Das große Summen: Warum Bienen heute mehr Schutz brauchen
Josef Niklas kümmert sich seit seiner Kindheit um die Honigbiene. Wildbienen vernachlässigt er trotzdem nicht.
Zusammenfassung
- Honigbienen liefern regional unterschiedlich viel Honig, sind aber zunehmend vom Klimawandel und schwindenden Blüten betroffen.
- Wildbienenarten in Niederösterreich kämpfen wegen versiegelter Flächen, Monokulturen und Konkurrenz um knappen Lebensraum.
- Mehr heimische Blühpflanzen, wilde Ecken und weniger gemähte Flächen helfen, das Nahrungsangebot für alle Bienenarten zu sichern.
Der Duft ist das Erste, was auffällt. Warm, süßlich und harzig strömt er aus den Bienenstöcken in Gießhübl (Bezirk Amstetten). Dann das Summen. Tausende Honigbienen strömen aus dem Holzhaus, kreisen über den Waben, tragen Pollen ein und verschwinden wieder hinaus in die Obstgärten und Wiesen des Mostviertels.
Josef Niklas hebt vorsichtig einen Rahmen aus dem Stock. Er zeigt auf eine Stelle, an der mehrere Bienen gerade ihre Waben verschließen. „Die können wir nächstes Wochenende schleudern“, murmelt er.
Im Waldviertel gibt es keinen Blütenhonig
Im Durchschnitt liefert ein Bienenvolk im Mostviertel zwischen 25 und 35 Kilogramm Honig. Regional gibt es allerdings große Unterschiede. Im wärmeren Weinviertel können die Bienen häufiger ausfliegen und dadurch mehr Honig produzieren – bis zu 50 Kilogramm pro Volk.
Im Waldviertel hingegen fällt die Ernte deutlich geringer aus. „Heuer gibt es dort überhaupt keinen Blütenhonig, es war einfach zu kalt“, erzählt Niklas. Gleichzeitig machte die Trockenheit den Imkern im Weinviertel zu schaffen.
Insgesamt hätten sich die Bienenvölker heuer aber gut entwickelt, sagt Niklas. Dennoch spüre man auch hier die Folgen des Klimawandels. Viele Pflanzen würden mittlerweile gleichzeitig blühen. „Zuerst leben die Bienen im Schlaraffenland, später finden sie dann weniger Nektar und Pollen“, sagt er. Das wirke sich auch auf die Erträge aus.
Entspannung pur
Für Niklas sind die Tiere jedoch weit mehr als Honiglieferanten. „Sie sind für mich Entspannung pur“, sagt er und blickt auf das dichte Gewimmel der Waben.
„Der Duft, das Summen – das hebt mein körperliches Wohlbefinden.“ In Niederösterreich kümmern sich rund 5.000 Imkerinnen und Imker um etwa 40.000 bis 60.000 Bienenvölker. Die meisten betreiben die Imkerei im Nebenerwerb oder als Hobby – oft mit nur wenigen Stöcken im eigenen Garten oder auf Streuobstwiesen.
Knapper Lebensraum
Doch rund um die Bienen ist eine neue Debatte entstanden: Während die Honigbiene als Sympathieträgerin gilt, kämpfen Österreichs rund 700 Wildbienenarten zunehmend ums Überleben. Und ausgerechnet die geliebte Honigbiene steht dabei mancherorts selbst in der Kritik. Besonders artenreich ist Niederösterreich: Rund 90 Prozent aller heimischen Wildbienenarten kommen hier vor. Doch ihre Lebensräume werden zunehmend knapp.
Monotone Agrarflächen, versiegelte Böden, Pestizide und sterile Gärten lassen das Blütenangebot schrumpfen. Wo Nahrung fehlt, entsteht Konkurrenz - auch zwischen Honig- und Wildbienen. Vor allem in Städten, wo viele Bienenvölker auf engem Raum gehalten werden, wird deshalb diskutiert, ob Honigbienen Wildbienen verdrängen könnten.
Den Bienen helfen
Für Imker Josef Niklas greift diese Debatte oft zu kurz. In Niederösterreich gebe es durch die breite Verteilung der Standorte genügend Raum für beide, sagt er. Das eigentliche Problem sei, dass die Landschaft für alle Bestäuber ärmer geworden sei. Immer mehr Flächen werden versiegelt, Gärten sind zu ordentlich: Kurz gemähte Rasen, versiegelte Einfahrten und exotische Zierpflanzen bieten kaum Nahrung oder Nistplätze.
Dabei brauchen viele Wildbienen- und Honigbienenarten erstaunlich einfache Dinge: offene Bodenstellen, Totholz, markhaltige Pflanzenstängel oder blühende Wildpflanzen über die gesamte Saison hinweg. Aktionen wie „No Mow May“, bei der Rasenflächen im Mai bewusst nicht gemäht werden, sollen genau darauf aufmerksam machen. Auch zeitversetztes Mähen oder kleine wilde Ecken können helfen, das Nahrungsangebot für Insekten deutlich zu verbessern.
„Gut wäre, wenn Gemeinden und Privatleute mehr heimische Blühmischungen pflanzen würden“, sagt er. Der niederösterreichische Imkerverband hat darum mit mehreren Gärtnereien zusammengearbeitet und Bienenmischungen zusammengestellt, die den Anforderungen entsprechen. Auch die Initiative „Wir für Bienen“ hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, die Bienen zu schützen und zu unterstützen - in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Vereinen entstehen so zum Beispiel Bienenwiesen. Ziel ist es, die biologische Vielfalt zu stärken und Insekten wieder mehr geeignete Lebensräume zu bieten.
Das Bienenjahr
Während vor den Bienenstöcken weiter Arbeiterinnen ein- und ausfliegen, denkt Niklas bereits an die kommenden Monate. Anfang August endet die Honigernte, danach werden die Völker für den Winter vorbereitet.
Die sogenannten Winterbienen, die dann geboren werden, leben bis ins Frühjahr – im Gegensatz zu Sommerbienen, deren Leben oft nur wenige Wochen dauert. Ein empfindliches System, das auf stabile Jahreszeiten und genügend Blüten angewiesen ist.
Vielleicht geht es am Weltbienentag deshalb nicht darum, sich zwischen Honig- und Wildbienen zu entscheiden. Sondern darum, wieder Platz für Vielfalt zu schaffen. Ein Quadratmeter Wildnis kann da schon einen großen Unterschied machen.
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