Doppler (mi.) mit mehreren Mitstreitern bei einem Treffen im Vorjahr.

© Jürgen Zahrl

Chronik Niederösterreich
01/10/2020

"Donau wird versaut": Anrainer schlagen wegen Fäkalien Alarm

Die Schifffahrtaufsicht hat drei Verursacher angezeigt, strenge Kontrollen zeigen bereits Wirkung.

von Jürgen Zahrl

„Noch immer wird die Donau durch Abfälle und Fäkalien aus Schiffen versaut“, ärgert sich Franz Xaver Doppler, als er den KURIER über neue Vorfälle aus dem Raum Krems informiert. Er hat im Vorjahr eine Bürgerinitiative gegründet, um aufzuzeigen, dass der viel besungene Fluss oft für illegale Entsorgungen herhalten muss.

Die Gewässeraufsicht des Landes Niederösterreich und die oberste Schifffahrtsaufsicht kontrollieren seither strenger, konnten aktuell aber keine Abwassereinleitungen in der Donau feststellen. Eine konsequente Überwachung hat aber laut Ministerium bewirkt, dass im Vorjahr drei Verursacher wegen der eindeutigen Beweislast angezeigt wurden. Außerdem war zu erfahren, dass die Entsorgungsmoral der Schifffahrtsbetreiber zuletzt deutlich gestiegen sei.

Beobachtungen

Doppler freut sich zwar, dass Fäkalien und Brauchwasser in vielen Fällen bereits korrekt entsorgt werden, aber „leider sind wieder neue Einleitungen in die Donau speziell im Bereich Hollenburg, nahe Krems, beobachtet worden.“ Doppler habe eine Reihe von Zeugen, die das persönlich gesehen hätten. Ähnliches berichtet der Anrainer Stefan Kastner aus Traismauer, der einen braunen Film an der Wasseroberfläche der Donau fotografiert hat. „Die weißen Schaumkronen stammen vom Geschirrspülmittel, das mit den Fäkalien fein verwirbelt wurde“, meint Kastner. Er sei entsetzt darüber, dass manche Personen noch immer so dreist mit der Umwelt umgehen würden.

Schon seit Dezember 2018 kämpft eine Bürgerinitiative aus Krems – wie berichtet – für eine saubere Donau und weist auf die Probleme hin. Seit sich die Beschwerden über Verschmutzungen und Fäkalgeruch des Donauwassers in der Wachau häufen, gibt es ein engmaschiges Messsystem, das an elf verschiedenen Stellen in Niederösterreich die Wasserqualität überprüft.

Wasserproben

Nach den aktuellen Vorfällen vor zwei Tagen haben die Gewässer- und Schifffahrtsaufsicht Wasserproben an mehreren betroffenen Stellen genommen. „Es waren Schlieren zu sehen. Wir haben sofort alle Schiffe, die zu der Zeit in der Nähe waren, kontrolliert. Es wurde nichts Auffälliges festgestellt“, sagt Vera Hofbauer, Leiterin der Schifffahrtsaufsicht im Verkehrsministerium.

Das Ergebnis der Wasserproben: „Es sind keine Abwassereinleitungen messbar gewesen“, sagt Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft in der nö. Landesregierung. Er gibt aber zu, dass bestimmte Verunreinigungen nur in einem engen Zeitfenster feststellbar seien. „Bis dato wissen wir, dass kein systematisches Problem vorliegt, sondern es eventuell Einzelfälle gibt“, so Angelmaier. Die Wasserqualität sei für einen mitteleuropäischen Fluss typisch.

Dass die Kapitäne vorsichtiger geworden sind, belegen auch die Zahlen der Abpumpanlage in Melk. „Im Vorjahr sind 6.200 Kubikmeter Abfall entsorgt worden“, heißt es auf Anfrage. Die Menge liegt zirka um das 20-fache höher als im Jahr davor. Weil die drei vorhandenen Abpumpstellen stark genutzt werden, will Melk bis Ende des Jahres eine vierte Anlage errichten lassen.