Badens Grüne fürchten: "Sparpaket der Regierung bedroht Kurstadt"
Baden ist bekannt für seine Kuranstalten und Erholungseinrichtungen.
Baden lebt vom Gesundheitstourismus. 63 Prozent aller Nächtigungen in der Stadt entfallen auf Kur- und Rehabilitationsgäste, die dafür zur Verfügung stehenden Einrichtungen umfassen rund 490 stationäre Betten und mehr als 200.000 ambulante Therapien pro Jahr. Die "Römertherme" zählt etwa 250.000 Besucher jährlich.
All das sehen die Grünen in Gefahr. Und zwar durch die aktuellen Budgetkürzungen der Bundesregierung. "Einsparungen von bis zu 75 Millionen Euro bei Kuren treffen Baden ins Mark", sagt Gemeinderat Stefan Eitler. Man fordert daher eine Resolution an die Regierung.
Baden - als „Great Spa Town of Europe" UNESCO-Weltkulturerbe - sei Österreichs bedeutendster Gesundheitstourismus-Standort außerhalb der Alpenregion, so Eitler. "Die wirtschaftliche Bedeutung ist wissenschaftlich gut belegt: Laut WIFO erzeugt jeder im Thermentourismus erwirtschaftete Euro eine Wertschöpfung von 2,80 Euro für die Gesamtwirtschaft; jeder Thermenarbeitsplatz schafft 2,8 weitere Arbeitsplätze in der Region. Dieses Fundament gerät nun ins Wanken: Die Bundesregierung plant für das Doppelbudget 2027/2028 Einsparungen bei Kuren von 50 Millionen Euro im Jahr 2027 und 75 Millionen Euro im Jahr darauf. Dazu kommt die Nicht-Valorisierung von Reha-, Kranken- und Wiedereingliederungsgeld in den Jahren 2025/2026."
"Signal nach Wien"
Eitler kritisiert: „Kur und Rehabilitation sind keine Ausgaben – sie sind Investitionen, die sich für den Staat mehrfach rechnen. Wer heute bei Reha-Leistungen spart, zahlt morgen drauf: durch längere Krankenstände, mehr Frühpensionierungen, steigende Pflegekosten." Dass Badens Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) dem Sparpaket im Nationalrat zugestimmt hat, ärgert den Grünen: "Zwei Nationalrätinnen der schwarz-rot-pinken Bundesregierung - Jeitler-Cincelli und Gertraud Auinger-Oberzaucher (Neos), Anm. - sitzen im Badener Gemeinderat und keine setzt sich für unseren Kur-Standort ein. Der Gemeinderat muss ein klares Signal nach Wien senden."
Der Badener Gemeinderat Stefan Eitler (Grüne).
Badens Kur-Infrastruktur sei sanierungsbedürftig: "Für die Römertherme empfiehlt eine Expertenstudie, die im Februar 2024 präsentiert wurde, eine strategische Neuausrichtung mit einem Investitionsbedarf von rund 42 Millionen Euro. Die Studie empfiehlt, die Kur- und Reha-Einrichtungen zu stärken und den Wellness-Sektor gezielt auszubauen."
"Wirtschaftliche Lebensader"
Nun sei zu befürchten, dass sowohl die Stadt als auch die Betreiber der Einrichtungen notwendige Investitionen aufschieben. "Dies schadet dem Wettbewerbsumfeld und der Positionierung des Standortes nachhaltig. Wer hier spart, spart nicht an einem Luxusangebot, sondern an einer wirtschaftlichen Lebensader unserer Stadt. Das trifft unsere Gastronomie, unseren Handel, unsere Arbeitsplätze unmittelbar."
Bürgermeisterin Jeitler-Cincelli sieht die Situation bei Weitem nicht so dramatisch. "Baden ist ein bedeutender Gesundheitsstandort und eine international bedeutende Kurdestination. Man muss jedoch klar festhalten, dass der Schwerpunkt heute im Reha-Bereich liegt: Mehr als zwei Drittel der Betten in Baden stehen für Reha-Aufenthalte zur Verfügung." Und diese seien von den geplanten Einsparungen kaum betroffen.
"Nur knapp ein Drittel entfällt auf klassische Kur-Betten", so Jeitler-Cincelli. Baden habe sich bereits stark weiterentwickelt, müsse sich auch künftig weiterentwickeln. "Dafür brauchen die Betriebe aber auch die notwendige Zeit und Planungssicherheit, um sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen zu können. Besonders wichtig ist uns dabei die Absicherung des Badener Hofs als zentraler Bestandteil des Gesundheitsstandorts Baden."
"Noch keine Fakten"
Sie habe "mit den entscheidenden Gremien Rücksprache gehalten, da bis dato nur eine Überschrift vorliegt und keine Fakten", betont die Bürgermeisterin. "Nur wenn wir wissen, was kommt, können wir verantwortungsvoll und langfristig planen. Deshalb werde ich dazu auch umgehend Gespräche führen."
Das Welterbe im Rahmen der "Great Spa Towns of Europe" sei keinesfalls gefährdet, ist Jeitler-Cincelli überzeugt: "Es umfasst weit mehr als medizinische Kuraspekte allein. Entscheidend sind dabei auch Erholung in der Natur, Freizeit- und Gesellschaftskultur sowie die hohe Lebensqualität, die Baden seit Generationen prägen und die wir weiterhin aktiv weiterentwickeln wollen."
Auch Neos-Abgeordnete Auinger-Oberzaucher stimmt zu: "Rehabilitation ist längst das zentrale Angebot am Gesundheitsstandort Baden. Genau darin liegt eine große Chance für die Stadt. Statt die Diskussion auf Alarmismus und eine Kurdebatte zu verengen, braucht Baden endlich eine klare Positionierung als moderne Gesundheitsdestination. Reha, Prävention und Gesundheitsvorsorge müssen strategisch weiterentwickelt werden."
"Viel analysiert, wenig umgesetzt"
In den vergangenen Jahren sei von der schwarz-grünen Koalition in Baden "viel analysiert, aber zu wenig umgesetzt" worden, findet sie. "Die Stadt hat es verabsäumt, aus bestehenden Entwicklungen eine aktive Standortstrategie abzuleiten." Die Neos wollen daher klären, welche Angebote Patienten künftig brauchen. "Wie kann Baden seine Reha-Kompetenz besser mit Prävention, Gesundheitsvorsorge und Tourismus verbinden? Und welche konkreten Schritte braucht es, damit aus Studien endlich Umsetzung wird?"
Kommentare