Haus mit Geschichte: Neue Pläne für "Café Thermal" in Bad Vöslau
Bürgermeister Christian Flammer (r.) und Stadtrat Johann Pichler vor dem "Cafe Thermalbad" im Stadtzentrum von Bad Vöslau.
Erhaben steht die mächtige Platane neben dem historischen Thermalbad von Bad Vöslau. Den umliegenden Platz samt "Fischerlteich" hat die Stadtgemeinde auf Vordermann gebracht. Doch gleich dahinter bietet ein ebenso traditionsreiches Gebäude einen zunehmend trostlosen Anblick.
Das "Café Thermalbad" hat schon weit glanzvollere Zeiten erlebt, wie historische Bilder im Stadtmuseum belegen. Viele Jahrzehnte lang war die einstige Villa Pereira-Arnstein beliebter Treffpunkt für viele Vöslauer. An diese Tradition will man seitens der Stadt nun anknüpfen.
Anläufe dazu hat es bereits zur Genüge gegeben. Das eingeschoßige, um 1830 errichtete Gebäude wird dem bekannten Architekten Joseph Kornhäusel zugeschrieben. Er soll das Sommer-Domizil für Henriette von Pereira Arnstein errichtet haben - Tochter der berühmten Wiener Salonière Fanny von Arnstein.
Doch keine Vöslauer-Zentrale
Später erwarb die Gemeinde die Villa, verkaufte aber in den 1930ern an die Familie Gal, die dort ein Restaurant und das „Café Thermal“ betrieb. Im Zubau, der in den 1970er-Jahren errichtet wurde, war auch eine beliebte Discothek untergebracht.
Nach der Schließung wurde das 6.457m² große Areal zuerst an eine Privatfirma verkauft, 2017 aber erneut um 1,9 Millionen Euro von der Stadtgemeinde erworben, um Plänen, darin Wohnungen zu errichten, zuvor zu kommen. Die Stadt behielt nur den umliegenden Park. Die denkmalgeschützte Villa wurde an die Vöslauer Mineralwasser AG weitergegeben. Aus deren Vorhaben, das Gebäude zu renovieren und zur Firmenzentrale zu machen, wurde letztlich jedoch nichts.
Derzeit bietet das Innere des "Cafe Thermalbad" einen desolaten Eindruck.
Daher brachte man das Café Thermalbad nun durch einen Grundstückstausch mit Vöslauer wieder in Gemeindebesitz.
Die Villa verfällt zusehends. Ein Lokalaugenschein im Inneren offenbart den beträchtlichen Sanierungsbedarf. Mit rund 2,5 Millionen Euro soll eine erste Schätzung das Investitionsvolumen beziffert haben. Doch das ist noch Zukunftsmusik, denn noch steht nicht einmal fest, wie das Gebäude künftig genutzt werden soll. Ein gastronomisches Angebot sei angesichts der Geschichte des Hauses schon mehrfach von Bad Vöslauern gewünscht worden, stellt Bürgermeister Christian Flammer (Liste Flammer) klar. Auch Interessenten für einen solchen Betrieb haben sich schon bei ihm gemeldet.
Bürgerbefragung
Um der Bevölkerung generell die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen einzubringen, hat die Stadtgemeinde eine Befragung gestartet. Fragebögen wurden bereits versandt, die Teilnahme ist bis 18. Mai aber auch online über badvoeslau.at möglich. Den Abschluss soll dann ein "Bürgercafé" am 29. Mai vor Ort bilden, wo man die Ergebnisse präsentieren und diskutieren möchte.
Durchgeführt wird die Befragung anonym von der NÖ Dorf- und Stadterneuerung. Johann Pichler, Stadtrat für Liegenschaftsverwaltung (Liste Bad Vöslau), ist Mitglied einer Projektgruppe, die den Prozess steuern soll.
Ein Bild aus besseren Tagen: das "Cafe Thermalbad" im Jahr 1930.
Geöffnet wurde in einem ersten Schritt die kleine Grünfläche vor dem Café, die zuletzt gesperrt war. Unter der mächtigen Platane kann nun wieder spaziert werden. Ein Punkt, der Bürgermeister Flammer besonders wichtig ist: "Wir wollen den Platz für die Öffentlichkeit erhalten. Es ist das Stadtzentrum und muss entsprechend gestaltet werden."
Planungen noch heuer?
Er hofft, eventuell schon in der Juni-Sitzung des Vöslauer Gemeinderates, weitere Schritte beschließen und im zweiten Halbjahr 2026 mit Planungen beginnen zu können. 80.000 Euro seien seitens der Gemeinde dafür bereits budgetiert worden.
Herausforderungen könnte der bestehende Denkmalschutz für das Café mit sich bringen, ist sich Flammer bewusst. So seien etwa die beiden Geschoße im Inneren nicht miteinander verbunden - der Einbau eines Lifts wäre also wohl nötig.
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