veranlassen. Der Hofstadl wurde im 19. Jahrhundert erbaut und hat die Dach-Konstruktion eines umgekippten Schiffrumpfes.