Wie die Edelbrand-Verkostung der Superlative in Wieselburg abläuft

Andreas Ennser leitet die Ab Hof-Prämierung
Im Bewerb um die goldenen Stamperln und Birnen bei der kommenden Direktvermarktermesse "Ab Hof“ degustieren internationale Experten drei Tage lang 2.800 proben. Die Marille feiert heuer ein Comeback.

Leises Gläserklirren und Gemurmel an den Tischen, dazu erfüllt eine recht eindeutige Duftwolke den Raum. Wer in diesen Tagen die Halle 9 am Wieselburger Messegelände betritt, weiß sofort: Hier ist Schnaps im Spiel.

1.600 Brände und Liköre stehen zur Verkostung an

1.600 Brände und Liköre stehen zur Verkostung an.

Tatsächlich haben sich hier drei Dutzend der besten Edelbrandspezialisten und Obstweinkenner Mitteleuropas versammelt, um drei Tage lang aus Hunderten Proben in Blindverkostung die heurigen Gewinner der goldenen Stamperln und Birnen zu ermitteln. Die Edelgaumen sind nicht nur aus ganz Österreich angereist, sondern auch aus der Schweiz, Südtirol oder Deutschland gekommen.

Qualitätsprüfung

"Diese Breite ist unsere Qualitätsgarantie. Die Prämierung feiert heuer ihr 30-jähriges Jubiläum“, sagt der Jury-Vorsitzende Andreas Ennser stolz. Der Obstbau-Spezialist der nö. Landwirtschaftskammer ist von Beginn an dabei. Heuer leitet er den Verkostungsbewerb, nachdem Edelbrand-Koryphäe Wolfgang Lukas in Pension gegangen ist.

Die goldenen Stamperln und Birnen, sowie die Medaillen in Silber und Bronze, gehören zu Österreichs wichtigsten Qualitätsbewertungen für bäuerliche Produzenten. Sie werden traditionell bei der Wieselburger Ab-Hof-Messe (6. bis 9. März) feierlich verliehen.

Jurorenarbeit

In der schlürfenden, schmatzenden und spuckenden Jurorenschar gilt als oberstes Gebot, "niemals schlucken“, auch wenn das Destillat im Mund noch so rund, fruchtig und perfekt schmeckt. Auch schon das Schlückchen in Ehren würde die Sinne und Beurteilung eines Jurors beinträchtigen, ist Ennser überzeugt. Was die Önologin und Expertin einer Südtiroler Brennerei, Irene Struffi, nur bestätigen kann. „Einmal hab ich von einem herrlichen Karottenbrand eine Kleinigkeit getrunken, die Juryarbeit des ganzen Tags war zum Vergessen“, erzählt sie.

Önologin Irene Struffi und Monika Graf

Die Südtiroler Önologin Irene Struffi und die HBLA-Professorin Monika Graf bei Degustieren. 

Am Tisch nippt und degustiert sie gemeinsam mit Monika Graf, einer Professorin der HBLA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg. Beide sind seit einem Jahrzehnt jährlich in Wieselburg dabei. Heuer habe man schon so manchen guten Tropfen dabei gehabt, erzählen sie. Trotz der geforderten Konzentration für bis zu 70 Proben am Tag halte sich die Ermüdung in Grenzen, so die Jurorinnen. „Die kommt am Abend“.

International

In der erlesenen Schar der Tester findet sich etwa auch Tibor Vertes, der beste Edelbrenner Ungarns. Er ist im Team mit Thomas Blum, dem Jurypräsident der "DistiSuisse“, der besten eidgenössischen Spirituosen-Prämierung.

Robert Graf, der kritische Falstaff-Degustierer, bewertet mit dem Mostbaron und Top-Brenner Michael Oberaigner. "Wir hatten schon tolle Produkte am Gaumen, haben uns aber auch über Produkte geärgert, weil sie der Produzent überhaupt eingereicht hat“, sind sich die beiden einig. So mancher Marillenbrand sei stark fehlerhaft gewesen, beklagen sie.

Mostbaron Michael Oberaigner und Robert Graf vom Falstaff

Mostbaron Michael Oberaigner und Robert Graf vom Falstaff.

Wegen der guten Ernte im Vorjahr, seien die Marillendestillate mit 90 Einreichungen heuer tatsächlich sehr stark, bestätigt Ennser.

Anonymität

2.800 Produkte, davon 1.600 Schnäpse und Liköre, sind in der Halle hinter einer Absperrung für die Tester uneinsehbar, fein säuberlich nummeriert in Kisten gelagert. Disziplin und Planung, sowie strikte Anonymität der Produkte sind neben der individuellen Bewertungskompetenz der Jurorenschar die wichtigsten Prinzipien der Verkostung.

"Auf die sehr niedrige Rate der Fehlbewertungen sind wir sehr stolz“, sagt Andreas Ennser. Ein ausgeklügeltes System soll eine faire Bewertung garantieren. Kann sich ein Jurorenduo nicht auf gemeinsame Punkte für eine Probe einigen, werden Extra-Experten beigezogen. Zehn Prozent aller Produkte werden grundsätzlich ein zweites Mal blind verkostet. „In den meisten Fällen deckt sich die Bewertung mit dem ersten Ergebnis", versichert Ennser.

Goldenes Stamperl 
1.600 Schnäpse und Liköre wurden zur Bewertung geschickt. Wer sein Destillat bewertet haben will, muss zwei Flaschen einschicken. Pro Probe sind 50 Euro zu zahlen.

Kisten mit nummerierten Schnapsflaschen

Kisten mit nummerierten Schnapsflaschen.

Es gibt zahlreiche Untergruppen, wie Apfel-,  Birnen- oder Zwetschkenbrände sowie reinsortige Brände, etwa Williamsbirne, Kriecherl, Weichsel Holunder, Vogelbeere usw. Ebenso ist es bei  den Likören.  Die Bundesländer NÖ, OÖ und Steiermark nutzen die Prämierung auch, um ihre Landessieger zu eruieren.

Goldene Birne
Den Rest auf die heuer eingereichten 2.800 Proben nehmen die Obstprodukte  Moste, Obstweingetränke,  Fruchtsäfte, Marmeladen, aber auch Essige und Trockenfrüchte. Allein zu den Essigen wurden heuer 90  Proben eingereicht.  

 

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