Hadis (li.) und Anes vor der Kremser Badearena. Sie sagen: "Traurig, dass in einem so modernen Land wie Österreich gegen Asylwerber gehetzt wird."

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Mutig
02/10/2016

"Asylwerber" in Sauna waren Einheimische

Freunde wollen nicht, dass andere zu Unrecht beschuldigt werden.

von Jürgen Zahrl

Heftig waren die Kommentare, als behauptet wurde, dass "Fremde" in die Sauna der Kremser Badearena eingedrungen waren. Sofort wurden - laut einem Bericht der Niederösterreichischen Nachrichten - Asylwerber beschuldigt, denen man böse Absichten unterstellte. Manche sprachen gar von vereitelten "Sex-Übergriffen". Grund genug für zwei Österreicher mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien, mutig an die Öffentlichkeit zu gehen: "Das waren keine Flüchtlinge, sondern ich und mein Freund Anes. Wir hatten uns einfach geirrt", sagt der 18-jährige Friseur Hadis.

"Husch, husch"

Als Hadis und Anes, 17, nach dem Schwimmen ihre Haare richten wollten, "sind wir leider falsch abgebogen und standen plötzlich im Sanitärbereich der Sauna", erzählt der 18-Jährige. In diesem Moment kamen Benützer aus der gemischten Sauna – keiner Damensauna, wie behauptet wurde. Ein Mann sagte "Husch, husch" und verscheuchte sie mit Handbewegungen, die sie als ziemlich herablassend empfanden. Die unbekleideten Damen im Hintergrund hätten nur gekichert.

Dass einzelne Medien daraus im Nachhinein einen Flüchtlings-Skandal konstruierten, finden sie traurig. „Wir sind stolz, da leben zu dürfen und wir finden es traurig, dass in einem modernen Land wie Österreich gegen Flüchtlinge gehetzt wird“, sagen sie. Dass eine Frau in der Folge gar eine Kennzeichnung von Asylwerbern vorschlug, erinnert sie an Zeiten, in denen Juden Davidsterne tragen mussten.

"Bin froh über ihre Zivilcourage"

Die in Krems für Soziales zuständige Stadträtin Eva Hollerer lobt den Mut der Burschen: "Ich finde das großartig und bin froh über ihre Zivilcourage, mit der sie vor den Vorhang treten."