Chronik | Niederösterreich
09.10.2018

Diagnose Hirntumor: "Man steht vor dem Nichts"

Ein Vater aus Guntramsdorf ist unheilbar krank. Sein letzter Wunsch: ein Urlaub mit Frau und Kindern.

Die Wohnung der Rumplers in Guntramsdorf (Bezirk Mödling) ist hell und freundlich, auf jedem freiem Platz stehen Familienfotos, bunte Jacken des zweijährigen Damien und der sechsjährigen Selina hängen im Vorzimmer. Nur ein großer Medikamentenschrank samt Schloss verrät, dass das Leben von Familie Rumpler vom Krebs beherrscht wird.

„Es ist das erste Mal, dass wir um Hilfe bitten“, sagt Nicole Rumpler. „Wir waren beide berufstätig, haben gut verdient...“, fügt die zweifache Mutter fast schon entschuldigend hinzu. Doch seit dem 5. Juli ist nichts mehr so wie es war. An diesem Donnerstag brach ihr Mann Werner zusammen, konnte plötzlich keine Wörter mehr bilden. Die Familie dachte an einen epileptischen Anfall, an einen Schlaganfall.

Nur einen Tag später war klar. Der 37-jährige Detektiv leidet an einem Glioblastom, einem inoperablen Gehirntumor, der auf der Hauptschlagader sitzt und auf das Gedächtnis- und Sprachzentrum drückt. Jährlich erkranken rund 400 Menschen in Österreich an dieser aggressiven Krebsform, die Lebenserwartung ist mit vier bis sechs, maximal 15 Monaten gering. „Die Ärzte sagen, wir können froh sein, wenn er Weihnachten noch erlebt“, erzählt die 32-Jährige.

Erst seit drei Jahren ist das Paar zusammen, vor zwei Jahren kam der gemeinsame Sohn auf die Welt, Nicoles Tochter nahm Werner als die seine an. Am 2. Dezember 2017 heiratete das Paar standesamtlich.

Seit Sommer dreht sich das Leben der Familie nun um Pflege, Behördenwege und die zwei Kinder. Rumpler hat sich von ihrem Angestelltenjob karenzieren lassen. „Mein Tag fängt um sechs Uhr an und endet um zwei Uhr früh“, sagt sie.

Sprechen lernen

Es habe lange gebraucht, bis sie verstanden habe, dass ihr Mann sterben wird. „Wenn man so eine Diagnose bekommt, steht man vor dem Nichts. Es reißt einem den Boden unter den Füßen weg.“

Noch im Juli wurde der 37-Jährige operiert und ein Teil des Tumors entfernt. Danach hatte er Sprache und Gedächtnis verloren. Seine Frau war jeden Tag bei ihm, brachte ihm Fotoalben mit Bildern mit, lernte das ABC mit Werner. Sein erstes Wort nach der OP war ein verwaschenes „unsere“, während er auf ein Familienfoto mit den Kindern deutete. Mühsam kämpfte sich zurück ins Leben. Nun stehen Chemotherapie und Bestrahlung an. „Wir haben unser Leben komplett umgestellt“, erzählt Nicole. Nur noch bio kommt auf den Tisch, die Krebstherapien unterstützen sie mit alternativen Mitteln, etwa CBD-Öl gegen die Schmerzen.

Begleitet wird die Familie von einem Palliativteam, der 37-Jährige hat bereits seine eigene Beerdigung geplant. Schlimm seien die Wesensveränderungen, die bei Werner seit der Erkrankung aufgetreten sind, sagt seine Frau. „Am Anfang war ich geschockt. Ich habe erst lernen müssen, damit umzugehen. Zu sagen, dass ist nicht mein Mann, das ist der Tumor.“ Tochter Selina wird beim Verein „Rainbow“ psychologisch betreut.  „Sie haben uns nahegelegt, jeden einzelnen Tag zu genießen“, erzählt Nicole.

Das möchte die Familie tun und sich einen letzten Traum erfüllen: Die Flitterwochen nachholen und mit den Kindern sowie Familienangehörigen ins Disneyland nach Paris reisen, um gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Finanziell ist das für die Familie aufgrund der Ausgaben auch für Heilmittel nicht schaffbar. Sie bitten daher um Spenden. Die Gemeinde unterstützte die Familie bereits mit 1000 Euro aus dem Sozialfonds. "Ich bin für jeden Euro dankbar", sagt Nicole.

Nicole Rumpler; IBAN: AT50 3225 0080 0004 0147; BIC: RLNWATWWGTD

Update am 9.10.2018: Dank zahlreicher Spenden kann die Familie Rumpler Ende Oktober den Urlaub im Disneyland Paris antreten. "Wir hätten uns das nie träumen lassen", teilt Nicole Rumpler mit. Die Familie bedankt sich herzlich bei allen Unterstützern. Jenes Geld,das nach dem Urlaub noch übrig ist, kann die Familie für Heilmittel gut gebrauchen. Auf die Rumplers kommen weitere große finanzielle Belastungen zu.