Chronik | Niederösterreich
02/13/2019

Die Existenz-Angst der Biomasse-Betreiber

Besuch in einem Sägewerk in Hohenberg, das grüne Energie erzeugt. Die Verunsicherung ist groß.

„Die Menschen“, sagt Thomas Anthofer mit nachdenklicher Stimme, „vergessen leider sehr schnell.“ Der Geschäftsführer eines Sägewerkes in Hohenberg in Niederösterreich erinnert an die Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima und fragt: „Wollen wir wirklich Atomstrom haben?“

Für sich und seinen Betrieb hat der Unternehmer mit dem Bau eines Biomasseheizkraftwerkes jedenfalls schon im Jahr 2006 eine Entscheidung getroffen. Seitdem wird in der großen Anlage aus Waldhackgut Strom und Wärme produziert. Durch die Verbrennung fester Biomasse erzeugt er 1750 Kilowatt elektrische Energie pro Stunde und rund 6000 Kilowatt thermische Energie. Damit werden nicht nur Betriebe in der Region versorgt, sondern auch die eigenen Trockenkammern.

Existenzfrage

Ob sich die Millionen-Investition rentiert hat, hängt nun im Wesentlichen von der Politik ab. Denn die Entscheidung, ob die Förderung für Biomasse-Kraftwerke verlängert wird, ist für Unternehmer wie Anthofer eine Existenzfrage. „Es geht nicht nur um Arbeitsplätze im Betrieb, sondern in der gesamten Region. Schließlich handelt es sich um eine Wertschöpfungskette“, sagt der Geschäftsführer. In seinem Fall läuft der Tarif im Jahr 2020 aus, deshalb sollten bald Fakten geschaffen werden, so Hohenberger.

Unterstützung erhalten die Betreiber von Öko-Kraftwerken auch von Christian Kirchmeier, Vorsitzender der IG Holzkraft. „Die regionale Bedeutung der Holzkraftwerke ist groß. Wir sichern 6400 Arbeitsplätze österreichweit, leisten durch die energetische Verwertung großer Schadholzmengen einen Beitrag zur Waldhygiene und erwirtschaften jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag an regionaler Wertschöpfung zusätzlich zur nachhaltigen Erzeugung von Strom und Wärme.“ Insgesamt würde dadurch Strom für 600.000 Haushalte produziert werden.

Johannes Weichhart