Die Cessna wurde beim Aufprall in mehrere Teile gerissen.

© APA/BFK KREMS/GERNOT ROHRHOFER.

Krems
10/20/2013

Cessna-Absturz im Nebel, Pilot tot

Das Flugzeug stürzte kurz nach dem Start bei dichtem Nebel ins Augebiet der Donau.

von Philipp Kienzl

Großeinsatz für die Rettungsmannschaften nach dem Absturzes eines Kleinflugzeuges: Am Sonntagmorgen stürzte in Krems-Gneixendorf (Niederösterreich) eine Cessna 172R Skyhawk unmittelbar nach dem Start ab. Pilot Ulrich W., ein 56-jähriger Psychotherapeut aus dem Bezirk Krems, starb bei dem Unglück. Laut 144 Notruf NÖ dürfte er auf der Stelle tot gewesen sein. Der 60-jährige Bruder erlitt bei dem Absturz schwerste Verletzungen und wurde mit dem Notarztwagen ins Landesklinikum Krems eingeliefert.

Die Cessna dürfte auf dem Weg nach St. Johann im Pongau gewesen sein. Gegen 10.25 Uhr war das Flugzeug gestartet, als es nur wenig später mehrere Bäume touchierte und im dicht bewachsenen Au-Gebiet abstürzte. Die Maschine wurde dabei regelrecht zerrissen, das Cockpit gegen den Waldboden geschleudert.

Bilder von der Unglücksstelle

NIEDERÖSTERREICH: FLUGZEUGABSTURZ BEI KREMS FORDER

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Flugzeugabsturz, Krems, Gneixendorf; honorarfrei…

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Um den Flugplatz Krems-Gneixendorf hatte zum Unglückszeitpunkt dichter Nebel geherrscht, die Sichtweite lag bei etwa 150 Metern. Warum Ulrich W. unter diesen Bedingungen startete, war am Sonntag noch unklar. Die Flugunfall-Kommission nahm unmittelbar nach dem Unglück die Untersuchungen auf, um die näheren Umstände zu rekonstruieren.

Der bei dem Absturz schwer verletzte 60-jährige Bruder des Piloten konnte sich selbst aus dem stark deformierten Wrack befreien und lotste die anrückenden Einsatzkräfte zum Absturzort. „Wegen des dichten Nebels war es extrem schwierig, die Unglücksstelle zu finden“, schildert Andreas Herndler vom Bezirksfeuerwehrkommando Krems. „Neben der geringen Sichtweite haben uns die vielen Äcker die Zufahrt zusätzlich erschwert“, sagt Herndler.

Im Dickicht der Donau-Auen mussten sich die 55 Feuerwehrleute schließlich mit Motorsägen eine Schneise zur Unglücksstelle schlagen. „Weil Benzin aus der Maschine ausgetreten ist, wurde ein Brandschutz aufgebaut“, erklärte der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos, Franz Resperger. Akute Brandgefahr habe jedoch nicht geherrscht.

Erfahrener Flieger

Ulrich W. galt als erfahrener Pilot, der in den letzten Jahren mehrere Hundert Flugstunden mit der 160 PS starken Cessna Skyhawk absolviert hatte. „Er ist mit dem Flugzeug nach Frankreich geflogen und hat damit schon ganz Europa bereist. Er war ein Profi“, sagt Flugplatz-Betriebsleiter Harald Lackner. „Ich kannte ihn seit Jahren, er war ein routinierter Flieger“, fügt er hinzu. „Die Sichtverhältnisse am Sonntag waren wohl im unteren Bereich. Ob sie für den Absturz verantwortlich sind, müssen aber Experten klären.“

Ulrich W. besaß eine Instrumentenflugberechtigung. Damit ist auch das Fliegen bei eingeschränkter Sicht möglich. Im Union-Sportfliegerclub Krems herrschte am Sonntagnachmittag gedrückte Stimmung. „Wir können das Unglück noch gar nicht fassen. Es ist sehr schwer, das alles zu begreifen“, sagt ein Bekannter des Verunglückten.

