Sterben ohne Grab: Was die Baumbestattung attraktiv macht
Zusammenfassung
- Bestattungswälder wie der Klosterwald bieten naturnahe, pflegefreie Ruhestätten ohne Grabschmuck, bei denen der Wald selbst die Gestaltung übernimmt.
- Die Zeremonien sind individuell und offen für alle, unabhängig von Religion, und ermöglichen persönliche Abschiede in entspannter Atmosphäre.
- In Niederösterreich gibt es vier Bestattungswälder, in denen Angehörige oft mit Sorgen kommen und mit einem Lächeln gehen.
„Friedhöfe haben etwas Endgültiges. Die Schwere und Traurigkeit hängen über ihnen – hier im Wald ist das anders“, sagt Katharina Leb, zuständig für Marketing und Projektmanagement des Unternehmens Klosterwald. Im Rohrwald (Bezirk Korneuburg) ist es still. Nur das Klopfen eines Spechts durchbricht die Ruhe.
Zwischen den Bäumen führen schmale Wege hindurch, nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, dass dies ein Ort der Toten ist. Spaziergänger gehen vorbei, ohne stehen zu bleiben. Erst bei genauerem Hinsehen fallen sie auf: kleine, schwarze Schilder, unscheinbar an den Stämmen befestigt. Namen, Daten. Zeichen dafür, dass dieser Wald ein Bestattungswald ist.
Genau so soll es sein, sagt Leb: „Der Wald soll Wald bleiben.“ Naturnahes, nachhaltiges Beisetzen liegt im Trend – und ist auch praktisch: Es braucht keine Grabpflege, die biologisch abbaubare Urne ist nach etwa sieben Jahren verschwunden.
Keine Kerzen, kein Schmuck
Hinter jedem Namenskärtchen verbirgt sich eine Geschichte, jeder Baum ist etwas Besonderes. Beim Spaziergang fällt einer besonders auf: ein Sternenkindbaum für Kinder die kurz vor, während oder nach der Geburt verstorben sind. Gleich daneben steht ein Familienbaum. Doch nicht nur Familien wählen einen Baum mit bis zu zehn Plätzen als letzte Ruhestätte.
Auch ein Kegelverein hat diese Möglichkeit bereits genutzt. Dabei sind die Zeremonien immer individuell. „Wir hatten schon einmal eine Hockeymannschaft da in voller Montur, um ihrem Kameraden die letzte Ehre zu erweisen“, erinnert sich Lukas Wurzinger, Betriebsleiter von Klosterwald. Strenge Regeln gibt es hier keine, manchmal würden Kinder während der Beisetzung auch Fangen spielen. Nur eines ist ganz wichtig: „Keinen Blumenschmuck, oder Gestecke, auch keine Kerzen. Den Schmuck des Grabes übernimmt der Wald.“
Ohne Glaubensgemeinschaft
Der Klosterwald ist offen für alle, rund um die Uhr. „Jeder kann kommen, wann er möchte“, sagt Leb. Es gibt keine Vorschriften, keine Mitgliedschaft in einer Religion ist erforderlich um hier seine letzte Ruhe zu finden. Die beiden erzählen von einer Frau, die in Rohrwald (Bezirk Korneuburg) ihre Mutter beerdigte. Die Tradition, sich jeden Sonntag mit ihr zum Picknick zu verabreden, führte sie hier weiter. „Wer macht so etwas schon auf einem Friedhof?“, schmunzelt Leb.
Bereits zu Lebzeiten kann man sich einen Baum aussuchen. Oft sei es aber besonders, wenn Verwandte dies tun: „Dann werden die Bäume zu Charakteren“, sagt Leb. „Einmal hat eine Familie einen Baum für den verstorbenen Sohn gesucht. Er war gegen fast alles allergisch, außer gegen Kirschen. Jetzt hat er seine Grabstätte unter einer Wildkirsche.“
In NÖ gibt es vier Bestattungswälder, die von den Grundbesitzern gepachtet und als Bestattungswald umgewidmet wurden - in Heiligenkreuz (Bezirk Baden), Rohrwald, St. Pölten und Kirchberg am Wechsel (Bezirk Neunkirchen). Fragt man Lukas Wurzinger und Katharina Leb, was die Waldbestattung so besonders macht, dann antworten sie: „Dass die Menschen mit Sorgen und Last auf den Schultern kommen, aber oft mit einem Lächeln wieder nach Hause gehen.“
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