Chronik | Niederösterreich
14.04.2018

Border-Collie erforscht wilde Natur

Ausgebildeter Spürhund hilft Wissenschaftlern, den Wildkatzen-Bestand im Nationalpark zu erheben.

vonJürgen ZahrlWenn Cupper hoch konzentriert durch das urwaldähnliche Dickicht schnüffelt, sieht es fast so aus, als wäre er illegalen Grenzgängern im niederösterreichisch-tschechischen Nationalpark Thayatal auf den Fersen. Allerdings befindet sich der achtjährige Border-Collie nicht im Dienste der Polizei, sondern er ist quasi als Wissenschaftler auf vier Pfoten unterwegs, um bei einer internationalen Forschungsarbeit eine Mission zu erfüllen. Durch seinen feinen Geruchssinn, der mindestens 10.000-mal stärker ausgeprägt ist als jener eines Menschen, wird Cupper als ausgebildeter Wildkatzen-Spürhund eingesetzt.

Keine Sorge. „Er hetzt keiner Wildkatze hinterher, bis er sie erwischt hat, sondern er ist darauf trainiert, deren Kot zu finden“, sagt Wolfgang Riener, Cuppers Herrl und Förster im Nationalpark Thayatal. Weil Wildkatzen scheue Tiere und nachtaktiv sind, ist die Wahrscheinlichkeit gering, sie in freier Wildbahn beobachten zu können. Um trotzdem mehr über sie und die Wanderkorridore der Wildtiere zu erfahren, ist das grenzüberschreitende, von der EU geförderte Forschungsprojekt „Connecting Nature“ gestartet worden. „Wir wollen die Artenvielfalt sichern und weiter ausbauen“, schildern Direktor des Nationalparks, Christian Übl, und Niederösterreichs Naturlandesrat Stephan Pernkopf.

Sichtungen

Bis dato sind mithilfe genetischer Analysen drei verschiedene Wildkatzen im grenzüberschreitenden Schutzgebiet erfasst worden. Eine weitere Gen-Probe befindet sich noch im Labor. Spätestens in sechs bis acht Wochen weiß Übl, ob Cupper bereits im ersten Versuch erfolgreich war.

Nachdem die Spur einer Wildkatze gemeldet wurde, nahm der Vierbeiner eine vielversprechende Fährte auf. „Wir konnten eine Kotprobe sicherstellen. Wenn sie tatsächlich zu einer Wildkatze passt, ist das wie ein Lottosechser“, sagt Riener, dessen Hund auch Baum-Schädlinge erschnüffeln kann. Rund ein Jahr lang hat er mit Cupper trainiert, bis er sicher war, dass er mit der Methode, die Leo Slotta-Bachmayer von der Plattform Wildkatze als Erster in Österreich umgesetzt hat, dem Duft von Wildkatzen-Kot folgen kann. „Ein Versuch hat gezeigt, dass Cupper deutlich zwischen Haus- und Wildkatze unterscheiden kann“, sagt Übl.

Mehrere Fragen wollen Wissenschaftler aus NÖ und Tschechien in den nächsten Monaten beantworten: „Wo gibt es überall im Umfeld des Nationalparks Wildkatzen? Und handelt es sich um eine Population, die sich selbst erhalten kann?“, sagt Übl.

Der Kot und der genetische DNA-Fingerabdruck helfen dabei, um einerseits daraus auf Lebensraum und Nahrung zu schließen, andererseits Geschlecht oder eine Registrierung in einer Datenbank festzustellen.