Chronik | Niederösterreich
04.09.2017

Die Flugzeug-Bastler: "Es ist wie Lego für Fortgeschrittene"

Bei vielen Flugzeugfans geht der Trend zum Selberbauen. Der KURIER hat einen Piloten besucht – im Hangar gleich hinterm Haus.

Bis zur grenzenlosen Freiheit sind es für Siegfried Schicklgruber aus Kapelln (Bezirk Sankt Pölten-Land) nur ein paar Schritte. Ein Steinwurf von seinem Haus entfernt hat der 39-Jährige sein Flugzeug geparkt. Der gelbe Flitzer steht in einem Hangar, an der Decke hängen Miniaturausgaben von Luftfahrzeugen. Öffnet man das Tor, erstreckt sich vor einem eine 600 Meter lange Graspiste. Ein Flughafen mitten im Ort.

Genehmigung

Schicklgruber ist vom Virus Luftfahrt infiziert. Allerdings gehört er zu jener Sorte Piloten, die ihren fliegenden Untersatz nicht im Stück gekauft, sondern selbst zusammengebaut haben.

Davon gibt es in Österreich immer mehr. Allein der Etrich Club Austria, benannt nach dem österreichischen Flugpionier Igo Etrich, zählt mittlerweile über 240 Mitglieder, die über alle Bundesländer verteilt sind. Mehr als 120 Amateurbauflugzeuge wurden von ihnen fertiggestellt und sind bereits zugelassen oder befinden sich noch in der Erprobungsphase. Bevor mit dem Bau begonnen werden darf, muss allerdings eine Genehmigung der Austro Control eingeholt werden, die nicht ganz billige Abnahme erfolgt ebenfalls durch die Experten.Für jene, die sich über den Wolken nicht unbedingt wohl fühlen und bei jedem Geräusch im Flieger eine nahende Katastrophe befürchten, mag der Zugang Schicklgrubers zu seinem Hobby entspannend wirken. "Es ist wie Lego für Fortgeschrittene. Die Bausätze sind eigentlich deppensicher", schmunzelt er.

Die Einzelteile für seinen Flieger hat er in den USA bestellt, danach begann die mehr als tausendstündige Bastelarbeit. "Mir taugt das", erzählt der Hotelier, der bereits an der nächsten Maschine schraubt und seit zwanzig Jahren einen Pilotenschein besitzt. Die Kosten für die Maschinen seien völlig unterschiedlich. Manche Bausätze kosten bis zu 80.000 Euro, es geht aber auch weit billiger.

Zehn Starts pro Monat darf er von seinem Hanger weg absolvieren. "Das ist eigentlich ziemlich viel", erzählt er. Die Lärmbelastung für die Nachbarn versucht Schicklgruber dabei möglichst gering zu halten, indem er schon frühzeitig vor dem Landen mit geringer Geschwindigkeit fliegt.

Ausflüge

Der Unternehmer genießt es, Ausflüge zu unternehmen. "Zum Einkaufen in die Excalibur City brauche ich nur 15 Minuten, nach Helgoland sind es dreieinhalb Stunden", erzählt er. Für berufliche Zwecke nutzt er seinen Flieger allerdings nie. "Ich bin einer, der gern bei schönem Wetter fliegt." Dadurch würden sich Termine nur schwer koordinieren lassen.