„Die Bremsen sind ausgefallen“

43 Bäuerinnen wurden bei einem Busunfall in NÖ verletzt. Die Lenkerin stand jetzt wegen Gemeingefährdung vor Gericht.

Ehrlich gesagt, geht es mir noch immer nicht gut. Es war ein traumatisches Erlebnis, das man erst verarbeiten muss. Vielleicht kann mir der Prozess dabei helfen.“

Hilde Hausberger war eine von 43 Bäuerinnen, die im Juni vergangenen Jahres im Hölltal bei Würnsdorf in Niederösterreich mit einem Reisebus verunglückte. Nach einer Talfahrt durchschlug das Fahrzeug bei einer Kreuzung eine Leitschiene und stürzte 20 Meter in die Tiefe. Es grenzt an ein Wunder, dass bei diesem Unfall niemand getötet wurde. Doch die seelischen Wunden heilen bei vielen nur sehr langsam.

Für die Lenkerin, Brigitte B., hatte der spektakuläre Crash am Dienstag ein gerichtliches Nachspiel. Der Vorwurf: fahrlässige Gemeingefährdung. „Durch unsachgemäße Handhabung der Bremsanlage“ habe die Frau den Unfall verursacht, wie es Staatsanwalt Karl Wurzer formulierte.

Gutachten

„Ich bin nicht schuldig“, verteidigte sich B.. Bei der Unglücksfahrt sei zuerst alles völlig normal verlaufen. Die dramatische Situation sei wie aus heiterem Himmel entstanden. Die Bremsen, sowohl die Fußbremse als auch die Retarderbremse beim Lenkrad, seien plötzlich ausgefallen. „Ich bin voll reingestiegen und hab’ geglaubt, ich bin im falschen Film, da war kein Widerstand mehr“, berichtete die 39-Jährige. Sie habe, aus ihrer Sicht, nichts falsch gemacht. Nachsatz: „Ich würde genauso wieder den Berg hinunterfahren.“

Die Sachverständigen waren hingegen ganz anderer Meinung. Sie hatten das Buswrack wochenlang unter die Lupe genommen. Fazit: Ein momentaner Ausfall der Bremsen sei praktisch nicht möglich. Sie könnten zwar heißgelaufen und dadurch funktionsuntüchtig geworden sein, aber möglicherweise deshalb, weil die Chauffeurin zu schnell unterwegs war und deshalb zu oft die Fußbremse betätigt habe.

Richter Helmut Weichhart folgte bei seinem Urteil den Ausführungen der Gutachter. B. wurde zu sechs Monaten bedingter Haft verdonnert. Außerdem muss sie Schmerzensgeld im Ausmaß von 50 bis in einem Fall sogar 12.100 Euro pro Insasse bezahlen. Nicht rechtskräftig.

( Kurier ) Erstellt am 06.03.2012