Präsident Schmuckenschlager (mi.) mit EU-Kandidat Bernhuber (re.)

© Jürgen Zahrl

Chronik | Niederösterreich
05/21/2019

Bauern verlangen Fairness bei der Erdäpfel-Produktion

Lebensmittelcheck: 34 von 50 Erdäpfelsäcken stammten aus dem Ausland. Besserer Pflanzenschutz sei hierzulande notwendig, so die Landwirte.

Bei einem Lebensmittelcheck hat die Landwirtschaftskammer Niederösterreich die Erdäpfelsäcke in den heimischen Supermärkten unter die Lupe genommen. 68 Prozent der Angebote in insgesamt zehn Filialen stammten offenbar aus dem Ausland. Darunter die meisten aus Ägypten, Frankreich und Israel.

Der Grund für die Importe ist, dass die heimische Menge aufgrund der Trockenheit und des Drahtwurmbefalls im Vorjahr um 25 Prozent geringer ausgefallen ist und für den österreichischen Markt nicht ausreicht.

Weil speziell in Ägypten und Israel nach wie vor Pflanzenschutzmittel erlaubt seien, die in Österreich seit Jahrzehnten auf der Verbotsliste stehen würden, beklagen Johannes Schmuckenschlager, Präsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer, und Alexander Bernhuber, Europawahl-Kandidat des niederösterreichischen Bauernbunds, den Wettbewerbsnachteil der heimischen Bauern gegenüber ausländischer Konkurrenz und fordern Fairness und mehr Sicherheit für die Konsumenten.

Aktuelle Situation

Das Ziel des Lebensmittelchecks der Landwirtschaftskammer war, die Konsumenten auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen und die Bedeutung der heimischen Lebensmittelproduktion in den Fokus zu rücken. Insgesamt 50 Erdäpfelsäcke aus zehn Filialen der größeren Supermarktketten wurden laut Landwirtschaftskammer untersucht.

34 Packungen würden aus dem Ausland stammen. Konkret: 15 Säcke aus Frankreich, elf aus Ägypten, vier aus Israel, zwei aus Zypern sowie jeweils einer aus Marokko und Deutschland. „Wer sich die Sackerl genauer ansieht, bemerkt starke Marken, aber die Herkunft ist relativ klein aufgedruckt“, erklärt Schmuckenschlager. Dass bei mehreren ausländischen Produkten ein österreichischer Abpackort angegeben wird, sei aus seiner Sicht irreführend.

Produktionsbedingungen

Anstatt heimischen Bauern die besten Produktionsbedingungen zu bieten, sei Österreich derzeit gezwungen, ausländische Produkte zu importieren. Wie berichtet musste im Vorjahr ein Viertel der Erdäpfelernte aufgrund des Drahtwurmbefalls vernichtet werden. Diese Menge ist sofort durch ausländische Erzeugnisse ersetzt worden, weiß Schmuckenschlager: „Wir brauchen einen komplett gefüllten Werkzeugkoffer, um die heimische Versorgung sicherzustellen."

Er verlangt den Einsatz eines chemischen und mechanischen Pflanzenschutzes. Gerade in Zeiten des Klimawandels seien die Pflanzen besonders im Stress. Umso wichtiger sei, auf die Extremsituationen entsprechend reagieren zu können. Auch beim Preis sei keine Fairness erkennbar: „Während Supermarktketten für ausländische Erdäpfel 80 Cent pro Kilogramm zahlen, werden heimischen Bauern 60 Cent pro Kilo angeboten.“

Auch Europawahl-Kandidat Alexander Berngruber fordert faire Wettbewerbsbedingungen für die heimischen Bauern und die Versorgung der Österreicher mit heimischen Lebensmitteln: „Dass Produkte aus Ägypten kommen, ist eine untragbare Situation. Auch die Deklaration auf dem Etikett funktioniert nicht. Das ist Betrug am Konsumenten. Schlupflöcher wie bei den Hühner-Importen müssen sofort geschlossen werden“, sagt Berngruber.