Stellenweise ist bereits das Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) in NÖ unterwegs.

© RK NÖ/Bettina Moser

Notarzt-Regionen
02/25/2016

Ausschreibung: Retter-Reform mit Misstönen

Völlige Neuordnung der Versorgung verunsichert die freiwilligen Helfer.

von Jürgen Zahrl, Matthias Hofer

Es brodelt im nö. Rettungswesen. Die völlige Neuaufstellung der Notarztversorgung verunsichert die Freiwilligen. Wie berichtet, ist das Land ab Jänner 2017 in acht Versorgungsregionen eingeteilt. Ab Anfang März können sich Rettungsorganisationen aus ganz Europa darum bewerben, wer in der jeweiligen Region Notarzt-Einsätze fährt. Noch bevor Details der Ausschreibung durch das Land bekannt sind, werden bereits Stimmen laut, das Rote Kreuz solle sich gar nicht beteiligen.

Warum aber gärt es bei den Rettern so? Vor allem deshalb, weil sie ohnehin mitten in einer Notarzt-Reform stecken. Sowohl Rotes Kreuz als auch Samariterbund stellen gerade auf das NEF-System um, bei dem nicht mehr zwingend ein Notarztwagen, sondern der Notfallmediziner im separaten Einsatzfahrzeug (ein Pkw, genannt "NEF") ausrückt. Mitgrund für die Umstellung ist der aktuell gültige Vertrag mit dem Land, der die Notarzt-Versorgung regelt. "Wir haben uns gegenüber dem Land dazu verpflichtet, gemeinsam mit dem Roten Kreuz in Etappen das neue NEF-System einzuführen", sagt Ralph Ebhart, Landesmanager beim Samariterbund. Da somit "alle Aufgaben erfüllt" seien, sieht er "keinen zwingenden Grund" für die Neuregelung im Notarztwesen.

Leistungskriterien

Der für das Rettungswesen zuständige SPÖ-Landesrat Maurice Androsch kontert: "Die Verträge für die bestehenden Notarzt-Betreiber laufen mit Ende 2016 aus." Die Umstrukturierung diene zur langfristigen Sicherstellung der Notarztversorgung. "Die Leistungskriterien für die Bürger ändern sich nicht." So soll etwa die 20-minütige Erreichbarkeit nicht nach oben ausgedehnt werden.

Sehr wohl ändern könnte sich die Struktur: Ob tatsächlich alle derzeitigen 32 Notarzt-Standorte erhalten bleiben (siehe Grafik), obliegt nämlich den künftigen Betreibern der Versorgungsregionen.

Einzelne Bezirksverantwortliche des Roten Kreuzes nennen das Vorgehen des Landes einen "unfreundlichen Akt zwischen Partnern". Sie wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen, verlangen aber von der RK-Führung, in letzter Konsequenz, auf eine Teilnahme an der Ausschreibung zu verzichten. Davon will Landesmanager Peter Kaiser (noch) nichts wissen: "Wir haben großes Interesse, die Notfallversorgung weiterzubetreiben."

Boykott

Androsch glaubt nicht an den Boykott der Rettungs-Regionen: "Wir sind überzeugt, dass sich auch die beiden Organisationen an der Ausschreibung beteiligen werden." Den Ärger der Freiwilligen wegen der NEF-Umstellung kann er nicht nachvollziehen: "Das Einsatzmittel, mit dem der Notarzt kommt, hat nichts mit der grundsätzlichen Struktur zu tun."

Aktuell wird die Notarzt-Versorgung ausschließlich vom Land finanziert, das jährlich 13 Millionen Euro dafür aufwendet.

Niederösterreichs Retter fürchten aber eine ähnliche Entwicklung wie in Tirol. Auch dort wurde vor Jahren die Notfall-Versorgung ausgeschrieben. 2010 erhielt eine Bietergemeinschaft aus Rotem Kreuz, Samariterbund, Maltesern, Johannitern und "ÖRD" den Zuschlag. Nur zwei Jahre später drohte die Insolvenz, weil bereits im ersten Jahr 3,6 Millionen Euro fehlten.

Der in NÖ für Finanzen zuständige ÖVP-Landesvize Wolfgang Sobotka hält nichts von Schreckgespenstern: "Wir werden – so wie bisher – die Finanzierung auch in Zukunft sicherstellen."

Die Ausschreibungsunterlagen sollen Anfang März vorliegen. Dann können die großen Rettungsorganisationen die Situation neu bewerten. Ihnen stehen jedenfalls spannende Zeiten bevor, da auch für die normalen Rettungstransporte die Tarifverträge mit der Gebietskrankenkasse heuer auslaufen.

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