© Getty Images/iStockphoto/Helen Davies/istockphoto.com

Chronik Niederösterreich
11/20/2020

Debatte um geplante S8: „Der unbeliebteste Vogel im Marchfeld“

Die Region hofft, dass der Triel geschützt, die Umfahrungsstraße aber dennoch gebaut werden kann.

von Martin Gebhart

Eine ganze Region wartet auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Noch vor Weihnachten dürfte dessen Entscheidung zur Marchfeld-Schnellstraße S8 bekannt gegeben werden. Dieses Projekt, das die Gemeinden an der Bundesstraße 8 vom Verkehr befreien soll, ist eng mit dem Schicksal des Vogels Triel verknüpft. Für Gänserndorfs Bürgermeister René Lobner (ÖVP) gehört der Triel deswegen „zu den unbeliebtesten Vögeln im Marchfeld“.

30.000 Pkw und 3.000 Lkw

Diese Formulierung fiel am Freitag bei einer Videodebatte zur Zukunft des Projekts S8. Dabei betonte Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP), dass „wir vom Land zu diesem Straßenprojekt stehen“. Rund 30.000 Pkw und 3.000 Lkw würden derzeit fast täglich auf der B8 durch Gemeinden wie Deutsch-Wagram, Raasdorf oder Gänserndorf fahren. Diese Verkehrshölle zerschneide die Gemeinden und zermürbe die Menschen.

Dass die Gegner das Projekt, das im Bundesstraßengesetz bereits verankert und von der Asfinag seit Jahren budgetiert ist, wegen einer Brutstätte des Triels verhindern könnten, gehe „vorbei an den Menschen“. Mit solchen Diskussionen wie um die S8 würde man deswegen dem Naturschutz keinen Gefallen tun, meint Schleritzko.

Für Alexander Walcher von der Asfinag ist die S8 eines der wesentlichen Straßenprojekte im Osten. Er versteht nicht, dass das Bundesverwaltungsgericht das Ermittlungsverfahren dazu abrupt gestoppt hat. „So etwas hat es noch nicht gegeben“, sagt Walcher. Er hofft, dass dieses Verfahren wieder aufgenommen wird. Auch wegen des Arguments der Gesundheitsgefährdung, die durch den massiven Verkehr für die Menschen bestehe.

Zwei Brutpaare gesichtet

Der Landschaftsökologe Thomas Knoll sieht ein sogenanntes Ausnahmeverfahren als mögliche Zukunftslösung. Das sei ein Ausweg, um im Konflikt zwischen Straßenbau und Naturschutz beiden Seiten gerecht zu werden. Funktioniert habe es bereits bei der Ostumfahrung von Wiener Neustadt. Knoll: „Wenn es bei einem solchen Konflikt Spitz auf Knopf steht, ist das für niemanden gut.“ Da stimmt ihm der Biologe Rainer Raab zu. Er gilt als ein international anerkannter Triel-Experte. Raab: „Ich beschäftige mich schon mein halbes Leben mit diesem Vogel.“ Dieser sei sehr flexibel und könne gelenkt werden. Deshalb sei es auch kein Problem, hier „beides zu kombinieren“. Im Jahr 2020 wurden zwei Brutpaare in Markgrafneusiedl gesichtet.

Fix ist, dass die Marchfeldgemeinden juristisch reagieren werden, falls das Gericht das Projekt an den Start zurückschickt. Lobner: „Wir werden das Projekt nicht aufgeben.“ Wobei eine Variante auch ist, dass sich das Infrastrukturministerium erneut mit der S8 auseinandersetzen muss. Eine spannende Konstellation, weil dort jetzt die Straßengegnerin Leonore Gewessler (Grüne) als Ministerin an der Spitze sitzt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.