Wilfing und Bauer (mi.) präsentierten mit Regionsvertretern eine neue Studie.

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Studie
09/08/2016

Bahn-Ausbau: 90 Minuten von Wien bis Gmünd

Land will Franz-Josefs-Bahn um 660 Millionen Euro ausbauen / Großteil der Finanzierung noch offen.

von Jürgen Zahrl

Seit 150 Jahren ist die Franz-Josefs-Bahn (FJB) eine Hauptverkehrsader durch das Waldviertel. Um die alte Strecke zwischen Gmünd und Wien für Pendler attraktiver zu machen – sprich die Fahrzeit langfristig von 110 auf 90 Minuten zu reduzieren – wollen Land NÖ und ÖBB ihre am Mittwoch präsentierte Studie nun auf Schiene bringen. Mit moderneren Zügen, Streckenverbesserungen, Direktanbindung von Horn und Neubauabschnitten um insgesamt 660 Millionen Euro will man der minimalen Fahrzeit allmählich näher kommen. Jetzt gilt es, Verkehrsminister Jörg Leichtfried vom Großprojekt zu überzeugen.

Schon demnächst sollen erste Maßnahmen, die in der Studie festgeschrieben stehen, umgesetzt werden. Vier neue Garnituren des barrierefreien Cityjets kommen ab Dezember zum Einsatz und ermöglichen – auch durch drahtloses Internet im Zug – komfortables Reisen. Weitere vier Cityjets sollen im Februar folgen. Im Zusammenhang mit den Ausbauplänen verweisen die Verantwortlichen auf die Fahrgastzahlen vom ersten Halbjahr 2016. Mit der Umstellung auf den getakteten Fahrplan ist die Gästefrequenz auf der FJB um 12 Prozent gestiegen.

Derzeit nützen 2400 Tagespendler die Verbindung von Gmünd bis Wien. Mit mittel- und langfristigen Maßnahmen ist eine weitere Zunahme auf 3420 Passagiere möglich. Dafür ist jedoch der Ausbau der Infrastruktur nötig. "Wir sind bereits glücklich, wenn die Züge derzeit im Schnitt 80 bis 90 Stundenkilometer fahren können. Jetzt wollen wir auf 160 Stundenkilometer kommen, um Fahrzeiten zu reduzieren", betont Landesrat Karl Wilfing. Um 87 Millionen Euro müssen dafür Schienenradien angepasst und neue Begegnungszonen geschaffen werden.

Horner Spange

In den nächsten zehn bis 15 Jahren will man auch eine elektrifizierte Direktanbindung von Horn an die FJB schaffen. Wie KURIER-Leser wissen, haben die ÖBB dafür schon seit September 2015 fertige Pläne in der Schublade. Zwischen Klein-Meiseldorf und Horn soll eine 3,1 Kilometer lange Spange errichtet werden, um von Horn bis Wien eine zügige Bahnverbindung zu schaffen – Kostenpunkt 93 Millionen Euro.

Noch keinen Zeithorizont gibt es für die angedachten Streckenbegradigungen bei Vitis, Allentsteig, Göpfritz an der Wild und bei der Hangbrücke Maissau, die alleine etwa 480 Millionen Euro kosten werden. Da zwischen der Phase 2 und 3 keine hohen Zuwächse mehr zu erwarten seien, müssten Phase 1 und 2 erst gut greifen, "damit der nächste Schritt gesetzt werden kann", sagt Franz Bauer, Chef der ÖBB-Infrastruktur, der dennoch vorsichtig optimistisch bleibt. Schon demnächst will man mit dem Verkehrsministerium in konkrete Finanz-Gespräche treten.