Immer wieder stürzen Kleinflugzeuge ab

Immer wieder kommt es zu Abstürzen von Kleinflugzeugen mit Todesopfern in Österreich. Im Folgenden eine Chronologie von Unfällen seit 2010:

28. Februar 2010 - Zwei Menschen sterben beim Absturz einer einmotorigen Maschine in Oberösterreich. Sie kracht am Flugplatz Freistadt im Gemeindegebiet von Hirschbach gegen eine Böschung und geht in Flammen auf.

12. Juni 2010 - Der Absturz eines Segelflugzeugs in der Nähe des Kärntner Truppenübungsplatzes Glainach (Bezirk Klagenfurt-Land) fordert zwei Todesopfer. Ein Tragflügel bricht und das Flugzeug kracht einige 100 Meter vom Rollfeld entfernt in einen Wald.

2. September 2010 - Ein 67-jähriger Fluglehrer und sein 20-jähriger Schüler sterben beim Absturz mit einer zweimotorigen Maschine am Flugfeld Hirschbach bei Freistadt. Sie stürzen beim Landeanflug in eine Böschung.

5. Mai 2011 - Beim Absturz eines Ultraleichtflugzeugs kommen im Salzburger Pinzgau die beiden Insassen ums Leben. Der Flieger verliert zwischen Hochfilzen (Bezirk Kitzbühel) und Leogang stark an Höhe, streift mehrere Baumwipfel, die Oberleitung der ÖBB, beginnt zu brennen und stürzt ab.

7. Juli 2011 - Ein 45 Jahre alter Pilot und eine 46 Jahre alte Frau kommen beim Absturz eines Segelflugzeuges in der Nähe des Flugplatzes Feldkirchen in Kärnten ums Leben. Das Flugzeug stürzt etwa einen Kilometer südöstlich des Flugfeldes beim Landeanflug in einen Maisacker.

21. August 2011 - Beim Absturz eines einmotorigen Flugzeuges in Mauterndorf im Salzburger Lungau verlieren zwei Menschen ihr Leben. Die Maschine gewinnt nach dem Start kaum an Höhe und stürzt aus rund 30 bis 40 Metern ab. Für die beiden Insassen, einen einheimischen Piloten und einen deutschen Fliegerkollegen, kommt jede Hilfe zu spät.

23. März 2012 - Ein Kleinflugzeug stürzt in den Bodensee direkt vor Bregenz. Etwa 400 Meter vom Ufer entfernt schlägt der Flieger am Wasser auf und wird in mehrere Teile zerrissen, der Pilot und ein Passagier sterben. Etwa ein Jahr später stellt sich heraus, dass der Absturz vom Passagier (21) absichtlich verursacht worden sein dürfte. Er soll unter psychischen Problemen gelitten haben.

9. Juni 2012 - Ein von Ungarn gestartetes Sportflugzeug stürzt auf dem Weg nach Straubing in Bayern im Gemeindegebiet von Maria Laach am Jauerling (Bezirk Krems) ab. Die beiden Insassen kommen ums Leben.

21. Juni 2012: In Straßwalchen im Salzburger Flachgau stürzt in der Ortschaft Voglhub ein Kleinflugzeug ab. Zwei Männer werden dabei getötet.

30. September 2012 - Beim Absturz einer zweimotorigen Cessna oberhalb von Ellbögen im Tiroler Bezirk Innsbruck-Land sterben sechs Menschen: Für den Piloten und fünf Passagiere kommt jede Hilfe zu spät. Es gibt zwei Überlebende.

1. Mai 2012 - Der Pilot eines Kleinflugzeuges stirbt bei einem Unglück in Baumkirchen im Tiroler Bezirk Innsbruck-Land. Zuvor war vergeblich versucht worden, der Maschine eine Landemöglichkeit auf der nahe gelegenen Inntalautobahn zu organisieren.

20. Oktober 2013 - Ein Unglück mit einer viersitzigen Cessna 172R Skyhawk kostet bei Krems in Niederösterreich den Piloten das Leben. Sein Bruder wird bei dem Absturz im Augebiet der Donau schwer verletzt. Zum Unfallzeitpunkt herrscht dichter Nebel.

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