Die zwei Gesichter der Brünner Straße

Die zwei Gesichter der Brünner Straße © Bild: Straka Stefan

Während auf einer Seite ein feiner Shoppingtempel gebaut wird, ufert auf der anderen Seite der Schrotthandel aus.

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Die Brünner Straße als nobler Einkaufsboulevard. So ist es geplant. Nächstes Jahr sperrt ein neuer Shopping-Tempel auf mit Dutzenden Markenshops und Designer-Outlets. Doch das ist die eine Seite der Brünner Straße. Zwischen Orion-Licht und Holz-Fachhandel ist auch viel Schatten. In dem Gebiet hat sich in den vergangenen Jahren ein regelrechter Auto-Cluster angesiedelt. Allerdings handelt es sich dabei hauptsächlich um Autoverwerter. Die Auswirkungen sind allgegenwärtig: Die Gegend ist zugemüllt und verdreckt, in den Windschutzgürteln sind Autowracks abgestellt, in den Sträuchern hängen Stoßstangen und Verkleidungen von Autos. Die Bewohner der Siedlungen fühlen sich von den Gemeinden Gerasdorf und Hagenbrunn und auch von der Behörde im Stich gelassen.

Schrottautos

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Während früher nur handverlesene Autoverwerter ihrem Geschäft nachgingen, schossen in den vergangenen Jahren unzählige mehr oder weniger bewilligte Werkstätten aus dem Boden. Wobei Werkstätte noch eine noble Umschreibung ist. Auf einfach umzäunten Arealen stehen Hunderte schrottreife Autos und warten auf Käufer. Die kommen auch eifrig – aus dem nahen und fernen Osten genauso wie aus Afrika, auf der Suche nach fahrbaren Untersätzen, Motoren oder Teilen.

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Auf dem Platz in der Haidfeldgasse herrscht reges Kommen und Gehen. Drei Schwarzafrikaner sind auf Einkaufstour. Ein ungarischer Fahrer eines Kleintransporters richtet drei Schrott-Autos zum Verladen her. „ Rumänien“, sagt der Fahrer. Entlang des Feldweges, der wegen seiner tiefen Krater und Schlaglöcher eher an eine Mondlandschaft erinnert, sind unzählige Autos ohne Kennzeichen geparkt. Manche stehen hier schon seit Monaten. Dazwischen Berge von Müll, Autoreifen. „Klein-Ghana“, bezeichnet ein Hausbesitzer von Föhrenhain das Bermuda-Dreieck der Kfz-Branche.

Prüfstelle

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Mittendrin liegt auch die Außenstelle der Kfz-Prüfstelle der nö. Landesregierung. „Als wir hier gebaut haben, waren wir alleine auf weiter Flur“, sagt deren Chef Georg Hönig. Vor allem die Außenwirkung sei problematisch. Schließlich werden auch heimische Besitzer von Kraftfahrzeugen, deren Straßentauglichkeit angezweifelt werden, vorgeladen. „Die kommen dann und sehen, dass hier Leute ohne Kennzeichen durch die Gegend fahren“, sagt Hönig.

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Von den gefährlichen Szenen ganz zu schweigen. „Wir haben auch das Problem, dass sie sehr viele Probefahrten in den 30-er Zonen machen“, sagt der zweifache Familienvater Christian Steiner. Und gegenüber von seinem Haus ist der Spielplatz.

Freiluft-Werkstätte

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Auf Hagenbrunner Seite das gleiche Bild. Auf dem Parkplatz der abgefackelten Großdisco „Schatzi“ floriert das Reparaturgeschäft. Mechaniker versuchen noch vor Ort den Schrottkarren wieder Leben einzuhauchen. Die alte Batterie oder der Ölfilter fliegt in den Windschutz. Das Fahrverbotsschild in der Straße wird ignoriert.

Plötzlich hält eine Polizeistreife einen Fahrer eines klapprigen Autos an. Am Wagen sind keine Kennzeichen. Der Lenker aus Rumänien zückt einen Führerschein und glaubt damit sei die Sache erledigt. Er wird mitgenommen.

Jacob Usoma aus Nigeria sieht alles durch die rosarote Brille. „Die einen bringen etwas, die anderen kaufen ein Auto.“

( Kurier ) Erstellt am 20.12.2011