Der Magier des Weinviertels

Der Magier des Weinviertels © Bild: Franz Eder

Keiner blieb von Otto Potsch verschont, weder KardinalHermann Groer noch Kurt Krenn. Potsch verewigte sie in Eisen.

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Es gibt Berufe, bei denen hätten sich seinerzeit die Gäste bei Kurt Lembkes „Was bin ich?“ die Zähne ausgebissen. Otto Potsch hat eine Lehre als Elfenbeinschnitzer und Bernsteindrechsler absolviert. „Ich durfte immer die Ketten der reichen Witwen im ersten Bezirk in Wien reparieren. Meist brachte ich sie dann ins Café Hawelka, wo die Damen schon sehnsüchtig auf mich warteten. Ich war ja ein ziemlich fescher Bursch damals. Der Hawelka hat mich immer gefragt, hast auch ein Trinkgeld von den Damen bekommen’? Ich sagte, dass ich keines annehmen darf. Er sagte, ,schön blöd’.“

Jedenfalls war es ein reiner Zufall, dass Otto Potsch im zarten Alter von 73, wie mehrfach berichtet, vom Mistelbacher Cafetier Walter Kruspel den Auftrag zu einem Leopold Hawelka Denkmal bekam, das kürzlich vor Kruspels Café Harlekin enthüllt wurde.

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Morgen, Freitag, wird um 17 Uhr im Meierhof in Groß-Schweinbarth, Bezirk Gänserndorf, seit langem wieder einmal eine Ausstellung in Österreich von Otto Potsch eröffnet. Er zeigt dabei seine Eisenskulpturen, die zuletzt in Tschechien ( Prag), in Deutschland und in Frankreich zu sehen waren. Ebenfalls zu sehen sind seine farbenprächtigen Bernsteinbilder, die schon bei Ausstellungen in Moskau, Prag und Krakau für großes Aufsehen gesorgt haben.

Bernsteinbuch

Sensationelle Bernsteinfotos sind im Buch von Otto Potsch „Der Bernsteinmagier – Erstarrt in alle Ewigkeit“ zu bewundern, mit Texten von Karin und Gunter Haug, erschienen im Gmeiner-Verlag.

Profischweißer

Metall hat Potsch immer schon fasziniert. Und so begann er zu sammeln, was andere nicht mehr brauchten: Landwirtschaftliches Gerät, geschmiedetes Eisen, Blechfässer und vieles mehr. „Zuerst habe ich Abgüsse gemacht. Dann begann ich aus den alten Dingen neue zu schaffen“, erzählt Otto Potsch. Das dafür notwendige Schweißen brachte er sich selbst bei und entwickelte es zu einer hohen Kunst.

Kirchenfürsten

Der bigotte Gesichtsausdruck von Kardinal Hermann Groer, oder das arrogante G’schau von dessen Berufskollegen Kurt Krenn, hat Otto Potsch ebenso perfekt umgesetzt wie den prüfenden Blick von Kaffeesieder Leopold Hawelka. Potsch: „Kurt Krenn hat seinerzeit in einer Diskussion gemeint ,ich bin die Wahrheit’. Doch inzwischen glaubt das, so dürfen wir annehmen, nur noch er.“

Jetzt hat Otto Potsch eine Einladung bekommen, erstmals in Italien auszustellen: „Ich weiß aber nicht, ob ich mir das noch antue.“

( Kurier ) Erstellt am 18.04.2012