5500 Euro sammelte die 21-Jährige und verteilte die Spenden selbst unter den bedürftigen Kindern

© Camilla Herberstein

Hilfsprojekt
10/28/2013

Der Wert der kleinen Dinge

21-Jährige widmet ihr Leben der Hilfe für andere: In Äthiopien unterstützt sie Waisenkinder

von Katharina Zach

Ich sag’ immer, ich hab’ 20 Kinder in Äthiopien“, lacht Camilla Herberstein und ihre Augen blitzen. Die 21-Jährige aus Ober-Grafendorf im Bezirk St. Pölten hat in ihren jungen Jahren schon mehr Courage bewiesen als andere in ihrem ganzen Leben. Sie hilft den Menschen in Afrika. Eigenhändig, vor Ort, mit Spenden.

Mit ihrem Projekt „for their smile“ sammelte sie 5500 Euro und tingelte im Sommer auf eigene Faust durch Äthiopien, um Waisenkindern zu helfen. Viel Geld in einem Land, in dem 120 Kinder, fünf Ordensschwestern und 15 Arbeiter um 50 Euro pro Monat ernährt werden können. „Man lernt einfach den Wert von kleinen Dingen kennen“, sagt sie über ihr Engagement. Ihr Traum: Eine eigene Hilfsorganisation zu gründen.

Begonnen hat alles im Frühjahr 2012, als sich Camilla auf ihre Matura vorbereitete. „Ich hab dann ganz spontan entschieden, ich will nach Afrika“, erinnert sie sich. Bei einem Missionswerk, das Waisenhäuser in Äthiopien unterstützt, ergatterte sie ein Volontariat. „Eine Woche nach der Matura bin ich dann gefahren. Ich wollte einfach sehen, was das richtige Leben ist“, erzählt die Studentin. Sie kam als veränderter Mensch zurück.

Drei Monate hatte sie in einem Waisenhaus in Debre Markos gearbeitet, die Kinder betreut und bei der Versorgung der Kranken geholfen. „Da kommen Leute mit doppelt gebrochenem Unterschenkel oder Lepra“, berichtet Camilla. Sie scheute nicht, mitanzupacken. „Mich hat beeindruckt, dass die Leute dort so arm sind und trotzdem glücklich. Denn es geht ihnen schlecht, sie haben HIV und wissen das auch“, erinnert sich die 21-Jährige. „Die würden für einen das letzte Hemd geben.“

Spenden verteilt

Zurück in Österreich sammelte sie ein Jahr lang Spenden und flog im Juli 2013 erneut nach Äthiopien. Doch die Rahmenbedingungen hatten sich geändert. Waisenhäuser wurden geschlossen, Kinder zu entfernten Verwandten geschickt. „Ich hab’ daher beschlossen, die Familien einzeln zu unterstützen“, erzählt Camilla. Kurzerhand reiste sie durchs Land und besuchte die Familien. Um sicher zu stellen, dass das Geld tatsächlich bei den Kindern ankommt, setzte Camilla auf Sachspenden. „Ich habe ihnen Kleidung oder ein Handy gekauft, ein Jahr Schule oder die Miete bezahlt“, sagt die 21-Jährige. Manchmal ging sie mit den Kindern einkaufen. Für die meisten eine absolute Premiere und am Anfang richtig einschüchternd.

Besonders ans Herz sind Camilla jedoch ein junger Student und vier 18-jährige Burschen gewachsen, die das Waisenhaus verlassen mussten, um auf eigenen Beinen zu stehen. „Die bekommen einfach eine Unterkunft, werden in der Schule angemeldet und dann alleine gelassen.“ Die junge Frau plant daher, für diese jungen Männer Patenschaften zu organisieren und sie nächsten Sommer erneut zu besuchen. Bis dahin steht allerdings das Studium an. Denn Camilla studiert in Wien Psychotherapie sowie Kultur- und Sozialanthropologie, um sich ihren Traum einer NGO bald erfüllen zu können.

Zahlen, Daten, Fakten

Lage

Äthiopien mit seiner Hauptstadt Addis Abeba liegt im Nord-Osten Afrikas. Es grenzt an Eritrea, den Sudan, Südsudan, Kenia, Somalia und Dschibuti. Die Einwohnerzahl liegt bei 86,5 Mio. Menschen. Die Amtssprache ist Amharisch.

Armut

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder. Nur 69 haben Zugang zu sauberem Wasser. Zuletzt konnte die Armut etwas reduziert werden. Die Regierung wird dafür kritisiert, Land an ausländische Investoren zu verkaufen.

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