Chronik | Niederösterreich
27.05.2017

Dem Spuk auf der Spur

Rund um Wien gibt es etliche Spukorte. Die "Vienna Ghosthunters" sehen es als ihre Aufgabe, Spuk zu belegen und zu widerlegen.

Der Elektromagnetfeldmesser leuchtet bunt auf. Die Gruppe, die um Wilhelm Gabler herum steht, wird etwas aufgeregt. Er schaltet ein Tonaufnahmegerät ein: "Ist irgendjemand hier? Was hast du hier auf der Burg gemacht?" Zwischen den Fragen lässt er Pausen. Dann dreht er ab und gemeinsam hören sie sich die Aufnahmen noch einmal an. Rauschen zwischen den Fragen.

Gabler ist der Leiter der "Vienna Ghosthunters", ein Verein, bei dem sich alles um Spuk dreht. Gemeinsam mit einem Teil seines Teams ist er auf der Burgruine Rauheneck in Baden, wo es besonders viel spuken soll. "Unser Ziel ist es, Spuk dort zu belegen, wo er nachgesagt wird", erklärt Gabler.

40 Kilogramm wiegt sein Rucksack mit allen Gerätschaften, die er für sein Vorhaben braucht: Infrarotkamera, Ultraschallgerät, Thermometer, Videokameras, Wildkameras und Co. Oben angelangt, beginnt das Team den Ort abzugehen: "Wir achten dabei auf unsere Gefühle. Wenn sich mehrere an einem Ort unwohl fühlen, stellen wir dort auf jeden Fall eine Kamera auf", sagt Gabler. Auf der Burgruine Rauheneck spukt ein Geist, der um seine Verlobte trauert, heißt es Sagen nach. Es ist aber nicht der einzige Ort in Niederösterreich, dem Spuk nachgesagt wird.

Plätze mit Geschichten

Die Geisterjäger waren an allen wichtigen Orten in Österreich, an denen es Spukgeschichten gibt. Besonders prägende Erlebnisse hatten sie zum Beispiel in der Araburg in Kaumberg (Bezirk Lilienfeld), wo sie in der Kapelle eine Erscheinung hatten – eine Lichtgestalt in Form eines Ritters. In der Ruine Rauhenstein in Baden – gegenüber von Rauheneck – haben sie unten eine weiße Frau im Fenster gesehen und die Todesglocke gehört, die gar nicht mehr vorhanden ist. Früher soll sie immer geläutet haben, wenn in Baden jemand gestorben ist. Im Sanatorium Feichtenbach (Kastralgemeinde von Pernitz), ein ehemaliges Lebensbornheim, hat das Team laut Gabler mit einem Geist kommuniziert, der sogar Türen geöffnet und geschlossen hat. In der Ruinenstadt Döllersheim – die Bewohner wurden während des Zweiten Weltkriegs ausgesiedelt – hat das Team rund um Gobler Lichtphänomene beobachtet, die immer die gleiche Größe behielten, egal wie nah oder fern sie davon waren. Auch im Schloss Pottendorf (Bezirk Baden) machten die Ghosthunters paranormale Erfahrungen, etwa drehte sich das Aufnahmegerät auf einmal ab. Um das Schloss Ruegers in Riegersburg (Bezirk Hollabrunn)ranken sich ebenfalls Spukgeschichten. Der Besitzer Octavian Graf Pilati erzählt, dass er selbst als Kind einmal einen Geist durch die Tür kommen gesehen hat.

All diese Orte haben gemein, dass es alte, mit Geschichten umrankte Plätze sind. "Wenn man wo hingeht und es heißt, dass es hier Geister gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas Ungewöhnliches wahrnimmt, sehr hoch", sagt Ulrike Schiesser, Psychologin bei der Bundesstelle für Sektenfragen. "Wenn jemand an Geister glaubt, ist die Wahrscheinlichkeit noch einmal höher, dass man etwas sehen wird. Außerdem gibt es dann noch physikalische Erklärungen für bestimmte Dinge, die einem komisch vorkommen."

Faszination für Geister

Das sieht auch Gabler so. Bei Privatinvestigationen, wie er sie nennt, werden Hausbesuche bei Personen abgestattet, die sich an die Ghosthunters wenden, weil sie meinen, dass es bei ihnen spukt. "Bis jetzt konnte jeder einzelne Spuk erklärt werden. Ursachen waren zum Beispiel Heizungsrohre oder Strahlungsbelastungen, die komische Geräusche erzeugt haben", sagt Gabler. Ausgebucht ist er bereits bis Ende November mit Anfragen. Besonders viele bekommt er, wenn ein neuer Geisterfilm in die Kinos kommt.

Warum Geister so eine Faszination ausüben, ist laut Schiesser leicht erklärt: "Zum einen könnten sie der Beweis sein, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, was für viele tröstlich ist. Zum anderen begleiten Gruselgeschichten die Menschheitsgeschichte seit jeher. Es gefällt den Menschen, sich mit etwas zu konfrontieren, was Angst macht, aber dennoch bewältigbar ist." Möglich sind solche Geschichten jedoch meist nur in alten Gebäuden, kaum in Neubauten. Gabler glaubt an Geister, sagt aber, dass 98 Prozent der Vorkommnisse wissenschaftlich erklärbar sind. Bleiben noch die zwei Prozent – Gabler verleiht ihnen den Status "momentan nicht erklärbar".

Am Ende ihrer Investigation sammeln die Geisterjäger wieder all ihre Kameras in der Ruine Rauheneck ein. Das Material – mehrere tausend Fotos, Videos und Tonaufnahmen – wird zu Hause akribisch ausgewertet und auf Unerklärliches untersucht. "Meistens muss man aber oft an einen Ort wiederkehren, um Spuk zu finden", sagt Gabler. An diesem Tag gibt es keinen.