Angriff auf Justizwache in JA Stein: Insasse verletzte zwei Beamte
Zwei Justizwachebeamte der Justizanstalt (JA) Stein sind am Freitagvormittag von einem Insassen attackiert und verletzt worden. Beide Beamte konnten nach der Versorgung in einem Spital wieder entlassen werden, ein erster Verdacht in Richtung Knochenbrüche bestätigte sich nicht. Der niederösterreichische Justizwachegewerkschafter Wolfgang Graf, der selbst in der JA Stein tätig ist, hatte der APA Freitagmittag den Vorfall bestätigt.
Der Insasse befindet sich nach APA-Informationen erst seit kurzem in der JA Stein. Er wurde von der JA Innsbruck in den Osten verlegt, weil es in Tirol Schwierigkeiten mit dem Häftling gegeben haben soll. Der als „besonders gefährlich“ eingestufte Russe war in Stein zunächst im Normalvollzug untergebracht. Nach einem ersten gewalttätigen Übergriff auf eine Beamtin wurde der 23-Jährige in der Vorwoche auf die Sicherheitsabteilung verlegt.
Dort kam es am Freitagvormittag zur nächsten Gewalttat. „Der Insasse hat dem Kollegen ohne ersichtlichen Grund und ohne Vorankündigung einen Faustschlag ins Gesicht versetzt“, schilderte Graf im Gespräch mit der APA. Sechs Beamte der spezialisierten Justizwache Einsatzgruppe (JEG) kamen dem im Gesichtsbereich gröber verletzten 39-Jährigen zu Hilfe. Um den renitenten Häftling zu bändigen, musste auch ein Taser eingesetzt werden. Bei dem Einsatz wurde ein zweiter Beamter verletzt. Der 44-Jährige erlitt eine Rippenprellung.
Vorfall für Gewerkschafter „Konsequenz aus Personalpolitik“
Für Justizwachegewerkschafter Graf ist der Zwischenfall „die Konsequenz aus der Personalpolitik“, wie er gegenüber der APA betonte. Laut Graf sind in der JA Stein die Planstellen nur zu 84 Prozent besetzt. In der Haupturlaubszeit im Sommer würde sich der Personalmangel besonders bemerkbar machen. Die Engpässe seien speziell an den Wochenenden und zu den Randdienstzeiten spürbar. „Wenn man das System zu Tode spart, wird das auf dem Rücken der Beamtinnen und Beamten ausgetragen, die täglich ihren Dienst versehen“, stellte Graf fest.
Der Gewerkschafter forderte rasch mehr Personal für die Justizwache, die an ihren Belastungsgrenzen angelangt sei: „Wenn wir von Haus aus zu wenig Leute sind, lässt sich das System nicht aufrecht erhalten.“
Volksanwältin „erschüttert, aber nicht überrascht“
„Erschüttert, aber nicht überrascht“ zeigte sich die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP). „Der Überbelag in den Gefängnissen und die Überlastung des Personals sind eine gefährliche Mischung. Gerade jetzt im Sommer, wenn zur ohnehin angespannten Personalsituation noch die Urlaubszeit kommt, ist zu befürchten, dass sich derartige Vorfälle wiederholen“, meinte Schwarz gegenüber der APA.
Ohne ausreichendes Justizwache- und Fachpersonal „wird sich die Situation für alle Beteiligten nicht verbessern“, betonte Schwarz. „Dass es Verletzte gab, bedauere ich. Umso wichtiger ist es, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Personalstand zu erhöhen“, bemerkte sie abschließend.
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