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Bausperre: Gemeinde Bad Fischau-Brunn stoppt Spar-Umbau

Weil kontrovers diskutiertes Vorhaben von Spar einseitig umgeplant worden sei, beschloss der Gemeinderat eine Bausperre auf dem Grundstück.
Drei Männer vor einer Spar-Filiale.

Seit vielen Jahrzehnten leistet die Unternehmerfamilie Pöll einen wesentlichen Beitrag zur Nahversorgung in der Gemeinde Bad Fischau-Brunn (Bezirk Wiener Neustadt-Land). In erster Generation durch einen kleinen Gemischtwarenhandel, später auch durch einen Supermarkt, aktuell als Betreiber des Spar-Marktes im Ort.

Dieser sollte nun eigentlich vergrößert und zu einer Eurospar-Filiale werden. Diesbezügliche Pläne wurden bereits im Vorjahr präsentiert - und im Rahmen einer Bürgerversammlung kontrovers diskutiert. Dennoch schien das Projekt auf Schiene zu sein. Bis gestern, Montag: da beschloss der Gemeinderat die Verhängung einer Bausperre auf dem Grundstück.

Grund dafür sei eine einseitige Umplanung des Projektes durch Spar, argumentiert Bürgermeister Stefan Zimper (ÖVP). "Der Gemeinderat hatte sich mehrheitlich für einen Eurospar ausgesprochen, der eine bessere Nahversorgung, einen ökologischen Gesamtauftritt und eine verbesserte Rad- und Verkehrslösung erreichen sollte", so Zimper.

"180 Grad Richtungsschwenk"

Genau diese Punkte seien Grundlage der politischen Entscheidung gewesen, betont er. Spar habe jedoch "ohne Information an die Gemeinde eine Minimalvariante forciert". Anstelle eines "grünen Eurospar", für den ein Nachbargrundstück miteinbezogen werden sollte, wolle man nun "einen 750-Quadratmeter-Markt auf die derzeit schon zu kleine Fläche bauen – eine Variante, die seit drei Jahren vehement von Spar verneint wurde", ärgert sich Zimper. "Dies ist ein 180 Grad Richtungsschwenk, obwohl das Flächenwidmungsverfahren für einen Eurospar noch am Laufen ist“.

Man rede damit "nicht mehr über dasselbe Projekt“, sagt Vizebürgermeister Michael Artner (Zukunftsunion), weil "wesentliche Bestandteile Schritt für Schritt wegfallen". Eine reine Minimalvariante bringt keinen entsprechenden Nutzen für die Gemeinde, daher wolle man mit der Bausperre verhindern, "dass etwas passiert, was wir nicht wollen.“

"Wissen nicht, wohin die Reise geht"

Die Gemeinde habe ihrerseits bereits konkrete Schritte eingeleitet, betont der 2. Vizebürgermeister Sebastian Goldfuß (ÖVP). So wurden etwa Vorarbeiten bezüglich einer Umgestaltung des nahen Bahnhübergangs geleistet und ein angrenzendes Grundstück rückgewidmet. Man wolle auch "weiter Verhandlungspartner bleiben". Aktuell wisse man allerdings nicht, "wohin die Reise gehen soll. Das ist kein partnerschaftliches Verhalten.“

Der Gemeinderat stehe "eindeutig für den Erhalt des Standorts und dessen sinnvolle Weiterentwicklung", sagt Zimper.

Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann bestätigt auf KURIER-Nachfrage die Planänderung: "Wir wollten in Bad Fischau-Brunn einen Eurospar-Markt mit rund 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten. Dafür hätte das angrenzende Grundstück vom Land Niederösterreich umgewidmet werden müssen. Diese Widmung wurde jedoch nicht genehmigt. Um dennoch eine zeitgemäße Nahversorgung in der Gemeinde sicherzustellen, planen wir im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten die Errichtung eines Spar-Supermarkts mit rund 750 Quadratmetern Verkaufsfläche. Damit würde ein Vorzeige-Supermarkt mit echtem Mehrwert für die Gemeinde entstehen."

"Keine Information"

Eine Argumentation, die Zimper verwundert. Das Widmungsverfahren sei noch gar nicht abgeschlossen, entgegnet er. Er sei zuversichtlich noch eine Einigung erzielen zu können. Jedenfalls hätte die weitere Vorgangsweise in Gesprächen festgelegt werden können, es habe aber keinerlei Information seitens Spar über die Planänderung gegeben. Nun warte er auf eine Kontaktaufnahme bezüglich der weiteren Vorgangsweise.

Erfreut über die Entwicklung zeigen sich indes Grüne und SPÖ in Bad Fischau-Brunn. SP-Vorsitzende Michaela Binder spricht von "berechtigten Sorgen vieler Menschen – beim Thema Hochwasserschutz genauso wie bei der zusätzlichen Verkehrsbelastung", die in der Bürgerversammlung im Vorjahr zum Ausdruck gebracht worden seien. "Es geht hier nicht um Verhinderung, sondern um Verantwortung für unsere Gemeinde. Dass dieses Projekt nun in dieser Form nicht umgesetzt wird, ist auch ein Erfolg des gemeinsamen Engagements vor Ort", ist Binder überzeugt.

"Richtige Entscheidung"

Die Grünen sehen die Reduktion des Projektes auf 750 Quadratmeter als "richtige Entscheidung für eine nachhaltige Zukunft unserer Gemeinde". Man habe "als einzige Partei die Bürgerinitiative gegen den Bau eines Eurospar unterstützt", wolle zusätzliche Bodenversiegelung und eine Umwidmung von Grünland in Bauland verhindern, fordere "sichere Erreichbarkeit zu Fuß und per Rad und keinen zusätzlichen Autoverkehr".

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