In Felling wird Perlmutt bereits in fünfter Generation verarbeitet

© Rieger Lisa

Chronik Niederösterreich
05/03/2019

Das schwierige, schillernde Geschäft mit Perlmutt

Inhaber Rainer Mattejka erzählt von den Aufs und Abs der letzten Manufaktur in Österreich.

von Lisa Rieger

Es ist die letzte in Österreich und eine von nur vier in Europa: Die Perlmutt-Manufaktur in Felling (Weinviertel, Niederösterreich) hat sich trotz zahlreicher Herausforderungen seit 1911 gehalten.

Ganz in der Nähe vom Standort fließt die Thaya. Bis 1953 konnten ihre Flussmuscheln verarbeitet werden. Danach musste die Ware aus Australien, Indonesien und Neuseeland importiert werden. Grund dafür ist ein Stausee, der in den 1930er Jahren für Veränderungen im Wasser der Thaya sorgte, sodass heute nahezu keine Muscheln mehr vorhanden sind. Die letzten stehen unter Naturschutz.

Rainer Mattejka, der Erbe der Manufaktur, kauft ausschließlich in Farmen gezüchtetes Material. „Wir wollen die Meere nicht ausrotten“, erklärt er. Immerhin verarbeitet Mattejkas Firma 25 Tonnen Muscheln pro Jahr. Etwa eine Tonne davon wird für Schmuck, Brieföffner, Kugelschreiber und Uhren verwendet. Das Gros aber für Knöpfe – rund acht Millionen werden jährlich hergestellt.

Beliefert werden Kunden auf der ganzen Welt, von Deutschland bis nach Dubai. Viele fertigen exklusive Kleidung an und legen Wert darauf, dass auch die Knöpfe aus echtem Perlmutt sind. Die Ware wird auch für die Inneneinrichtung von Yachten oder Privatjets verwendet. Auch die Firma Bösendorfer setzt bei ihrem Schriftzug auf ihren Flügeln auf Mattejkas Material.

In fünfter Generation

Acht Mitarbeiter arbeiten in Österreichs letzter Perlmutt-Manufaktur. Zu Hochzeiten waren es 98 Betriebe, die die Knöpfe hergestellt haben. Mattejka führt den Betrieb in fünfter Generation. Er sagt: „Mein Urgroßvater hatte Glück. Als es den Rieseneinbruch bei den Muscheln gab, durfte nicht gleich importiert werden. Nur weil er von einem Muschellager 60 Tonnen kaufen konnte, hat unser Betrieb überlebt.“

Ein weiterer Tiefschlag war die Einführung von Kunststoffknöpfen in den 1970ern. „Perlmutt kostete das zehnfache. Da war es klar, dass die Industrie nur noch Kunststoff kauft“, erklärt Mattejka. „Mein Großvater musste innerhalb von fünf Jahren von 30 Mitarbeitern zu einem Ein-Mann-Betrieb abbauen. Aber er hat gekämpft, und ein paar Jahre später wurde der Perlmutt-Knopf wiederentdeckt“, erzählt er.

Der bislang letzte Rückschlag war der Tsunami im Indischen Ozean 2004. Damals wurden viele Muschelfarmen zerstört. Vor dem Tsunami hatte ein Kilogramm Material neun Euro gekostet, danach 45 Euro.

Heute wird so viel produziert wie noch nie – und es wird jährlich mehr. „Die Menschen wollen wieder Naturmaterialien“, sagt Mattejka. In Europa gibt es insgesamt nur noch vier Perlmuttbetriebe – in Spanien, Italien, Deutschland und Österreich. Ihre größten Konkurrenten sind Billigländer wie China.

Gegründet wurde die Perlmutt-Manufaktur von Mattejkas Ururgroßvater. „Er ist wegen der Liebe von Klagenfurt nach Felling gezogen“, sagt er. Die heutige Fabrikhalle wurde in den 1970er-Jahren gebaut. Am 1. Mai diesen Jahres wurde das Ergebnis des zweijährigen Umbaus präsentiert: Eine neue Terrasse, ein Spielplatz und Barrierefreiheit. Mattejka und seine Frau Anita arbeiten nämlich auch daran, ihre Manufaktur als Ausflugsziel zu etablieren.

Was ist Perlmutt?

Perlmutt, auch „Mother of Pearl“ (Mutter der Perle, Anm.) genannt, ist das schillernde Naturmaterial, das die Innenseite einer Perlmuschel  auskleidet. Es gibt eine große Farben- und Mustervielfalt. Die am meisten vorkommende und verwendete Perlmuschelart ist die Macassar-Muschel. Zu finden ist sie in den tropischen Meeren bei Australien, den Philippinen und den Südsee-Inseln. Es ist auch jene Muschel, die am häufigsten in der Knopf- und Schmuckindustrie verwendet wird.  Das Biomaterial Perlmutt ist ein Verbundmaterial aus Calciumcarbonat (Kalk) und organischem Material.