Camping hat noch „viel Potenzial“
Leiten den Campingplatz Purgstall: Klaus Aigner und Karl-Heinz Kaiser.
Es riecht nach Urlaub. Mitten am Nachmittag duftet von irgendwo her am Zeltplatz ein Griller. Auf einem kleinen Fußballfeld tummeln sich fröhliche Buben und auch in den Liegestühlen beim Badebiotop chillt eine Familie, obwohl der Himmel bewölkt ist. Am Campingplatz in Purgstall an der Erlauf ist die Hauptsaison angelaufen.
„Es geht los. Ab Mitte Juli sind wir dann über fünf bis sechs Wochen komplett ausgebucht“, schildern die Betreiber des Campingplatzes Karl-Heinz Kaiser und sein Sohn Klaus Aigner. Die Anlage am Tor zum Ötscherland bietet recht verlockende Ausflugsziele, wie die Erlaufschlucht oder die weitläufigen Radwege direkt vor der Haustüre. Sie ist in NÖ ein Vorzeigebetrieb.
Gründung vor 34 Jahren
Die knapp 3 Hektar große Anlaufstelle für Freilufturlauber wurde vor 34 Jahren vom damals beruflich als Maschinenbauer aktiven Karl-Heinz Kaiser gegründet. „Nachhaltigkeit und Rücksicht beim Leben in der Natur war mir von Beginn an wichtig“, erzählt der 83-jährige Campingprofi. Mit nur 60 Stellplätzen mit großzügigen Abständen zu den Nachbarn und vielen bepflanzten schattigen Flächen wird der Platz von den Campern geschätzt. Auch auf die Umweltzertifizierung und die Mitgliedschaft in der in Österreich elitären Gruppe der „Green Campings“ wird geschaut.
Zelt am Campingplatz in Purgstall.
Wenngleich sich die Branche, insbesondere auch nach der Corona-Zeit, weiter als boomende Urlaubs- und Freizeitsparte fühlen darf, stecke hinter dem touristischen Camping-Angebot weit mehr, als einfach nur eine Wiese zum Zelten zur Verfügung zu stellen, schildert Kaiser, der auch Sprecher der 53 gewerblichen Campingplatzbetreiber in NÖ ist.
Boom hält an
„Camping ist kein kurzfristiger Boom, sondern ein stabiles und nachhaltiges Tourismussegment“, sagt er. Die Szene wird immer vielfältiger und sucht immer individuellere Angebote. Dennoch mahnt Kaiser jene, die jetzt einsteigen wollen und glauben, schnell ein Gelände zu einem Campingplatz umbauen zu müssen, zur Vorsicht. Man müsse große Ausdauer haben und auf eine Flut von behördlichen Eingaben, Auflagen oder vielleicht sogar Verhandlungen wegen Anrainerprotesten gefasst sein, schildert der Doyen der nö. Campingplatzbetreiber.
Gäste aus aller Welt, natürlich viele deutsche und holländische Stammkunden, ebenso viele Österreicher, aber auch Weltreisende aus Australien oder Korea sind am Campingplatz in Purgstall regelmäßig zu finden. Ein wichtiges Standbein, so Kaiser, seien die Stammkunden. Sie sind auch Indikatoren für die Qualität, die Regionalität und die persönliche Betreuung.
Potenzial
„Dieses touristische Segment hätte aber noch großes Potenzial. Wir haben zwar stolze 300.000 Nächtigungen in Niederösterreich, aber da wäre sicher noch etwas zu holen. Kärnten hat 2,6 Millionen“, ist der nimmermüde Purgstaller Pionier euphorisch und sieht noch große Chancen. Das enorme Angebot an Freizeiteinrichtungen, die vielen Naturerlebnisse oder das vielfältige Kulturangebot in NÖ könnte auch für Fans des Open-Air-Urlaubs noch viel schmackhafter aufbereitet werden, ist er überzeugt.
NÖ sei allerdings kein typisches Campingland, auch wenn hier über 50 von bundesweit 350 zugelassenen gewerblichen Plätzen zu finden seien. „Von der Geschichte her haben sich auf vielen Plätzen Dauercamper mit ihren Wohnwägen erholsame Wochenendplätze eingerichtet, allerdings passen die mit den typischen Campern nicht besonders gut zusammen“, sagt Kaiser.
Handlungsbedarf in seiner Branche ortet der Purgstaller Spartensprecher auch in der Digitalisierung der Buchungsmöglichkeiten für die Gäste. Wie in allen touristischen Bereichen melden auch Camper ihre Nächtigungswünsche immer später an. „Zu den Haupturlaubszeiten sind viele Plätze ausgebucht. Andere, die bestens geführt sind und freie Stellflächen hätten, sind aber schwer oder gar nicht online zu finden“, so Kaiser.
Digitalisierung
Nicht zuletzt mit dem digitalen Know-how seines Betriebes gibt es in NÖ deshalb seit heuer die Camping-Online-Buchungszentrale. Ein Testbetrieb mit der Tourismusdestination Mostviertel ist angelaufen. Gleichzeitig mit der Echtzeitverfügbarkeit von Stellplätzen und direkter Buchbarkeit lassen sich auch die vielen anderen touristischen Angebote einer Region online anpreisen, schwärmt der Tourismusprofi.
Badebiotop am Campingplatz in Purgstall.
Was er seiner Sparte in NÖ weiters noch wünscht, ist „mehr Sichtbarkeit“ auf den offiziellen Tourismusplattformen: Das wäre für beide Seiten eine Win-win-Situation.
Zahlen
Trotz Marktschwankungen erweist sich die Campingbranche in NÖ als sehr widerstandsfähig. Die Nächtigungszahlen halten sich bei rund 300.000 pro Jahr. Österreichweit wurden 2025 8,8 Millionen Nächtigungen auf Campingplätzen gezählt. Im Vorjahr wurde ein kleines Minus von 3,4 Prozent auf 299.772 Nächtigungen eingefahren. Zum Vergleich: 2019 lagen die Übernachtungen bei 260.000. Die Destination Donau NÖ hat sich 2025 mit fast genau einem Drittel aller Nächtigungen als stärkste Camper-Region behauptet und ein Plus von 3,3 Prozent eingefahren. Bei den deutschen Gästen konnte hier ein Plus von 10,4 Prozent erreicht werden.
Mostviertel
Markant ist auch, dass die Camper etwa im Mostviertel zu 81 Prozent aus Österreich stammen. Das Waldviertel wiederum liegt bei den Nächtigungszahlen sogar langfristig 54,8 Prozent über dem Niveau von 2019. Die Campingplätze spielen pro Jahr in NÖ Ortstaxen in der Höhe von rund 600.000 Euro ein.
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