Mehr Gehalt für Bankangestellte

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Betrugsaffäre
11/16/2013

Banker veruntreute 1,3 Millionen Euro

Ein Ex-Mitarbeiter eines Weinviertler Instituts will nur wie Robin Hood gehandelt haben.

von Stefan Straka

Ich brauche 50.000 Euro vom Sparbuch. Einmal kaufe ich mir einen ,Stern‘“, sagte der Landwirt und fleißige Sparer und schob der Bediensteten das blaue Büchl über das Pult. Doch die Antwort der Bediensteten war für den Landwirt ein Schlag ins Gesicht: „5,65 Euro können Sie haben. Mehr ist nicht drauf.“ Mit diesem Dialog flog eine der größten Betrugsaffären bei einer Bank im Weinviertel auf. Der Schuldige wurde von den unbestechlichen Prüfern der internen Revision bald gefunden. 1,3 Millionen Euro hat der langjährige Mitarbeiter von Sparbüchern und Kundenkonten in den vergangenen Jahren abgezweigt.

Dass das jahrelang nicht aufgeflogen ist, hatte einen simplen Grund. Der heute 61-jährige Mitarbeiter betrieb so etwas wie eine doppelte Sparbuch-Buchhaltung. Heißt: Den Kunden schrieb der mutmaßliche Betrüger zwar unter Einsatz einer alten Schreibmaschine auf den Büchel etwas gut, tatsächlich landete aber kein Geld auf den Konten.

Vernehmung

Nach der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft nahmen sich die Spezialisten vom Landeskriminalamt der Affäre an und zogen sämtliche Register ihres Könnens. Ausgestattet mit richterlichen Beschlüssen wurden zahlreiche Konten geöffnet, um letztlich die Geldflüsse nachvollziehen zu können. Schließlich holte man sich den Verdächtigen zur Vernehmung. Dabei kamen die Ermittler aus dem Staunen nicht heraus. Dem Grunde nach soll der Mann die Veruntreuungen auch gestanden haben, jedoch soll er jegliche Bereicherungsabsicht vehement bestritten haben. Seiner Darstellung nach will er die hohen Geldbeträge so wie einst der berühmte Robin Hood an Arme und Notleidende weiter gegeben haben. Einmal hätte er einem Häuslbauer, der bis zum Hals in Schulden steckte, die Außenstände getilgt. „Der war so aufdringlich und ungut. Der ist mir auf die Nerven gegangen“, gab der Ex-Banker sinngemäß als Rechtfertigung zu Protokoll. Einzige Bedingung: Der Häuslbauer möge die Filiale „nie wieder betreten“. Tatsächlich wurden neun Kunden ausgeforscht, denen der Banker von 1995 bis zur Pensionierung insgesamt 180.000 Euro privat geliehen hatte. „Er spielte Bank in der Bank“, sagte ein Polizist. „Wenn das Robin Hood ist, bin ich der Sheriff von Nottingham“, soll der Ermittler darauf geantwortet haben und recherchierte weiter.

Im Abschlussbericht ist von einem Schaden von 1,3 Millionen Euro die Rede. Wo das Geld geblieben ist, ist noch ein Rätsel. Der Veruntreuer soll weder in Saus und Braus gelebt haben. Er selbst will sich nicht mehr erinnern, wofür er das Geld ausgegeben hat. Die größten Opfer sind drei Landwirte, die seit Jahrzehnten bei dem Institut gespart hatten. Für die „Einzahlungen“ machte der Ex-Bedienstete sogar diskrete „Hausbesuche“.

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