© Rieger Lisa

Chronik Niederösterreich
01/20/2019

Bohrungen nach Erdgas in Klosterneuburg: Rütteln im Konvoi

Die OMV sucht nach Erdgas im Boden. Der KURIER hat sich angesehen, wie das funktioniert

von Lisa Rieger

Drei Vibrationsfahrzeuge bleiben alle paar Meter für kurze Zeit stehen, rütteln am Boden und fahren dann wieder weiter. Währenddessen kontrollieren Mitarbeiter am Rande davon, wie stark die Schwingungen sind, die ausgesendet werden und wie stark die angrenzenden Häuser davon betroffen sind. So geht die OMV derzeit nördlich von Wien in Niederösterreich und im östlichen Weinviertel bei ihrer Suche nach Erdgas vor.

Zuletzt war sie in Klosterneuburg (Bezirk Tulln) unterwegs. Die Arbeit im Stadtgebiet ist bereits erledigt, derzeit wird im Gemeindegebiet weiter gemessen. Haben die Vibrationsfahrzeuge zuletzt in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) für Aufregung gesorgt, gab es bei Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP) keine Beschwerden: „Schäden an Gebäuden wurden keine gemeldet. Es gab aber zahlreiche Anfragen, was da gemacht wird, die haben wir alle weitergeleitet“, sagt er.

Die Gesamtfläche, die derzeit abgemessen wird, ist 1500 Quadratkilometer groß. „Drei Mal so groß wie Wien“, sagt Bernhard Novotny, der bei der OMV für die seismischen Messungen zuständig ist. Alle 49 Gemeinden seien vorab informiert worden. Nur eine Gemeinde habe sich gegen die Suche ausgesprochen: Langenzersdorf. Dort hätten deswegen nur die Bundes-, Landesstraßen und Privatgrundstücke, deren Besitzer ihr Okay gegeben haben, befahren werden können.

Der dortige stellvertretende SPÖ-Vorsitzende Christoph Baumgärtel berichtet, dass bei ihm zahlreiche Beschwerden eingegangen sind. Josef Zihr, der in Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) ein landwirtschaftliches Anwesen hat, kritisiert sogar, dass er nach den seismischen Messungen heruntergefallene Ziegel, Wandrisse und Stromausfälle registriert hätte. Dazu gibt es derzeit auch ein laufendes Verfahren mit der OMV.

Denkmalschutz

Novotny betont, dass die Önorm eingehalten wird. „Ob Sprengungen oder Schwerverkehr – all das geht auf die Önorm zurück, was Schwingungsgenerierungen betrifft.“ Die Schwingungen werden dabei nach Häufigkeit und Zeitdauer klassifiziert. Eine Sprengung etwa sei kurzfristig, der Schwerverkehr hingegen eine Dauerbelastung. „Die Seismik ist eine seltene, kurzfristige Schwingungsanregung. Die von uns ausgelösten maximalen Schwinggeschwindigkeiten sind unterhalb des Grenzwertes für denkmalgeschützte Gebäude, obwohl wir nicht einmal so niedrig ansetzen müssten.“ Die Energie könne außerdem reduziert werden – je nachdem, wo gemessen wird.

Trotzdem: „Bei den alten Häusern in der Klosterneuburger Altstadt hatten wir Angst. Am Hauptplatz sind wir deswegen nicht gefahren, weil wir den Sicherheitsabstand, den wir immer einhalten, hier nicht generieren hätten können“, erklärt Novotny.

In Klosterneuburg, Bisamberg und Langenzersdorf gab es laut Novotny zuletzt Vandalismusakte. Der Schaden liege im dreistelligen Bereich.

Die Arbeiten südlich der Donau sollten bis Mitte nächster Woche fertiggestellt sein, dann geht es nördlich davon weiter.

Vergleichbar mit Ultraschallmessungen

 Als Erweiterung der bereits durchgeführten 3D-Seismik-Messungen führt die OMV derzeit auch seismische Messungen im Boden durch. Diese dienen der Erforschung des geologischen Untergrundes und sollen Aufschluss über den Aufbau von möglichen erdgasführenden Strukturen geben.

Vergleichbar mit Ultraschalluntersuchungen beim Menschen werden bei einer Seismik-Messung entlang der Messlinien Schwingungen in die Tiefe gesandt, deren Reflexionen von Sensoren (Geophonen) aufgefangen werden und Informationen über den Untergrund geben, beschreibt die OMV den Vorgang. Die Ergebnisse werden mit Rechnertechnik und dem Wissen von Experten wissenschaftlich ausgewertet und mit bisher bekannten Daten aus früheren Seismik-Kampagnen zusammengeführt. Es entsteht ein Abbild der geologischen Schichten im vermessenen Gebiet.
Spezialisten erfahren laut  OMV so, ob es im Weinviertel weiteres Potenzial für Erdgasfunde gibt. Auf dieser Basis könne entschieden werden, ob künftige Investitionen in Explorationsprojekte strategisch, finanziell und für eine nachhaltige Energieversorgung Österreichs sinnvoll seien.

Die Durchführung der Messarbeiten ist derzeit von Oktober 2018 bis März 2019 und Oktober 2019 bis März 2020 geplant. Das Messgebiet befindet sich in NÖ und erstreckt sich vom Nordrand Wiens  bis ins  östliche Weinviertel.

 

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