Auf Du und Du mit den Größen des Fußballs: Weltmeister Kempes (li.) und Hans Krankl ließen sich gern mit dem St. Pöltener ablichten

© KURIER/Helmut Lackinger

SKN St. Pölten
10/20/2014

Beichtvater mit heilenden Händen

Seit fast 50 Jahren ist Team-Masseur Hans Fehringer aus dem Klub nicht mehr wegzudenken.

von Johannes Weichhart

Es ist eine Bindung, die schon fast 50 Jahre hält. Eine Lebensliebe, möchte man beinahe sagen.

Hans Fehringer und der SKN St. Pölten. Ein Name, der mit dem Klub untrennbar verbunden ist. Und zwar schon zu Zeiten, als der SKN noch FCN Niederösterreich oder VSE St.Pölten hieß. Als 12.000 Menschen am Voith-Platz standen, um die Mannschaft gegen die Austria anzufeuern. Durch seinen Job als Team-Masseur war Fehringer immer mittendrin.

20 Jahre kickte er für den Klub, danach wollte er bleiben. "Mich hat das Thema Gesundheit, speziell das Massieren, schon immer sehr interessiert", erzählt er. Er absolvierte Kurse, machte Fortbildungen. "Ich habe mir damals alles aus eigener Tasche bezahlt, darauf bin ich sehr stolz."

Als sich bei dem Verein ein berufliches Türchen öffnete, sagte der heute 64-Jährige sofort zu. Seit Mitte der 80er-Jahre macht er nun die Wadeln und Rücken der Fußballer wieder fit.

Fehringer erinnert sich gern an die frühen Tage zurück. Als Weltmeister Mario Kempes ("ein klasser Bursch") mit seiner unnachahmlichen Art den Ball ins Tor zirkelte, oder er den jungen Ivica Vastic kennenlernte, "der sich in St.Pölten null auskannte". Einige Freundschaften blieben die vielen Jahre hindurch bis heute bestehen.

Privat

Es ist Fehringers offene und unkomplizierte Art, die bei den Spielern und Trainern gut ankommt. Ihm können sich die Sportler auch anvertrauen, wenn es einmal nicht so gut läuft.

"Natürlich spricht man im Behandlungszimmer nicht nur über Fußball, es geht auch um Privates. Für manche wurde ich wie ein Familienmitglied, für andere eine Art Beichtvater, dem man auch seine Sorgen anvertraut", erzählt er.

Hochstapler

Der St. Pöltener hat im Laufe der Jahrzehnte alle Höhen und Tiefen des Vereins mitgemacht. Er saß auf der Trainerbank, als die Wölfe in der Bundesliga groß aufspielten und er blickte in die entsetzten Gesichter, als der Verein auf einen Hochstapler hereinfiel.

Die Episode aus dem Jahr 1999 mit dem Großbetrüger Benjamin E. wird Fehringer ein Leben lang nicht vergessen. Der VSE St. Pölten lag finanziell am Boden, da meldete sich wie aus heiterem Himmel ein Mann, der ein Angebot der US-amerikanischen Investmentgruppe "inFavorit" vorlegte.

Der 42-Jährige wollte zwei Milliarden Schilling in den Bau eines Stadions investieren und die Kicker in die Champions League führen. Vorstand und Co. warteten auf den Mann mit dem Geldkoffer, der den Klub in "Flash St.Pölten" umtaufen wollte.

"Als mir dann erzählt wurde, der sogenannte Investor will mit einem Großraumhubschrauber auf dem Flugfeld in Völtendorf landen, da dachte ich mir schon, dass da was nicht stimmen kann." Fehringer sollte recht behalten. E. landete nicht in St. Pölten, dafür einige Zeit später wegen schwerem gewerbsmäßigen Betrugs im Gefängnis.

28 Trainer

Die Arbeit hat sich für den Masseur in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Gab es früher nur den Masseur, wuseln bei den Top-Mannschaften mittlerweile Konditionstrainer und Physiotherapeuten herum.

"Das Spiel ist athletischer und kampfbetonter geworden", sagt der St. Pöltener. Andererseits habe sich der Heilungsprozess bei Verletzungen extrem beschleunigt. Beunruhigen kann Fehringer sowieso nicht mehr sehr viel.

Auch, dass der SKN seit Kurzem einen neuen Trainer und Frenkie Schinkels als Sportdirektor zurück in den Verein geholt hat. "Das ist dann mein 28. Trainer", lacht Fehringer.

"Vielleicht", sinniert er, "sollte ich nach meinem Abgang ein Buch schreiben." Im Jahr 2016 will er den Klub verlassen, das hat er sich fest vorgenommen. Wenn einmal Not am Mann sei, wolle er aber weiterhin gern aushelfen.

Eine Lebensliebe verlässt man halt nicht so einfach.

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